Den Stars und Sternchen so nah mit Jana: Schauspieler Herbert Knaup im Interview – ob in „Sarah Kohr“, „Die Kanzlei“, als Kluftinger oder in zahlreichen weiteren Rollen: Er begeistert immer wieder aufs Neue

"Ruhig ist er nur, wenn er sich bewegt"

Herbert Knaup zählt zweifellos zu den bedeutendsten und vielseitigsten Charakterdarstellern Deutschlands. Seit Jahrzehnten begeistert der gebürtige Sonthofener auf der Theaterbühne sowie in zahlreichen Kino- und Fernsehproduktionen. Ob als eigenwilliger Allgäuer Kultkommissar Kluftinger, als souveräner Rechtsanwalt Markus Gellert in „Die Kanzlei“ oder als Staatsanwalt Anton Mehringer in der gefragten ZDF-Krimireihe „Sarah Kohr“ – mit großer Intensität, außergewöhnlicher Präsenz und feinem Gespür verleiht Herbert Knaup jeder seiner Figuren eine unverwechselbare Tiefe. Zahlreiche Auszeichnungen, darunter der Deutsche Filmpreis und die Goldene Kamera, würdigen das beeindruckende Schaffen eines Ausnahmeschauspielers, der sich seine Neugier und seine Freude an neuen Herausforderungen bis heute bewahrt hat. Im Gespräch mit unserer Redaktionsleitung Jana Dahnke gibt er Einblicke in sein langjähriges und erfolgreiches Schaffen...

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Herbert Knaup ist ein vielseitiger Theater- und Filmschauspieler, der zu den bekanntesten sowie präsentesten Gesichtern der deutschen Kino- und Fernsehlandschaft gehörtBild: ZDF / Christine Schröder
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Unsere Redaktionsleitung Jana Dahnke trifft Stars und Sternchen im exklusiven InterviewBild: Jana
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"Ruhig bin ich nur, wenn ich mich bewege. Also bewege ich mich am laufenden Band – und entsage dem Rentnerdasein. (Lacht)"Bild: ZDF / Christine Schröder
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Sarah Kohr – Drecksarbeit: Ab 3. Oktober 2026 in der ZDF-Mediathek und am Montag, 12. Oktober 2026, um 20:15 Uhr im ZDFBild: ZDF / Christine Schröder,
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"Selbst wenn ich bei ihren Actionszenen nicht dabei bin, finde ich es grandios, wie Lisa sie umsetzt"Bild: ZDF, Christine Schröder/ [M] Irenaeus Herok
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"Es gibt so viele deutsche Krimis, aber gerade mit unseren Actionszenen können wir international mithalten"Bild: ZDF, Christine Schroeder
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"Es gibt eine Menge Dinge, die mich an dem Format "Sarah Kohr" faszinieren"Bild: ZDF, Marion von der Mehden
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"Die neue Folge heißt „Drecksarbeit“. Sie greift die Ausbeutung osteuropäischer Arbeitskräfte auf, die unter extremen Bedingungen in Deutschland arbeiten müssen"Bild: ZDF, Christine Schröder
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Glückskind: "Mein Glück war, dass ich selbst Kinder habe, Kinder liebe und die Familie für mich das Größte ist. Deshalb war der Umgang mit einem Baby etwas sehr Schönes"Bild: SWR / Martin Furch
Jana: Mich persönlich hat Ihre Rolle im Film „Glückskind“ sehr berührt. Was war für Sie die größte Herausforderung bei den Dreharbeiten mit einem Baby – waren sofort Vatergefühle da oder gab es zunächst Berührungsängste?
Herbert Knaup: Mein Glück war, dass ich selbst Kinder habe, Kinder liebe und die Familie für mich das Größte ist. Deshalb war der Umgang mit einem Baby etwas sehr Schönes. Tatsächlich handelte es sich um Zwillinge, die immer wieder abgewechselt wurden, weil man die langen Dreharbeiten einem Baby gar nicht hätte zumuten können. Ihre Mutter ist die ganze Zeit dabei gewesen und hat sie uns für die jeweiligen Szenen anvertraut – insgesamt war das alles sehr herzlich und offen. Am schlimmsten empfand ich jedoch die Aufnahmen, für die ich das Baby aus einem Müllcontainer herausfischte, der natürlich keinen echten Müll enthielt. Aber allein der Gedanke, dass es Mütter oder Väter gibt, die ihr Kind aus einer Notlage oder einer charakterlichen Deformation heraus im wahrsten Sinne des Wortes wegwerfen, war grausam. Dieses Thema und die Figur, die ich gespielt habe, gingen mir sehr nahe.
 
Gab es Rollen, die Ihnen besonders viel abverlangt haben oder deren Darstellung Sie Überwindung gekostet hat?
Da gab es einige. „Die Sieger“, der Film, mit dem ich damals meinen Durchbruch feierte, gehört sicherlich dazu. Hier spielte ich den Leiter einer SEK-Truppe. Allein das körperliche Training und die 55 Drehtage, an denen ich praktisch täglich vor der Kamera stand, waren eine große Herausforderung. Das durchzuziehen und über die gesamte Zeit die nötige Kraft aufzubringen, ist sehr anstrengend gewesen. Besonders belastend war es auch, einen Nationalsozialisten wie Eichmann zu spielen. Dazu hörte ich Originalaufnahmen, in denen er bei sonntäglichen Treffen in Südamerika einen grausamen Irrsinn von sich gab. Er hatte die Deportation der Juden in die Gaskammern mitorganisiert und hielt all das trotzdem innerlich von sich fern. Mich hat sehr beschäftigt, was in einem Menschen vorgehen muss, damit er so denken und handeln kann – welche Deformation und Empathielosigkeit dafür nötig sind. Das hat mich wirklich mitgenommen. Trotzdem war es wichtig, eine solche Figur zu verkörpern.
 
Sie beschreiben sich selbst als umtriebig und sagen: „Ruhig ist er nur, wenn er sich bewegt.“ Für „Herbert (un)verbesserlich“ stellten Sie sich ganz unterschiedlichen körperlichen und mentalen Herausforderungen – bis hin zum Spartan Race. Welche Erkenntnisse haben Sie daraus für sich mitgenommen, und wie finden Sie ganz allgemein den nötigen Ausgleich?
Im Alltag gehe ich viel spazieren und treibe morgens ein wenig Sport, um mich fit zu halten. Was ich aus dem Dokumentarfilm mitgenommen habe, war die Erfahrung mit der Hypnose. Sie hat mich weitergebracht, weil ich dabei einen tiefen Zugang zu mir selbst und eine Art inneren „Ich-Punkt“ gefunden habe. Das hat mir Selbstvertrauen gegeben und hilft mir heute, in bestimmten Situationen Ruhe zu bewahren. So verrückt es für einen Schauspieler klingen mag: Ich hatte früher eine Redeblockade. Sobald ich vor einer Gruppe aufstand und frei sprechen sollte, wurde es schwierig – jedenfalls dann, wenn es sich nicht um einen gelernten Text handelte. Seit etwa eineinhalb Jahren habe ich dieses Problem überhaupt nicht mehr und dafür bin ich sehr dankbar.
 
Sie sind in Sonthofen aufgewachsen und leben seit mehreren Jahren in Berlin. Was vermissen Sie am Allgäu?
Die Landschaft und die Menschen. Wenn man noch einen richtigen Einheimischen trifft, besitzt der oft einen ganz besonderen Humor. Das hängt sicher auch mit dieser kargen Natur zusammen: Im Sommer kann sie lieblich sein, im Winter ziemlich heftig. In den Tälern wird es richtig kalt. Das Leben dort war zumindest in meiner Erinnerung nicht immer leicht. Ich komme aus einfachen Verhältnissen und stamme mütterlicherseits aus einer Bauernfamilie. Dadurch habe ich erlebt, was es bedeutet, in dieser Region Bauer zu sein. Auf den steilen Hängen kann man nicht einfach mit einem normalen Rasenmäher oder Traktor arbeiten. Dort braucht es die Sense oder handgeführte Mähmaschinen. Diese Arbeit ist brutal anstrengend und hat etwas sehr Deftiges. Gleichzeitig besitzt die Landschaft eine besondere Qualität. Sie ist wie eine Tankstelle und gibt einem eine unglaubliche Kraft. Sie lädt zum Innehalten und Durchatmen ein. Wenn man auf einer Anhöhe steht und in ein Tal hinunterschaut, kommt man zu sich. Im Berliner Großstadtgetriebe gelingt das nicht so leicht. Man kann zwar in den Park gehen, hört dort ein paar Vögel zwitschern und begegnet einigen Hunden, benötigt aber mehr Fantasie, um aus einer beinahe künstlich angelegten Umgebung denselben Halt zu ziehen. Ein Sprung in einen Bergsee ist dagegen natürlich ein Traum – zumindest im Sommer. Im Winter wird es schwieriger. (Lacht)
 
Mit Kommissar Kluftinger haben Sie eine Kultfigur des Allgäus verkörpert, während „Sarah Kohr“ in Hamburg und im Norden spielt. Wie stark beeinflusst die jeweilige regionale Mentalität eine Produktion?
Als Schauspieler nimmt man die Atmosphäre eines Ortes auf und gleicht sich ihr bis zu einem gewissen Grad an. Wie stark das gelingt, hängt auch vom schauspielerischen Talent ab. Wenn man in Hamburg dreht, kommt die städtische Komponente zum Vorschein. Man schnuppert die Hamburger Luft und lässt diese Eindrücke in den Alltag und die Arbeit einfließen. Bei Kluftinger hingegen geht es vielleicht etwas langsamer zu, aber die Menschen kommen trotzdem zu ihrem Ergebnis. Für die eigentliche Arbeit macht es am Ende jedoch keinen grundlegenden Unterschied. Man ist dort, wo man ist, nimmt die Umgebung auf und gibt alles, was man hat. Überspitzt gesagt könnte man einen Kluftinger sogar auf dem Land bei Hamburg drehen. Dort würden zwar die Berge fehlen, jedoch könnten die Schauspieler die regionale Mentalität trotzdem in ihre Figuren einbringen.
 
In der ZDF-Krimireihe „Sarah Kohr“ übernehmen Sie seit 2014 die Rolle des Staatsanwalts Anton Mehringer. Was mögen Sie an Ihrer Rolle und an dem Format am liebsten?
Am meisten schätze ich die Entwicklung der beiden Figuren. Es hat damit angefangen, dass Anton Mehringer und Sarah Kohr, gespielt von Lisa Maria Potthoff, ein Liebespaar waren. Das hat sich im Laufe der Jahre verändert, sicher auch aufgrund des Altersunterschieds. Mehringer wurde zunehmend zu einem väterlichen Freund. Inzwischen sind die beiden beinahe ein Ermittlerduo – obwohl ein Staatsanwalt eigentlich gar nicht so stark in die Ermittlungen eingreifen dürfte. Gerade diese Verbindung zwischen ihnen ist für die Reihe entscheidend. Selbst wenn ich bei ihren Actionszenen nicht dabei bin, finde ich es grandios, wie Lisa sie umsetzt. Sie selbst betreibt Krav Maga und hat darüber sogar ein Buch geschrieben. Diese israelische Form der Selbstverteidigung ist mehr als reiner Kampf: Sie ist mit einer inneren Haltung und einer bestimmten Lebensweise verbunden. Hinzu kommen die aktuellen gesellschaftlichen Themen, die der Autor immer wieder aufgreift. Es gibt also eine Menge Dinge, die mich an diesem Format faszinieren.
 
Die Fälle sind oft extrem düster und dramatisch. Wie fordernd sind die Dreharbeiten zu solchen emotionalen Stoffen?
Schon hart. Gerade die Kampf- und Actionszenen müssen intensiv vorbereitet werden. Zugleich verlangt es den beteiligten Schauspielern viel ab, die emotionalen Ausnahmezustände ihrer Figuren glaubwürdig zu verkörpern. Die Filme leben davon, dass diese Situationen sehr drastisch dargestellt werden. Ich bewundere, wie konsequent sie sich darauf einlassen. Das gelingt nur durch das Vertrauen in das Drehbuch, die Regie und die gesamte Produktion. Trotz der düsteren Geschichten macht die Arbeit deshalb großen Spaß. Diese Intensität zeichnet die Reihe aus. Es gibt so viele deutsche Krimis, aber gerade mit unseren Actionszenen können wir international mithalten. Gleichzeitig ist die Sprache stark reduziert. Es wird nicht zu viel gesprochen, und dennoch kann man die Charaktere erkennen und die Figuren lesen. Diese Verbindung finde ich wirklich besonders.
 
Sie haben unzählige Rollen erfolgreich verkörpert und sind dennoch neugierig auf Neues geblieben. Was macht die Schauspielerei für Sie bis heute zum schönsten Beruf?
Ich habe mich schon immer als Menschendarsteller verstanden. Mein Auftrag ist es, Menschen zu zeigen und dem Publikum dadurch die Möglichkeit zu geben, etwas über sich selbst oder über andere zu erkennen. Deshalb verwandle ich mich so gerne und stelle ganz unterschiedliche Charaktere dar. Das belebt mich. Jetzt spiele ich auch wieder Theater. Da könnte man fragen: Bist Du wahnsinnig? Warum haust Du Dir noch einmal diese Berge von Text in den Kopf? (Lacht) Aber wenn man eine Rolle wirklich inhaliert, seinen Text gelernt hat und schließlich ganz frei mit ihr umgehen und spielen kann, ist das ein großartiges Gefühl. In meinem Inneren bin ich nach wie vor ein Spielkind. Dieser Beruf bleibt aber stets eine Herausforderung: Eine Rolle ist wie ein Berg, den man in einer bestimmten Zeit besteigen muss. Das Geschäft ist mittlerweile ungeduldiger geworden, und man muss die Dinge viel schneller beherrschen. Während früher vielleicht 14 Takes gedreht wurden, sind es heute oft nur noch zwei oder drei. Das verlangt von einem Schauspieler, unglaublich gut vorbereitet zu sein.
 
Zum Abschluss dürfen Sie noch einmal Werbung in eigener Sache machen: Worauf dürfen wir uns bei der neuen Folge von „Sarah Kohr“ und darüber hinaus freuen?
Die neue Folge heißt „Drecksarbeit“. Sie greift die Ausbeutung osteuropäischer Arbeitskräfte auf, die unter extremen Bedingungen in Deutschland arbeiten müssen, und zeigt, wie skrupellos mit diesen Menschen umgegangen wird. Es ist ein unglaublich spannender und hochaktueller Film, den man sich unbedingt anschauen sollte. Außerdem beginne ich gerade am St. Pauli Theater in Hamburg mit einem neuen Stück von Moritz Rinke: „Sophia oder Das Ende der Humanisten“. Ich spiele Wolfgang Bergmann, einen Professor für Alte Geschichte, der vorzeitig in den Ruhestand geschickt und von seiner Frau verlassen wurde. Daraufhin schafft er sich mit Sophia eine Androidin an – eine Künstliche Intelligenz in Frauengestalt – und glaubt, mit ihr die perfekte Partnerin gefunden zu haben. Daraus entwickeln sich in dieser Komödie viele witzige Verwicklungen. Daneben gebe ich Lesungen und alles Mögliche. Wie Sie schon gesagt haben: Ruhig bin ich nur, wenn ich mich bewege. Also bewege ich mich am laufenden Band – und entsage dem Rentnerdasein. (Lacht)

Unbedingt einschalten 

Sarah Kohr – Drecksarbeit

Ein Schwerverletzter flieht durch die Nacht im Hamburger Hafen. Als Sarah Kohr ihm helfen will, gerät sie ins Visier skrupelloser Verfolger aus einem menschenverachtenden System.

Die Spur führt Sarah Kohr in die Welt osteuropäischer Arbeitskräfte, die unter fragwürdigen Bedingungen auf Hamburger Werften arbeiten. Während Zeugen verschwinden und ein Menschenleben auf dem Spiel steht, wächst der Druck auf die Ermittlerin.

Mit vollem Einsatz sucht Sarah den schwer verletzten Arbeiter Levan, der verschwunden ist und zu verbluten droht. Doch auch Levans Schwester Natalia ist zu verzweifelten Taten bereit, um ihren Bruder zu retten. Dabei hilft ihr die junge Köchin Lena Althoff. In der Pension ihres Stiefvaters waren Levan und Natalia als Arbeiter untergebracht, um bei Werftbesitzer Naujoks die Art von harter Arbeit zu erledigen, für die sich oft kein Deutscher findet.

Sarah entdeckt ein System aus Ausbeutung und Einschüchterung, das schon viele Menschenleben gekostet hat. Doch Zeitarbeitsunternehmerin Mira Röver verteidigt selbstbewusst ihr scheinbar völlig legales Geschäftsmodell. Ihr skrupelloser Partner, Marten Schulz, spricht eine andere Sprache. So muss Sarah nicht nur um ihr eigenes, sondern gleich um mehrere Menschenleben kämpfen. Und dann gerät auch noch ihre Mutter Heike in Gefahr.
 
Ab 3. Oktober 2026 in der ZDF-Mediathek und am Montag, 12. Oktober 2026, um 20:15 Uhr im ZDF.