Wie wichtig ist Emotionale Intelligenz‘ für eine gute Partnerschaft?

Klugheit der Gefühle

Die Haustür schwingt auf und Ihre Frau – nennen wir sie Hannelore – kommt von einem langen Arbeitstag nach Hause. Sie seufzt und lässt sich aufs Sofa fallen. Da sitzen Sie bereits seit einer Stunde. Hannelore erzählt Ihnen unter verspannten Schultern, wie hart ihr Tag war. Sie nicken. Und dass sie ganz erschöpft sei. Sie nicken wieder. In Ihrem Hinterstübchen können sich nun unterschiedliche Szenarien abspielen: Sie haben Hunger und fragen sich, wann Ihre Gattin mit dem Erzählen fertig ist - wollen aber nicht unhöflich sein und sie unterbrechen. Oder aber Sie ärgern sich, dass Ihre Frau die häuslichen Qualitäten vernachlässigt - Sie sind hier schließlich der Brötchenverdiener. Oder Sie verspüren den Drang Ihre Dame des Herzens in den Arm zu nehmen und spontan das Kochen zu übernehmen. Sie ahnen es: letzteres zeugt von einer ansehnlichen, emotionalen Intelligenz. Aber was ist das überhaupt?

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Bild: Adobe Stock, Rido

Was ist emotionale Intelligenz?

Beim IQ wird der Umgang mit Informationen beurteilt, bei EQ – sprich dem Emotionsquotienten – geht es um die Verarbeitung von Gefühlen. Wir verstehen unter emotionaler Intelligenz die Fähigkeit, Gefühle in Bezug auf uns selbst und bei anderen wahrzunehmen, auszudrücken, zu verstehen und sinnvoll handzuhaben. Sie ist kein Schicksalsgeschenk, sondern eine Kombination von Einzelfähigkeiten, die wir erlernen können.

Grundlagen der emotionalen Intelligenz

Der EQ setzt sich aus vielen Faktoren zusammen. Erkennen Sie sich in einer der folgenden Punkte wieder? Wunderbar. Heißt jedoch nicht, dass Sie für Hannelore sofort den Kochlöffel schwingen würden. Die Grundlagen der emotionalen Intelligenz sind bei jedem Menschen in einer unterschiedlichen Intensität ausgeprägt – oder fehlen zum Teil sogar ganz. Das Bewusstsein der eigenen Gefühle und die Fähigkeit der Selbstwahrnehmung spielen eine große Rolle für das eigene Gefühlsmanagement. Auch die Kontrolle der eigenen Emotionen und das Regulieren derer sind Grundvorrausetzungen für den EQ. Einfühlungsvermögen (Empathie), Eigenmotivation und die Fähigkeit, soziale Beziehungen aufzubauen und positiv zu nutzen reihen sich ebenfalls in die Schlange der Grundlagen ein.

Selbstwahrnehmung eines Menschen mit emotionaler Intelligenz

Wer eine emotionale und uneinnehmbare Festung der eigenen Gefühle vermutet, sollte weiterlesen. Vielmehr verfügen Menschen mit emotionaler Intelligenz über eine hohe Selbstakzeptanz und ein gutes Reflektionsvermögen. Sie besitzen die Fähigkeit, Emotionen so zu handhaben, dass sie der Situation angemessen sind. Sie sind Spezialisten darin, eigene Gefühle in die Tat umzusetzen, sich selbst zu motivieren und Anreizen auf dem Weg dahin standzuhalten. Auch Empathie – das sogenannte Fundament zwischenmenschlicher Beziehungen – ist von hoher Bedeutung.

Auch diesen Menschen geht es mal dreckig, doch sie können recht zügig ihre Gefühlslage deuten und richtig damit umgehen. Statt die schlechte Laune an anderen Personen auszulassen, analysieren Menschen mit einem hohen EQ die Emotionen und schaffen es rasch wieder, mit sich ins Reine zu kommen.

Emotionale Intelligenz und Auswirkung auf die Beziehung

Kennen Sie den Spruch „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“?  Menschen mit einem hohen EQ meiden diese bodenständige Satzhülle. Natürlich ist so ein „aufmunterndes“ Statement das erste, was wir hören möchten, wenn wir mit Karacho gegen die Tischkante gelaufen sind. Es liegt auf der Hand: Das gemeinsame Leben mit jemandem, der uns versteht, ist um einiges leichter und entspannter. Ein Partner hingegen, der unsere Gefühle ignoriert und nicht nachvollziehen kann, bringt geballtes Konfliktpotenzial mit in die Beziehung.

Es ist gut zu wissen, dass der auserwählte Lieblingsmensch ein guter Gesprächspartner sein kann und für uns auch mal – z.B. in der Situation von Hannelore – den Kochlöffel schwingen würde. 

Nice to know: Männer mit einem hohen EQ gelten als sehr gute Väter. Denn durch diese Fähigkeiten sind sie in der Lage, die Gefühle ihrer Kinder zu verstehen und sich bei Problemen sogar selbst an die eigene Jugend zurückzuerinnern. Sie spenden bei kleinen und großen Verletzungen lieber Trost, statt mit einer Floskel wie „Zähne zusammenbeißen“ die Empfindungen des Nachwuchses abzuwerten.

Eine bessere Basis für eine lange und stabile Beziehung gibt es also kaum. Hoffen wir für alle Hannelores und männlichen Gegenstücke da draußen, dass sie einen Menschen an der Seite haben, der vom Sofa aufsteht und sie umarmt. Und zusammen kochen soll ja bekanntlich ebenfalls die Beziehung festigen. Wohl bekomm’s. | Text: Stefanie Steinbach

Emotionale Intelligenz ist kein Schicksalsgeschenk