Parfüm mit Pheromonen

Funktioniert das wirklich?

Der deutsche Schlager von 1954 kann es nicht passender zusammenfassen: „Mir ist so komisch zumute, ich ahne und vermute. Heut liegt was in der Luft, ein Duft, der lockend ruft […].“ Trägt die Dame oder der Herr unseres Begehrens heute ein Parfüm, das mit Pheromonen versetzt wurde, ließe sich dieser Textauszug wunderbar erklären. Doch was genau sind Pheromone und wie wirken sie in den exklusiven Duftfläschchen? Wir rümpfen die Nase, schauen uns die Vor- und Nachteile an und prüfen, ob die kleinen Duftwunder tatsächlich etwas bewirken können. Immer der Nase nach!

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Bild: adobe.stock
Die Werbung von Pheromon-Parfüms verspricht: Der richtige Duft hilft Ihnen bei Ihrer Partnersuche. Teuren Wässerchen werden Stoffe beigemischt, die der menschlichen Paarungsbereitschaft auf die Sprünge helfen sollen. Aber Obacht: Laut jüngsten Forschungsergebnissen haben diese Produkte keinen nachweisbaren Effekt.

Was sind Pheromone und wie wirken sie?

Ein Pheromon ist nicht einfach irgendein Duftstoff und er ist auch nicht der individuelle Körpergeruch. Es ist ein ganz bestimmtes Duftmolekül, welches innerhalb einer Art produziert wird und dort immer gleiche und nicht willentlich kontrollierbare Effekte hat. Bei Einzellern wurden solche Stoffe gefunden, bei Pflanzen und Insekten und auch bei einigen Säugetieren. Beim Menschen aber verlief die Suche bislang erfolglos.

Pheromone sind chemische Botenstoffe zur Informationsübertragung. Diese Lockstoffe werden vorwiegend über die Luft von den Schweißdrüsen an das Vomeronasale Organ (VNO) in der Nase geleitet. Das VNO leitet den chemischen Reiz direkt in den zentralen Bereich des limbischen Systems, hier wird die Veränderung bewirkt. Pheromone werden in äußerst geringen Mengen produziert und beeinflussen u.a. das Sexualverhalten und das Alarmverhalten (Alarmstoffe, Warnsignal).

Wissenschaftliche Erkenntnisse

Wissenschaftler untersuchten, ob Menschen überhaupt aktive Rezeptoren (Reizempfänger) für Pheromone haben – und wurden fündig: Fünf befinden sich in unserer Riechschleimhaut. Wer jetzt jubelnd die Arme hochreißt sollte wissen, dass andere Säugetiere, wie z.B. Mäuse mindesten 150 dieser Sinneszellen besitzen. Es ist naheliegend, dass die Rezeptoren bei Menschen in ihrer Anzahl ähnlich ausgeprägt waren, nur wurden sie im Laufe der Evolution abgeschaltet, da sie uns keinen Entwicklungsvorteil mehr boten. Wir Menschen regeln wohl inzwischen mehr mit unserer Sprache.

Der Zellphysiologe an der Ruhr-Universität Hanns Hatt dachte in seinem Labor an den Parfümeur Geza Schön aus Berlin, der die Düfte Molecules 01 und Molecules 02 entworfen hatte. Dieser sagte einmal, dass wenn er auf ein Pheromon tippen sollte, dann wäre das Jasmin. Das rieche irgendwie nach Mensch. Und tatsächlich: nur ein einziger Rezeptor reagierte auf nur einen einzigen Duft: Hedion. Ein synthetisch generierter Duft mit zarter Jasmin-Note, der auch in den Molecules-Parfüms verwendet wird.

Androstenon, Androstenol, Androstadienon und Estratetramol

Haben Sie davon schon einmal gehört? Es sind die vier Düfte, von denen viele Wissenschaftler seit Jahren vermuten, dass es Pheromone sind und diese darum als Lockstoffe in vielen Parfüms angepriesen werden. Forscher führten Studien mit ihnen durch. Bis heute gibt es keinen eindeutigen Nachweis dafür, dass die vier Stoffe in den Duftsprays tatsächlich Pheromone sind. Es ist nicht wissenschaftlich belegt, ob es menschliche Pheromone überhaupt gibt. Falls Sie Ihre Duftflakons im Badezimmer nun mit Skepsis betrachten, dürfen Sie dies auch: Australische Forscher haben entdeckt, dass es sich weder bei Estratetraenol noch bei Androstadienon um menschliche Sexuallockstoffe handelt.

Vor- und Nachteile

Vorteile lassen sich aus Pheromon-Parfüms nicht genau herausfiltern, da nicht eindeutig bewiesen ist, dass diese auch eine Wirkung auf den Menschen haben. Wir lassen uns hinreißen, um zu äußern, dass diese Düfte einen Placebo-Effekt haben können. Vorteil: Dieser wirkt sich positiv auf unser Auftreten und unser Selbstbewusstsein aus.

Nachteil: Experten raten beim ersten Kennenlernen mit künstlichen Düften besser sparsam umzugehen. So bekommt die andere Nase ‚ehrliche‘ Informationen und hat die Möglichkeit, die genetische Passung zu erschnüffeln – und wird nicht durch fremde Aromen in die Irre geführt.

Funktioniert es wirklich?

Experimente zeigten: Ist der Duftstoff Hedion in bewusst kaum wahrnehmbarer Konzentration in einem Raum vorhanden, dann reagierte das menschliche Steuerungszentrum für Sexualität im Gehirn – und zwar bei Frauen stärker als bei Männern. Dieses Aktivierungsmuster sei typisch für Sexualhormone. Die Forscher deuten dies als Hinweis darauf, dass Pheromone nicht nur bei Tieren, sondern auch beim Menschen wirken könnten. Wie groß die Bedeutung solcher Botenstoffe für unsere soziale Interaktion wirklich ist, bleibt jedoch umstritten und spannend. | Text: Stefanie Steinbach