ratiopharm ulm gelingt souveräner Sieg über RASTA Vechta

Routinier Dragic mit 18 Punkten Topscorer

Start the new chapter – das hatten die Fans unter ein überdimensionales Banner geschrieben, das die vier Head Coaches der Ulmer Historie zeigte und den stimmungsvollen Beginn eines bemerkenswerten Abends einläutete. Denn in den folgenden 40 Minuten schlug das Team von ratiopharm ulm das neue Kapitel bzw. die neue Saison auf spektakuläre Art und Weise auf.

cropped-1569397339-temp_00_02_170609
Bild: ratiopharm ulm
„In der zweiten Halbzeit haben wir das Spiel diktiert, die defensiven Rebounds kontrolliert und offensiv viele Fastbreak-Punkte erzielt“, fasste Andreas Obst das Spiel zusammen, in dem sein Team nur in der ersten Minute einmal zurück lag. Nach einer umkämpften ersten Halbzeit (40:37) zündeten die Uuulmer im dritten Viertel den Turbo und setzten sich mit einem 13:0-Lauf entscheidend ab. Krachende Dunks und leidenschaftliche Aktionen rissen die 6.000 Fans in der zum 160. Mal in Folge ausverkauften ratiopharm arena mehrfach von ihren Plätzen.

Im Fokus: „So ist Zoran, er lebt vom Momentum und er lebt von seinen Emotionen“, beschreibt Coach Lakovic den Ulmer Topscorer (18 Punkte), der mit seiner Energie den entscheidenden Lauf im dritten Viertel initiierte. „Zoran hat einfach ‘ne kalte Schnauze, du merkst ihm eben an, dass er schon auf sehr hohem Niveau gespielt hat und immer noch spielt“, sagt Andreas Obst über Dragic. Mit zwei energischen Drives über das ganze Feld nahm Dragic sein Herz in die Hand und sein Team auf seine Schultern. „Zoran hat gut gespielt, aber ich sehe auch bei ihm noch reichlich Raum für Verbesserungen“, so Lakovic.

Begleitet von einer grandiosen Stimmung warteten beide Teams um 19 Uhr auf den ersten Sprungball der Saison 2019/20. Als die Unstimmigkeiten am Kampfgericht ausgeräumt waren und Gästecoach Calles zufrieden, legten die Ulmer los, wie sie es geplant hatten: Ein Steal von Dragic führte zur ersten Ulmer Führung durch Killian Hayes. Und nachdem die ersten zwei Dreipunktewürfe ihr Ziel verfehlten, netzte zunächst Dragic von Downtown ein, ehe Derek Willis per Dreier auf 12:3 stellte (4. Minute). Auch defensiv standen die Ulmer gut, zwangen RASTA zu schwierigen Würfen und in der fünften Minute zur Überschreitung der 24-sekündigen Angriffszeit. Erst ab der siebten Minute etablierte Vechta allmählich sein Spiel: Zunächst mit einem Blitzangriff aus dem Einwurf, dann mit einer aggressiven Ganzfeldverteidigung (18:12). Doch trotz des zunehmenden Drucks des Playoff-Halbfinalisten verteidigte ratiopharm ulm seine Führung zur Viertelpause (22:15).

Dann war es ein Offensivfoul von Hayes, das die Fans erregte und dem Team einen Extra-Boost verlieh. Nachdem Vechta auf 28:21 herangekommen war, schnappte sich Hayes den Ball in der Defensive und verwandelte einen Coast-to-Coast-Sprint in ein Drei-Punkt-Spiel (31:21, 14.). Doch die aggressiven RASTAner waren nun endgültig im Spiel angekommen – auch offensiv: Mit drei Dreiern in Folge glichen die Niedersachsen in der 16. Minute zum 30:30 aus. Wenngleich Obst und Hayes ratiopharm ulm mit sechs Punkten in Serie mit 38:32 in Front brachten, ging das Spiel, bei dem sich beide Teams in den ersten 20 Minuten 21 Ballverluste (Ulm 11) leisteten, denkbar knapp in die große Pause (40:37).

Den immer höher werdenden Druck der Gäste beantworteten die Ulmer mit enormer Leidenschaft und einem Zoran Dragic im Biest-Modus: Nachdem Vechta auf 40:39 verkürzt hatte, tankte sich Dragic zweimal trotz Fouls bis zum Korb durch und schloss auch den Bonusfreiwurf jeweils erfolgreich ab. Mit einem 8:0-Lauf setzte sich ratiopharm ulm auf 50:41 ab. Einzig die gut herausgespielten Dreier fielen in dieser Phase nicht. Als Hayes in der 27. Minute aus der Distanz traf, war der Run auf 13 unbeantwortete Ulmer Punkte und die Führung auf 55:41 angewachsen. Und dann knallte es so richtig: Erst hämmerte Gavin Schilling einen Rebound ansatzlos durch den Ring, dann ließ es Derek Willis im Folgeangriff erneut scheppern.
Anzeige
So war aus einer Zitterpartie (40:39) innerhalb von sieben Minuten die „geilste Party der Stadt“ geworden (62:42). Mit lediglich elf kassierten Punkten beendeten die Gastgeber das dritte Viertel beim Stand von 67:48.

Und ratiopharm ulm nahm den Fuß nicht vom Gaspedal – nicht in der Defensive (insgesamt 5 Blocks) und auch nicht am offensiven Ende des Feldes, wo eine Pass-Stafette über vier Stationen das Publikum begeisterte und das 75:52 nach sich zog. Gutes Passspiel war auch die Grundlage, die Nat Diallo in der 38. Minute zu seinen ersten Punkten (80:56) im Trikot von ratiopharm ulm verhalfen.

O-Ton
Jaka Lakovic: Gerade in der ersten Halbzeit hat man gesehen, warum ich großen Respekt vor Vechta und Coach Pedro Calles habe. Wir hatten einen guten Start in die Partie, aber Vechta ist es gelungen dagegen zu halten. Sie haben in der ersten Halbzeit stark gereboundet und uns das Leben sehr schwer gemacht. Nach der Halbzeitpause ist es uns dann aber gelungen, die Kontrolle zu übernehmen und in den entscheidenden Phasen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Die Unterstützung der Fans hat uns dabei sehr geholfen. Am Ende denke ich, dass man von einem verdienten Sieg sprechen kann.
Pedro Calles: Zunächst einmal Glückwunsch an die Ulmer und an Coach Jaka Lakovic. Sie haben sich den Sieg heute klar verdient. In der ersten Halbzeit haben wir einen Weg gefunden, die Kontrolle über das Spiel zu übernehmen. Die zweite Hälfte hat dann aber den Unterschied gemacht. Es ist uns in einigen Situationen nicht gelungen, die Nerven zu behalten. Und wenn man dann so viele Turnover und Fehlwürfe hat, ist es schwer wieder ins Spiel zurück zu kommen.

Und sonst? Wiedersehen macht Freude – im Fall des Pokal-Achtelfinales stimmt das nicht ganz. Gäste-Coach Pedro Calles machte auf der Pressekonferenz keinen Hehl daraus, dass er mit der Terminierung des „Back-to-Back“ Spiels – ratiopharm ulm trifft bekanntlich am Samstag (18 Uhr – Tickets verfügbar) erneut auf RASTA Vechta. „Wir fahren zweimal in kurzer Zeit mit dem Bus hin und zurück. Das kostet uns sehr viel Energie. Eine Übernachtung in Ulm können wir uns nicht leisten“, so Calles, der mit seinem Team in dieser Woche mehr als 2.500 Kilometer auf der Straße verbringt.