Hara Hachi Bu: Diät oder Lebenseinstellung?

Auf die Signale des Körpers achten

Endlich das Wohlfühlgewicht erreichen und beibehalten – und das so ganz ohne eine echte Diät? Kann das wirklich möglich sein? Eine japanische Lehre sagt: Es kann – mit Hara Hachi Bu. Was in ähnlicher Form auch hierzulande gerade immer beliebter wird, ist eigentlich eine einfache Essensmethode aus Japan mit einer langen Tradition. Was Hara Hachi Bu genau ist, was es so besonders macht und welche Vorteile es hat, verraten wir Ihnen hier.

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Bild: Adobe Stock / Pixel_PEEP
Hara Hachi Bu – das ist nicht der lustige Niesanfall, nach dem es im ersten Moment klingt. Vielmehr ist es eine japanische Abnehmmethode, die tatsächlich vielen Menschen beim entspannten Gewichtverlieren und Halten des Wohlfühlgewichts nach dem Abnehmen helfen könnte. Hara Hachi Bu soll durch seine weniger restriktiven Überzeugungen sehr effektiv und dabei dennoch leichter durchzuhalten sein, da es sich eher als eine grundlegende Lebenseinstellung denn als eine qualvolle Diät in den Alltag integrieren lässt. 

Tatsächlich ist das japanische Sprichwort ursprünglich gar nicht entstanden, um den Abnahmeprozess zu beschreiben. Zu jener Zeit, aus der dieser Ausspruch stammt, herrschte in Japan vielmehr eine Periode der Lebensmittelknappheit und es ging schlicht um das reine Überleben. Dennoch zeigt die Essensmethode und Lebenseinstellung auch noch heute ihre überzeugende Wirkung. Dies lässt sich an folgendem Beispiel nachvollziehen: Die Bewohner der japanischen Inselregion Okinawa halten sich schon seit Generationen an dieses Prinzip und gehören damit aus statistischer Sicht zu den ältesten Menschen der Welt. 

Der Inhalt dieser konfuzianisch inspirierten Weisheit besagt sinngemäß: „Hör auf zu essen, wenn dein Magen zu 80 Prozent gefüllt ist.“ Den Magen nur zu 80 Prozent zu füllen bedeutet also, dass Mäßigung an der Tagesordnung steht und als Lebensprinzip übernommen werden sollte. Das bedeutet, wieder zu lernen, auf die Signale des eigenen Körpers zu achten und ihnen gerecht zu werden. In Zeiten, in denen wir stets hastig unser Brötchen vom Imbiss herunterschlingen, kann Hara Hachi Bu mit seinem 80-Prozent-Prinzip dem Menschen dazu verhelfen, sein Gewicht und seine Essensintuition wieder zu beachten und danach zu leben. Denn dabei stehen nicht nur einige abgespeckte Kilos im Vordergrund, über die man sich natürlich auch freuen darf, sondern eine viel wichtigere und äußerst gesunde Tatsache. 

Was macht Hara Hachi Bu so besonders?

Durch Hara Hachi Bu erlernt der Mensch eine Fähigkeit, die ursprünglich jedem Kind mitgegeben ist, aufs Neue: Auf die körpereigenen Signale zu achten und dementsprechend zu handeln oder – in diesem Fall – zu essen. Übermäßig große Portionen, Mengen an Konservierungs- und Süßungsmitteln in unserer modernen Konsum- und Genussgesellschaft haben dazu geführt, dass die meisten Menschen gar nicht mehr wirklich auf ihr Hunger- oder Sättigungsgefühl hören oder nicht mehr hören können – nämlich dann, wenn das naturgegebene Körperradar wegen dauerhafter Übersättigung einfach versagt. In Folge dessen wird meist schon dann gegessen, wenn der Körper eigentlich noch gar keinen Hunger anmeldet und es wird erst dann wieder aufgehört, wenn der Körper noch einen letzten Hilferuf aussendet, bevor wir in ein Fresskoma fallen. Ist man an diesem Punkt angelangt und befolgt dann Hara Hachi Bu, fängt man langsam wieder an, auf seinen Körper zu hören und lernt zu erkennen, ab welchem Zeitpunkt der Magen genug Nahrung aufgenommen hat. Man erlernt achtsames Essen von Neuem. Für Feinschmecker bietet Hara Hachi Bu einen weiteren Vorteil: Es geht nämlich nicht darum, bestimmte Lebensmittel zu verbieten, also strikte Diät zu halten, sondern vielmehr geht es darum, diese eben in Maßen statt in Massen zu verspeisen. Demnach ist Hara Hachi Bu eine besondere Form des achtsamen Essens

Abnehmen mit Hara Hachi Bu – ein Fazit

Abnehmen mit Hara Hachi Bu: Ist die japanische Lehre also besser als jede Diät oder ist sie vielmehr eine Lebenseinstellung? Die Ökotrophologin Elina Fütterer sagt dazu: „Ob achtsames Essen, intuitives Essen oder eben Hara Hachi Bu – alle Bezeichnungen beschreiben das Prinzip, nicht über die Sättigungsgrenze hinaus zu essen. Auch in der ayurvedischen Ernährungslehre sollte man nur so viel essen, dass man sich zu circa zwei Drittel „voll“ fühlt. Stichwort: Achtsamkeit.“ Man solle sich auf eine Mahlzeit konzentrieren und nicht nebenbei essen. Sind wir von PC, Handy oder TV abgelenkt, bemerken wir nämlich oft gar nicht, dass wir eigentlich schon satt sind. Nichtsdestotrotz sollte darauf geachtet werden, dass die Mahlzeiten abwechslungsreich und bunt gestaltet sind: Gerne mit farbenfrohem Gemüse, Hülsenfrüchten und anderen pflanzlichen Proteinen, Kernen, Nüssen und gesunden Fetten. Dadurch hält das Sättigungsgefühl länger an. Außerdem: Mahlzeit genießen und gründlich kauen. Wir wünschen Guten Appetit!