Starke Signale von der Regionalkonferenz der Modellprojekte Smart Cities in Kempten

Innovativ – zusammen – nachhaltig

Wie können Städte lebenswerter, nachhaltiger und effizienter werden? Und wie lässt sich Digitalisierung so einsetzen, dass sie den Menschen konkret zugutekommt? Antworten darauf lieferte die Regionalkonferenz „Smart Data, Smart City? – Mit neuen Datenwelten die Stadtplanung verändern“ am 25. März 2026 in Kempten.

cropped-1775416193-reko_bild-2
Rund 110 Teilnehmende aus Kommunen, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft kamen im Kornhaus zusammen, um praxisnahe Lösungen für die digitale Stadtentwicklung zu diskut...Bild: Smart City Kempten
Rund 110 Teilnehmende aus Kommunen, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft kamen im Kornhaus zusammen, um praxisnahe Lösungen für die digitale Stadtentwicklung zu diskutieren. Im Mittelpunkt stand dabei ein klares Verständnis von Smart City: nicht Technik als Selbstzweck, sondern die gezielte Nutzung von Digitalisierung für mehr Lebensqualität.

Smart City heißt: Mehrwert für alle schaffen

Zum Auftakt setzten Oberbürgermeister Thomas Kiechle und Renate Mitterhuber vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen einen klaren Rahmen: Kommunen brauchen digitale Lösungen, die ihren Nutzen für den Bürger nicht nur sichtbar, sondern erlebbar machen und von anderen Städten übernommen werden können. „Erfolg ist, wenn andere es nachmachen“, so die zentrale Botschaft. Thomas Kiechle betonte außerdem in seinem Grußwort, dass Kempten dankbar sei, das Zukunftsthema Smart City mit Sinn und Nachhaltigkeit aktiv mitgestalten zu können.


Die Konferenz machte deutlich: Es geht nicht darum, immer mehr Daten zu sammeln – sondern darum, vorhandene Daten sinnvoll, verständlich und gemeinschaftlich nutzbar zu machen. Daten bilden die Grundlage für bessere, nachvollziehbare Entscheidungen in zentralen kommunalen Handlungsfeldern wie Stadtentwicklung, Verkehrsplanung oder Klimaanpassung.

Von der Idee in die Breite: Nachnutzung als Schlüssel

In der Podiumsdiskussion mit Vertretern von Bund, Land und Kommunen und aus der Praxis wurde klar: Viele funktionierende Lösungen existieren bereits. Die Herausforderung besteht nun darin, diese in die Breite zu tragen. Statt neue Insellösungen zu entwickeln, braucht es anschlussfähige Ansätze und stärkeren interkommunalen Austausch.
Einigkeit bestand auch darüber, dass echte Fortschritte dort entstehen, wo Kommunen voneinander lernen und erfolgreiche Projekte übernehmen. Austausch ist dabei kein Zusatz, sondern Voraussetzung für wirksame Smart-City-Entwicklung. Gleichzeitig wurden bestehende Hürden benannt: begrenzte Ressourcen, komplexe Strukturen und zu geringe Sichtbarkeit erfolgreicher Projekte.
Praxisnahe Workshops und intensiver Austausch

Am Nachmittag vertieften Workshops zu Themen wie „KI & gesunde Bäume“, „Smart Data & Stadtentwicklung“ sowie „Digitale Zwillinge & regionale smarte Stadtentwicklung“ die Diskussion. Sie zeigten eindrucksvoll, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Praxis und Politik ist – über alle Ebenen hinweg. Der begleitende „Markt der Möglichkeiten“ bot zusätzlich Einblicke in konkrete Projekte aus der Region und darüber hinaus.

Starke Signale aus dem Allgäu

Die Regionalkonferenz setzte ein klares Zeichen: Smart City entsteht nicht durch Daten allein, sondern durch Zusammenarbeit, Vernetzung, Neugier – und den Mut, neue Wege zu gehen.

Die hohe Beteiligung, darunter zahlreiche Teilnehmende beim
anschließenden Get-together im Zukunftslabor in Kempten, unterstreicht das große Interesse an gemeinsamen Lösungen für die digitale Transformation von Städten und Regionen. Kempten positioniert sich damit als aktiver Teil einer zukunftsorientierten, vernetzten Kommunallandschaft.
Zum Abschluss gab Moderatorin Gesa Zötler den Teilnehmenden ein Zitat von Bettina von Arnim mit auf den Weg: „Die Zukunft kommt eh. Die gute Zukunft braucht die Tatkraft.“
2. Hintergrundinformationen
Bundesprogramm „Modellprojekte Smart Cities“
Das Bundesprogramm „Modellprojekte Smart Cities“ unterstützt Kommunen dabei, Strategien und Lösungen für eine nachhaltige, digitale Stadtentwicklung zu entwickeln und umzusetzen. Im Mittelpunkt steht die integrierte Nutzung von Daten, Technologien und neuen Beteiligungsformaten. Kempten ist eine der 73 vom Bund geförderten Modellprojekte. Das Förderprojekt hat eine Dimension von 17,5 Millionen Euro, die Stadt einen Eigenanteil von 35 %. Das Projekt hat eine Laufzeit -nach Verlängerung- von sechs Jahren.
Modellprojekt Smart Cities Kempten (Allgäu)

Auszug aus den Maßnahmen von Smart City Kempten

• Verkehrsanalyse in Kempten: Mittels Sensoren wird der Verkehrsfluss in der Kemptener Innenstadt gemessen. Die Sensoren befinden sich an zentralen Knotenpunkten und Hauptverkehrsadern in Kempten. Ziel: Effizientere Verkehrsplanung, dadurch weniger Staus. Früherkennung der Auswirkungen von Straßensperrungen.
• Passantenfrequenzmessung: Mittels Sensoren werden Passantenströme in der Innenstadt gemessen. Dadurch wird sichtbar, wie der öffentliche Raum tatsächlich genutzt wird. Ziel/Nutzen: Die Stadtentwicklung kann datenbasierte Entscheidungen treffen. Maßnahmen wie die Aufwertung von Plätzen, neue Nutzungen oder die Ansiedlung von Angeboten können gezielt dort erfolgen wo sie gebraucht werden. Handel und Gastronomie können Angebot, Öffnungszeiten und Personalplanung entsprechend anpassen.
• Schüler Sparen Energie: In der Kemptener Fürstenschule 
erfassen Sensoren den Stromverbrauch und Energieverbrauch (Wärme) in einzelnen (Klassen-) Räumen. Zusätzlich dürfen die Schulkinder mittels installierter Buzzer morgens angeben, wie sie zur Schule kommen (Fahrrad, zu Fuß, von Eltern mit Auto gebracht). Die Daten werden visualisiert. Schüler sehen so die Wirkung ihres Verhaltens unmittelbar. Ziel: Kinder für das Thema „Energiesparen“ zu sensibilisieren. Nebeneffekt: durch das „Buzzern“ am Morgen bevorzugten die Schüler zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule zu kommen.
• Weitere Maßnahmen von Smart City Kempten: Digital Maker Space, Wildbienenmonitoring, Parkraummonitoring, Mobile Mapping System, Digitale Stelen, Klimadatenerfassung, vergleichende Quartiere, Fassadenbegrünung, Zukunftslabor, Smart Waste, Bodenfeuchtemessung, Urbane Datenplattform