So bereiten Sie Ihr Kind auf das neue Geschwisterchen vor

Klein wird groß

In unseren Köpfen tanzen wir Hand in Hand in weißen Kleidern und mit Blumenkränzen geschmückt über eine kleeblattverzierte Wiese und feiern so die frohe Botschaft des zweiten Familienzuwachses. Aber was ist, wenn unser Erstgeborenes nicht mittanzen möchte? Was ist, wenn es lieber jedes einzelne Kleeblatt niedertrampelt, weil es ein neues Geschwisterchen ablehnt? Wir haben ein paar Tipps parat, wie es mit dem Tanz über besagte Wiese doch noch funktionieren könnte. Blumenkranz zurechtrücken und Kopf hoch!

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Bild: stock.adobe.com

Wie und wann erzähle ich meinem Kind vom Geschwisterchen?

Es hängt ganz vom Alter und Entwicklungsstand ab, wann Eltern ihrem Nachwuchs erzählen sollten, dass Mama ein Baby im Bauch trägt. Für sehr kleine Kinder ist die Ansage an sich abstrakt. Die Kleinen können eher eine Vorstellung davon entwickeln, wenn der Bauch wächst und das Baby für sie auch erfahrbar wird. Kleinkinder haben noch keinerlei Zeitvorstellung: Heute, morgen oder in sechs Monaten können sie nicht einordnen. Daher: lieber später als gleich nach dem positiven Schwangerschaftstest die frohe Botschaft verkünden.

Und wie? Sie können Ihrem Kind erklären, dass in Ihrem Bauch ein neues Baby heranwächst. Sparen Sie lieber mit anschaulichen Details, denn diese könnten Angst um die Mama auslösen und der neue Erdenbürger wird noch vor der Ankunft zum Staatsfeind Nr. 1. Lassen Sie Ihr Kind Ihren Bauch streicheln und dem Baby „Hallo“ sagen, wenn es das möchte. 

Wie bereite ich mein Kind auf das Geschwisterchen vor?

Ganz klassisch: gemeinsam Bilderbücher zum Thema Geschwisterkriegen anschauen.

Vielleicht möchte Ihr Kind zu einer Vorsorgeuntersuchung mitkommen und den Herzschlag des Babys hören. Was alle Kinder spannend finden: am Babybauch horchen und die kleinen Tritte spüren. Hautnah dabei sein wirkt sich positiv auf den späteren Kontakt aus. Ein guter Weg, es auf das Kommende vorzubereiten, ist, mit ihm seine eigenen Babyfotos anzusehen und darüber zu reden, wie es war, als es selber auf die Welt gekommen ist. 
Eines der wichtigsten Dinge, die Sie jetzt tun können ist die Zeit zu genießen, in der Sie nur ihr Kleinkind haben. Denn Ihrer beider Leben wird sich, besonders in der ersten Zeit nach der Geburt des zweiten Kindes, verändern.

Wie reagieren, wenn das ältere Kind „schwierig“ wird?

Teilen? Für viele Kleinkinder ist das noch ein Fremdwort. Unvorstellbar, wenn es sich nicht um einen Keks handelt, sondern um Mama und Papa. Da mag die Vorfreude auf den neuen Spielkumpel noch so groß sein – wenn das Neugeborene in Mamas Arm liegt, dämmert es auch den Kleinen, dass sich etwas verändern wird.

Frust vermeiden

Auch gut vorbereitete Kinder zeigen manchmal Eifersucht oder Aggressionen, wenn das Baby auf der Welt ist. Hinter diesen Gefühlen stehen echte Bedürfnisse und gerade bei Kleinkindern kein planvolles Verhalten.
Fangen Kinder nach der Geburt des Geschwisterchens an zu hauen oder zu beißen, fühlen sie sich oft nicht richtig gesehen. Genau hinschauen, in welchen Situationen das Verhalten auftritt und überlegen, wodurch der Frust entstanden sein könnte.

Sollte ein Kind bei der Geburt des Geschwisterchens dabei sein dürfen?

Diese Frage muss jedes Elternpaar für sich selbst beantworten. Es gibt Paare, deren Kind mit Neugier und Offenheit auf diese Situation reagiert hat und wiederum andere, deren Kinder dieses Erlebnis eher verstörte. Eltern sollten ihr Kind am besten einschätzen können, ob es mit so einer Situation zurechtkommt. Stellen Sie den Wunsch, als komplette Familie die Geburt zu erleben, nicht über die emotionale Fähigkeit ihres Kindes, dieses Erlebnis auch verarbeiten zu können. 

Mit Rat und Tat

  • Erzählen Sie Ihrem Kind lieber nicht, dass das Baby „sein Freund“ sein wird, denn das wird im ersten Jahr meist nicht der Fall sein. 
  • Ihr Kleinkind mit in die Organisation einbinden. Gemeinsam Kleidung für das Baby aussuchen oder sich gemeinsam überlegen, wo zum Beispiel die Wickelkommode stehen soll.
  • Exklusive Zeit mit den Eltern: Sobald das Baby auf der Welt ist, brauchen große Geschwister vor allem eines: Zeit mit Mama und Papa allein.
  • Nähe zulassen: Das ältere Kind viel mit dem Baby kuscheln lassen und ihm immer wieder sagen, wie wichtig und schön seine Hilfe bei den alltäglichen Arbeiten mit dem Kleinen ist.
  • Arme frei: Empfangen Sie Ihr Kleinkind in der Klinik nicht mit dem Baby im Arm. Ihre Hände sollten frei sein für eine liebevolle Umarmung!

Buchtipps

  • „Wer wohnt denn da in Mamas Bauch?“ von Lars Daneskov
  • „Hallo Baby, wann kommst du?“ von Lydia Hauenschild
  • „Unser Baby (Wieso? Weshalb? Warum? -Junior) von Angela Weinhold

Geschwisterrivalität

  • „Das Baby ist da! Was nun?“ von Catherine Leblanc
  • „Ein Geschwisterchen für Pauli“ von Brigitte Weninger

Unser Lieblingsfazit:

Den eigenen Weg finden. Weder eine Überthematisierung noch ein In-Watte-Packen ist sinnvoll. Jedes Kind reagiert anders. Individuell schauen, welche Methoden zu dem Temperament Ihres Kindes passen. |Text: Stefanie Steinbach