Spitzenkandidatin - Frauen in Führungspositionen

Führungseigenschaften sind keine Frage des Geschlechts, sondern der Persönlichkeit

Wenn Sie bei Google folgenden Satz eintippen: „Frauen in (…)“, dann schlägt Ihnen die Suchmaschine als erstes „Unterwäsche“ vor. Das ist nett, aber wir widmen uns lieber dem zweiten Suchvorschlag: Führungspositionen.

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Gehen Sie bitte einmal in sich: Wie viele Frauen in Führungspositionen fallen Ihnen ein (Frau Merkel einmal ausgenommen)? Richtig, schon mehr als noch vor ein paar Jahren, aber die Zahlen sind trotzdem eher gering. Wir gehen in Richtung Aufsichtsräte, Vorstände und Management. Im Jahr 2008 betrug der Anteil von Frauen in Vorständen in den Top 200 Unternehmen in Deutschland 2,5 Prozent. Im Jahr 2016 waren es bereits 8,2 Prozent. In Aufsichtsräten derselbigen Unternehmen sind im Jahr 2016 ganze 22,6 Prozent von weiblicher Natur. Höchst interessant, denn: Die ab Anfang 2016 gesetzlich geltende Frauenquote gilt mit 30 Prozent nur für Positionen in Aufsichtsräten, nicht aber für Vorstände. 

Die Frauenquoten

Laut Definition regeln diese Quoten den vorgeschriebenen Anteil von Frauen in bestimmten Funktionen und Arbeitsbereichen. Diese Quotenregelungen basieren auf der Annahme, dass ein höherer Anteil unterrepräsentierter Gruppen, z.B. Frauen, in bestimmten Positionen ökonomisch sinnvoll ist. Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, dass die Hälfte der Bevölkerung und somit auch die Hälfte des Talents aus Frauen bestehen? 

Die Statistik 

In den Aufsichtsräten der 104 börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen sind mittlerweile 28,1 Prozent der Mitglieder Frauen. Trotz dieser Aussichten geht der Anteil der Damen in Führungspositionen zurück. 
Besonders rückständig sind nach Informationen des SPIEGEL mittelgroße und kleine Unternehmen, die in den Aktienindizes MDax und SDax gelistet sind. Dort gibt es laut einer Studie der deutsch-schwedischen AllBright-Stiftung sogar weniger Vorstandsfrauen als noch vor einem Jahr. 
Zwar müssen alle vom Gesetz umfassten Firmen auch für Vorstand und Führungsebene Zielgrößen für einen Frauenanteil festlegen, aber fast 70 Prozent der Unternehmen, die sich die Zielgrößen gesetzt haben, geben als Zielgröße „null Frauen“ an.

Zukunftsprognose:

Der Frauenanteil in den Vorständen der 160 Dax-Unternehmen liegt aktuell bei rund sieben Prozent. Sollte die Entwicklung in dem Tempo weitergehen, wäre das Geschlechterverhältnis dort erst im Jahr 2055 einigermaßen ausgeglichen, so das Fazit einer weiteren Studie.

Politischer Hintergrund

Gründe für die zaghafte Verteilung der Frauen in Führungsebenen können in der besonders maskulinen Kultur liegen, die sich Männer aufgrund der klassischen Rollenverteilung in den letzten Jahrhunderten aufgebaut haben.Haben Sie schon einmal von „Diversity“ gehört? Dies ist der moderne Gegenbegriff zur Diskriminierung und kann mit „Vielfaltsmanagement“ übersetzt werden. Gerade die menschliche Mannigfaltigkeit ist von der Mehrheit der Unternehmen noch nicht überall als enormer Vorteil erkannt wurden. Ausnahme: Junge Start-up Unternehmen sind meist bunt gemischt und bedienen sich konstruktiv an der sozialen Vielfalt. Mit Erfolg.

Menschlicher Hintergrund

Teilzeitarbeit schmälert die Karrierechancen von Frauen, denn für viele Führungspositionen ist eine Vollzeittätigkeit Voraussetzung. Dies ist für Frauen aufgrund der traditionellen Aufgabenteilung in Familie und Haushalt aber oftmals nicht möglich. Damit ist der triftigste Grund schon auf den Punkt gebracht:
Frauen bekommen Kinder und sind danach meist in der Teilzeitfalle gefangen. Denn nur selten nutzen Väter gleichermaßen die Elternzeit oder bleiben gar ein ganzes Jahr zu Hause.