Richtig heizen im Winter: Die besten Tipps zum Energiesparen

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Heizen ist diesen Winter deutlich teurer als zuvor – doch schon einfache Maßnahmen können helfen, die Heizkosten zu senken und dadurch einiges an Energie und damit bares Geld zu sparen. Die Preise für Gas, Öl und Strom sind dramatisch gestiegen. Das tut in diesem Jahr richtig weh, denn gut 70 Prozent des Energieverbrauchs eines Haushalts entfallen auf die Heizung. Richtig und sinnvoll zu heizen ist demnach der Königsweg, um Heizkosten zu sparen UND gleichzeitig auch CO2-Emissionen zu reduzieren.

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Preise explodieren

Die Gründe für die enormen Preissteigerungen sind weitestgehend bekannt: Nachdem die Energiepreise schon im vergangenen Winter stark gestiegen waren, treiben der Ukraine-Konflikt und die wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland die Preise für Erdgas und Öl und damit die Heizkosten weiter in die Höhe. Hinzu kommen weitere Faktoren wie etwa die weltweite Konjunkturerholung nach der Hochphase der Corona-Pandemie und die entsprechend starke globale Energienachfrage.

Im September 2022 lag der Preis für eine Kilowattstunde Gas laut dem Vergleichsportal Verivox erstmals über 40 Cent für Neukunden. Ein Jahr zuvor waren dafür lediglich 5 Cent fällig – eine enorme Steigerung, die auch bei vielen Bestandskunden für empfindliche Preiserhöhungen sorgen: Während sich bei einigen die Abschläge „lediglich“ verdoppeln, kommt auf andere gar ein Vielfaches der bisherigen Kosten zu. 

Allerdings gibt es gleich an mehreren Stellen beim Heizen Einsparpotential: Mit kleineren Mitteln und Maßnahmen lässt sich einiges an Energie sparen. Gleichzeitig sorgt man dadurch für ein gesundes Raumklima – eine Win-Win-Situation! Hier sind die Top 12 Tipps zum Energie sparen:

1. Raumtemperatur richtig einstellen 

Fangen wir mit den Basics an: Der richtigen Raumtemperatur. Die optimale Temperatur für das Wohnzimmer liegt zwischen 20 und 22 Grad Celsius, in der Küche und im Schlafzimmer reichen für gewöhnlich 16 bis 18 Grad Celsius aus. Im Bad und im Kinderzimmer darf es mit 22 bis 24 Grad Celsius dafür etwas wärmer sein. Verbraucher sollten sich hier nach ihrem persönlichen Wärmeempfinden richten, jedoch bedenken, dass jedes Grad weniger bis zu sechs Prozent an Heizenergie spart! Kälter als 15 Grad sollte es wegen der Schimmelgefahr aber in keiner Wohnung sein.

Am Besten hat man dafür ein kleines Thermometer in der Wohnung, ansonsten hilft es auch, die Werte der jeweiligen Einstellung zu kennen: So wählt man tagsüber meist die Einstellung 2 bis 3 für etwa 18 bis 20 Grad, während nachts im Schlafzimmer die Einstellung 1 bis 2 empfohlen wird. In vorwiegend ungenutzten Räumen reicht es, die 1 einzustellen. Das Sternchen auf dem Thermostatventil bedeutet übrigens Frostschutz (ca. 5 Grad). Stufe 5 bedeutet übrigens eine Temperatur von mehr als 25 Grad, was keinesfalls notwendig ist und sehr viel Energie verbraucht. Auch der Raum erwärmt sich entgegen der Annahme von vielen nicht schneller, wenn man die höchste Stufe einstellt. Eine Ausnahme ist, wenn ein zentrales Thermostat das Heizsystem für sämtliche Räume regelt. In diesem Fall lässt sich die vorgegebene Temperatur tatsächlich nur durch voll aufgedrehte Heizungen erreichen. 

2. Stoßlüften statt Dauerkippen

Klingt erst mal komisch, aber zum richtigen Heizen im Winter gehört auch das Lüften, selbst wenn es draußen kalt ist. Bei vielen besteht der Irrglaube, dass beim Lüften auf Kipp weniger Wärme verloren geht. Andere meinen, dadurch schnell für frische Luft zu sorgen. Beides ist jedoch falsch – die Wärme geht schneller verloren, die Heizung muss mehr arbeiten und die frische Luft kommt vergleichsweise langsam in die Räume. Zudem kann sich bei dauerhaft gekippten Fenstern Feuchte absetzen und Schimmel bilden oder das Mauerwerk um die Fenster auskühlen. Daher ist es besser, die Fenster regelmäßig für ein paar Minuten weit zu öffnen und – wenn möglich – für Querlüftung zu sorgen. Bei dieser Variante, dem sogenannten Stoßlüften, wird die Luft effizient ausgetauscht. Zuvor sollte man aber natürlich unbedingt die Heizung herunterdrehen.

3. Heizkörper frei lassen

Ein einfacher, aber effektiver Tipp: Gardinen, nasse Wäsche und vor allem Möbel haben vor beziehungsweise auf den Heizkörpern nichts verloren! Denn dadurch arbeitet die Heizung stärker als eigentlich nötig und die Wärme kann sich nicht so gut im Raum verteilen. Wer Energie sparen möchte, schiebt also Schreibtisch und Sofa etwas beiseite.

4. Zugluft vermeiden

Bei leichtem Luftzug im Raum fühlt sich die Temperatur niedriger an, als sie eigentlich ist. Daher sollten Türen und Fenster gut schließen – undichte Stellen lassen sich ganz leicht mit einer brennenden Kerze entdecken. Diese einfach bei windigem und kaltem Wetter dicht an Fenster und Tür entlangführen – flackert die Flamme, ist die Dichtung nicht ausreichend. Klebedichtungen aus dem Baumarkt sorgen dann schnell für Abhilfe. Empfehlenswert sind dafür selbstklebende elastische Dichtungsbänder aus Gummi oder Schaumstoff. 

Vor allem die Tür zum kalten Treppenhaus sollte auch nach unten keine Luft hereinlassen. Ohnehin sollten die Türen zu nicht beheizten Räumen möglichst immer geschlossen sein, weil ansonsten Wärme entweicht. Zudem erhöht sich dadurch die Gefahr von Schimmelbildung, da mit der warmen Luft auch Feuchtigkeit in das nicht beheizte Zimmer gelangt, die an den kalten Wänden kondensiert.

5. Warm anziehen

Der Tipp liegt eigentlich auf der Hand: Wer es richtig warm haben möchte, muss eigentlich nicht unbedingt mehr heizen. Stattdessen hilft es oftmals, eine zusätzliche Schicht Kleidung anzuziehen – besonders empfehlenswert sind beispielsweise Wollsocken, da man vor allem die Füße warmhalten sollte, um nicht so schnell zu frieren. Hier helfen auch Klassiker wie eine Wärmflasche oder ein Kirschkernkissen. Ebenso sind warme Pullover, Schals oder Halstücher eine gute Wahl. Ein weiteres Argument dafür ist, dass überheizte Räume auf Dauer auch für die Gesundheit nicht unbedingt förderlich sind.

6. Nachts clever vorgehen

Wer ins Bett geht, schaltet gern vorher die Heizung aus oder dreht sie zumindest herunter. Allerdings heizt sie ohnehin noch eine Zeit lang nach – daher lautet ein Tipp für den Abend, die Heizung etwa eine halbe oder ganze Stunde vor dem Zubettgehen schon mal herunterzudrehen. 

Stark diskutiert wird die Nachtabsenkung der Temperatur. Theoretisch könnte man in der Nacht ja die Heizung ganz abschalten, doch am Morgen muss man dann wieder richtig einheizen, um eine warme Wohnung zu haben – auch das verschlingt eben Heizenergie. Hierbei ist umstritten, ob das erneute Aufheizen der erkalteten Wohnung sinnvoller ist als das Durchheizen mit „Nachtabsenkung“, also einer zwar niedrigeren, aber nicht niedrigen Temperatur. Die Antwort hängt von mehreren Faktoren ab: Besonders die Gebäudemasse und die Gebäudedämmung spielen hier eine Rolle, weshalb für den individuellen Fall nur ein Heizungs-Experte eine konkrete Antwort liefern kann.

Grundsätzlich ist es nachts aber immer sinnvoll, die Rollläden und Jalousien nach Einbruch der Dunkelheit ganz herunterzulassen. Das gilt auch tagsüber bei nicht genutzten Räumen. Mit dieser Maßnahme lässt sich der Wärmeverlust an den Fenstern um bis zu 20 Prozent reduzieren! Wenn man die Vorhänge zuzieht, bringt das ebenfalls noch ein paar Prozent.

7. Bei Abwesenheit richtig heizen

Wer beispielsweise wegen Urlaub oder einer Dienstreise mehrere Tage unterwegs ist, kann durch das Herunterregeln der Heizungen einiges an Energie sparen. Wegen der Schimmelgefahr sollte die Raumtemperatur allerdings mindestens 16 Grad Celsius betragen. Zudem sollte man die Heizung nie ganz ausstellen, denn das könnte dazu führen, dass die Leitungen bei tiefen Temperaturen einfrieren. 

8. Heizkörper regelmäßig entlüften

Wenn Heizkörper gluckern oder pfeifen und selbst bei voll geöffnetem Ventil nicht richtig warm werden, hat sich vermutlich Luft darin gesammelt. Diese kann durch ein Entlüftungsventil an der Seite des Heizkörpers abgelassen werden. Das geht eigentlich ganz einfach: Zunächst muss man die Umwälzpumpe ausschalten und circa 30 bis 60 Minuten warten – zum Schutz vor heißem Dampf und Spritzwasser. Danach einfach am Thermostatventil die höchste Stufe einstellen, ein Gefäß (zum Beispiel eine kleine Schüssel oder einen Becher) unter dem Entlüftungsstopfen ansetzen und das Ventil mit einem Entlüftungsschlüssel (gibt es im Baumarkt) vorsichtig öffnen und Luft austreten lassen. Nun das Ventil schließen, bis nur noch Wasser herauskommt und zum Schluss die Umwälzpumpe wieder aktivieren. Wurde viel Luft entfernt, muss gegebenenfalls Wasser in den Heizkreislauf nachgefüllt werden. Ein Blick auf die Druckanzeige am Kessel oder der Heiztherme zeigt an, ob das notwendig ist. Wer sich das regelmäßige Entlüften sparen möchte, kann am Heizkörper auch spezielle automatische Entlüftungsventile anbringen.

9. Heizungsanlage regelmäßig warten und modernisieren

Des Weiteren gibt es noch Maßnahmen für Hausbesitzer, für die allerdings meist ein Fachbetrieb notwendig ist. Dazu gehört etwa, die Heizungsanlage regelmäßig zu warten und zu reinigen. Hier lohnt sich auch ein Blick auf die Umwälzpumpe: Alte Modelle verbrauchen viel Strom, da sie stets mit voller Last arbeiten. Moderne Pumpen hingegen sind sparsamer, da sie ihre Leistung dem Bedarf anpassen. Oft ist hier ein Austausch sinnvoll. Auch die Vorlauftemperatur sowie den Nachtbetrieb sollte ein Fachbetrieb bedarfsgerecht einstellen. 

10. Heizungsrohre mit Rohrisolierung dämmen

Auch dieser Tipp gilt nur für Hausbesitzer und sollte bestenfalls im Sommer umgesetzt werden. In Einfamilienhäusern steht der Heizkessel in der Regel im Keller. Auf dem Weg in die Wohnräume geben die Heizungsrohre unnötig Wärme ab – dadurch geht viel Energie verloren. Sogenannte dämmende Rohrisolierungen lassen sich ganz leicht selbst montieren und sind laut dem Gebäudeenergiegesetz sogar bei Neuinstallationen vorgeschrieben. 

Gut zu wissen ist auch: Wenn die Heizungsrohre komplett durch geheizte Räume verlaufen, muss man sie nicht selbst dämmen! Ansonsten gibt es aber auch entsprechende Anleitungen im Internet, als Dämmmaterial kommen Dämmschläuche beziehungsweise Dämmschale aus verschiedenen Materialien wie Kunststoff, Mineralwolle und Kautschuk zum Einsatz, die es im Baumarkt bereits für wenige Euro zu kaufen gibt.

11. Förderprogramme bei Modernisierung nutzen

Wer seine alte Heizungsanlage umfassend erneuern möchte, kann unter bestimmten Voraussetzungen Zuschüsse beziehungsweise Kredite für energieeffiziente Sanierungsmaßnahmen von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) erhalten. Förderungen werden ebenso von Bundesländern und Kommunen sowie teilweise auch von Energieversorgern angeboten. 

12. Energieverbrauch kontrollieren und Anbieter wechseln

Mieter zahlen die Heizkosten in der Regel abschlägig im Voraus. Die Jahresabrechnung kommt dann bis zu zwölf Monate nach Ablauf des Abrechnungsjahres vom Vermieter. Das macht es schwierig, den Überblick über alle Kosten zu behalten. Eine gute Orientierung – besonders angesichts der aktuell explodierenden Preise – bietet beispielsweise die Beratungsgesellschaft co2online auf www.heizspiegel.de. Dort kann auch geprüft werden, ob man aktuell zu viel für das Heizen bezahlt. 

Auch sonst kann es sich in manchen Fällen lohnen, den Gasanbieter zu wechseln. Verbraucher sollten sich dazu aber ausgiebig über die Konditionen der Verträge informieren, denn aktuell sind die Preise für Neukunden vergleichsweise teurer.

FAZIT: 

Wegen der enormen Preiserhöhungen beim Gas versuchen Verbraucher, möglichst sinnvoll und effizient zu heizen. Klassische Tipps dafür lauten, keine Möbel oder Ähnliches direkt vor die Heizkörper zu stellen, auf Stoßlüften statt Kippen zu setzen oder auch nachts die Rollläden herunterzulassen. Empfohlen wird auch das regelmäßige Entlüften, ein angepasstes Heizen in der Nacht und bei Abwesenheit sowie natürlich – je nach Raum – auch die Temperatur erst einmal entsprechend einzustellen. |Text: Vera Mergle