Nahrungsergänzungsmittel: Mehr Gesundheit durch zusätzliche Nährstoffe?

Eine große Auswahl

Mittlerweile gibt es nicht nur in den Drogeriemärkten, sondern sogar beim Discounter eine große Auswahl an zahlreichen sogenannten Nahrungsergänzungsmitteln – die kleinen Pillen und Pulverchen sind damit in unserer Gesellschaft angekommen. Doch stellt sich die Frage, ob und wie sinnvoll diese Mittel überhaupt sind? Wir klären auf, ob die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln auch zu mehr Gesundheit führt, welche Nährstoffe besonders im Fokus stehen und welche Vor- und Nachteile beziehungsweise Gefahren existieren.

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In Zeiten von Selbstoptimierung, Fitness- und Gesundheitswahn, alternativen Ernährungsformen sowie neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, erfreuen sich Nahrungsergänzungsmittel einer immer größeren Beliebtheit. Etwa ein Viertel der Deutschen hat bereits Erfahrungen mit derartigen Produkten, der jährliche Umsatz beträgt über eine Milliarden Euro1. Klar, versprechen die kleinen Helferlein nicht nur enorme gesundheitliche Vorteile, sondern scheinen teilweise sogar essenziell für den Körper zu sein. In unserer Bequemlichkeit greifen wir also logischerweise zu Vitaminen, Eisenpräparaten, Proteinpulvern und Co. – doch wer sich grundsätzlich gesund und ausgewogen ernährt, bekommt auf diese Weise meist bereits alle wichtigen Nährstoffe. Trotzdem sind einige Nahrungsergänzungsmittel für bestimmte Zielgruppen durchaus sinnvoll. Bevor Sie nachlesen können, ob Sie zu diesen Personen gehören, lohnt sich ein schneller Blick auf die genaue Definition des Begriffs.

Was sind Nahrungsergänzungsmittel eigentlich?

Im EU-Recht sind Nahrungsergänzungsmittel durch die Richtlinie 2002/46/EG geregelt. Laut der sogenannten Nahrungsergänzungsmittelverordnung (NemV) ist ein solches Mittel „ein Lebensmittel, das dazu bestimmt ist, die allgemeine Ernährung zu ergänzen, ein Konzentrat von Nährstoffen oder sonstigen Stoffen mit ernährungsspezifischer oder physiologischer Wirkung allein oder in Zusammensetzung darstellt und in dosierter Form, insbesondere in Form von Kapseln, Pastillen, Tabletten, Pillen, Brausetabletten und anderen ähnlichen Darreichungsformen, Pulverbeutel, Flüssigampullen, Flaschen mit Tropfeinsätzen und ähnlichen Darreichungsformen von Flüssigkeiten und Pulvern zur Aufnahme in abgemessenen kleinen Mengen in den Verkehr gebracht wird.“ Kurzum: Nahrungsergänzungsmittel haben viele Erscheinungsformen, wobei Vitamine und Mineralstoffe am häufigsten zusätzlich eingenommen werden. Klar wissen Sie, wie wichtig diese Nährstoffe sind – doch warum werden manche besonders häufig ergänzend eingenommen und wofür sind sie eigentlich gut? Hier eine kleine Auswahl:

Vitamin C

Vitamin C kann vom Körper weder selbst gebildet noch gespeichert werden, weshalb eine ausreichende und dauerhafte Zufuhr Sinn macht. Der Organismus benötigt Vitamin C nämlich für zahlreiche Stoffwechselvorgänge wie den Aufbau des Bindegewebes, außerdem wird damit bekanntlich das Immunsystem gestärkt. 

Vitamin D

Nach dem diesjährigen heißen Sommer sollte der Bedarf am sogenannten “Sonnenvitamin” eigentlich gedeckt sein, trotzdem ist die zusätzliche Einnahme von Vitamin D weit verbreitet – schließlich spielt es eine elementare Rolle - unter anderem für Knochenbildung und Stoffwechsel.

Vitamin B12

Der Bedarf an Vitamin B12 ist bei einer rein pflanzlichen Ernährung schwierig zu decken. Daher macht es für strenge Vegetarier und Veganer Sinn, diesen Nährstoff ergänzend einzunehmen. Er ist unter anderem wichtig für die Nervenfunktionen, das Zellwachstum sowie die Blutbildung, weshalb einige weitere Gruppen ihren Vitamin-B-12-Spiegel ebenfalls im Auge haben sollten. Dazu zählen neben Diabetikern auch Personen, die täglich blutverdünnende Medikamente oder Magensäurehemmer einnehmen.

Omega-3-Fettsäuren

Die sogenannten Omega-3-Fettsäuren mit ihren zahlreichen gesundheitlichen Vorteilen können zwar ebenfalls über die Ernährung gedeckt werden, allerdings essen die wenigsten mehrmals pro Woche fetten Fisch oder konsumieren täglich pflanzliche Omega-3-Quellen wie Walnüsse, Raps- oder Leinöl. Daher greifen viele zu Fischölkapseln, die insbesondere die essenziellen Fettsäuren der tierischen Form (DHA und EPA) enthalten. Wer beispielsweise etwas älter ist oder unter Herz-Kreislauf-Krankheiten leidet, kann vorsorglich Omega-3-Fettsäuren einnehmen – dies gilt auch für Personen mit dem Risiko einer Gefäßverkalkung.  

Eiweißpulver, Booster, Fatburner und Co.

Vor allem in der Fitness-Szene werden Nahrungsergänzungsmittel immer beliebter. Für den Muskelaufbau scheint eine erhöhte Zufuhr an Protein der Schlüssel zum Erfolg zu sein. Normale Freizeitsportler können zwar ihren Bedarf über die Ernährung decken, trotzdem kann bei Zeitmangel oder direkt nach dem Training ein Eiweißshake durchaus Sinn machen. Allerding enthalten viele Proteinpulver unnötige Süß- oder Zusatzstoffe und sind vergleichsweise teuer. Dasselbe gilt für weitere Produkte aus diesem Bereich, zu denen beispielsweise Trainingsbooster, Fatburner oder Massgainer gehören – wirklich große Effekte sind hierbei allerdings selten belegt.

Viel hilft nicht immer viel!

Selbst wenn die zusätzliche Zufuhr von Nährstoffen nicht immer notwendig ist, so könnte man doch meinen, dass ein es in dieser Hinsicht auch kein „zu viel“ geben kann. Doch falsch gedacht! Beispielsweise scheint ein Übermaß an bestimmten Vitaminen die Entstehung von Lungenkrebs zu fördern oder die sportliche Leistung zu beeinträchtigen.

Ein spezieller Fall: Schwangere Frauen

Besonders in der Schwangerschaft sollten Frauen auf ihre Ernährung achten und mit Hinblick auf die Gesundheit des Babys genügend Vitamine und Mineralien aufnehmen. Gleichzeitig sind Überdosierungen bei werdenden Müttern deutlich folgenreicher, weshalb grundsätzlich immer Rücksprache mit dem zuständigen Doktor gehalten werden sollte. Generell ist festzuhalten, dass Schwangere unter anderem einen erhöhten Folsäure-Bedarf haben und auf eine ausreichende Zufuhr an Calcium, Jod und Eisen sowie eine Extraportion Vitamine setzen sollten.

Brauche ich also Nahrungsergänzungsmittel?

Grundsätzlich gesagt: nein. Die meisten Nährstoffe können über eine ausgewogene Ernährung aufgenommen werden, was zudem um einiges preiswerter ist. Falls Sie allerdings Vegetarier oder Veganer sind, ein Kind erwarten oder bestimmte Krankheiten haben, scheint der Austausch mit einem Arzt hinsichtlich der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln durchaus sinnvoll. Ansonsten führt dies keinesfalls zu mehr Gesundheit, was auch eine brandaktuelle Übersichtsstudie1 kürzlich bestätigt hat: US-Mediziner haben über 3.000 Untersuchungen mit mehr als zwei Millionen Teilnehmern ausgewertet und herausgefunden, dass eine Extradosis an Vitaminen, Mineralstoffen oder Spurenelementen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht senken konnte – selbst bei einer langjährigen Dosierung und über verschiedene Zielgruppen hinweg.

Entscheidungskriterien bei der Auswahl

Wenn Sie trotzdem auf Ergänzungsmittel zurückgreifen möchten, sind einige Aspekte zu beachten. Selbstverständlich sollten Sie hochwertig Produkte mit gar keinen oder wenigen Zusatzstoffen wählen. Grundsätzlich nichts zu suchen in Nahrungs(ergänzungs)mitteln haben Phosphate, Natamycin, Säuerungsmittel oder bestimmte Sulfitverbindungen sowie Süßstoffe und das oftmals als E171 bezeichnete Titandioxid.

Die besten Lebensmittel für Ihre Gesundheit

Falls Sie Ihrem Körper grundsätzlich etwas Gutes tun wollen, sollten Sie nun gut aufpassen: Viele der notwendigen Nährstoffe stecken nämlich in leckeren Lebensmitteln, die einfach in die tägliche Ernährung eingebaut werden können. So ist beispielsweise Vitamin B12 in Fisch, Milch oder Käse enthalten, Vitamin C steckt unter anderem in Erdbeeren, Paprika oder Tomaten, während Vitamin D in fettem Fisch wie Aal oder Hering sowie in Pilzen oder Kalbfleisch zu finden ist. Neben Gemüse und Hülsenfrüchten sind außerdem Nüsse ein echtes Mikronährstoff-Wunder: Sie enthalten neben Vitamin B1 und Vitamin B6 auch viel Magnesium, Biotin und Niacin sowie wertvolle ungesättigte Fettsäuren. |Text: Vera Mergle