Zeit für Weinglaskunde: Welches Glas passt zu welchem Wein?

It’s Wine O’Clock

Ein guter Tropfen an einem schönen Herbstabend zuhause auf dem Sofa, während draußen langsam der Nebel über die Felder zieht. Ein schöner Gedanke, nicht wahr? Doch ist der gute Tropfen auch im richtigen Glas? Darüber haben Sie sich vielleicht noch nie Gedanken gemacht, doch echte Experten schwören auf die richtige Glaswahl. Denn nur dann kommt das letzte Fünkchen Geschmack auch wirklich an. Wir haben den Überblick über die Arten der Gläser und was diese bewirken sollen. 

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Bild: stock.adobe / 5ph
Mehr als 2.000 Ergebnisse – das ist das erste Suchergebnis beim Onlineshoppingriesen Amazon, sobald man dort „Weinglas“ in die Suchleiste tippt. Grenzt man die Suche über „Rotwein“ ein, sind es immerhin nur noch 629 Treffer, bei „Weißwein“ gar nur 605. Doch selbst diese Zahl ist für einen Laien eine echt Herausforderung, denn wie soll man hier gut von schlecht unterscheiden? Und welche Qualitätsmerkmale gibt es eigentlich überhaupt? Wir bringen Schritt für Schritt Licht ins Dunkel: Grundsätzlich unterscheidet man zwischen fünf Weinglassorten. Diese sind vom Look und vor allem der Größe unterschiedlich, je nachdem für welche Verwendung sie vorgesehen sind. 

1. Das Bordeaux-Glas: für kräftige, schwere Rotweine

Dieses Glas ist leicht enttarnt: Es ist meist eines der größten bzw. voluminösesten in der Einkaufsauswahl. Sein Volumen verschafft dem Wein die nötige Freiheit, sich zu entfalten. Das ist vor allem bei tanninbetonten Rotweinen wichtig, die entsprechend atmen müssen. Im Bordeaux-Glas finden Sie den notwendigen Oberflächenspiegel, um ausreichend Sauerstoff aufnehmen zu können. Besonders gut eignet sich diese Glasart für folgende Rebsorten und Weine aus den folgenden Anbaugebieten: Mendoza, Barossa Valley, Cabernet Sauvignon, Nebbiolo, Cabernet Franc,  Médoc, Margaux und Pauillac. 

2. Das Burgunder-Glas: für fruchtige Rotweine mit vollem Aroma

Wer auf fruchtige Weine steht, kommt an diesem Glas nicht vorbei. Ebenfalls so voluminös wie das Bordeaux-Glas, aber in seiner Form weniger schlank sondern mehr bauchig, ist es die richtige Wahl für Gamay, Barbera, Spätburgunder und Pinot Noir. Und auch beim Weißwein kann man auf dieses Glas zählen und zwar bei im Barrique gelagerten Chardonnay oder Riesling. 

3. Das Chardonnay-Glas: Weißwein, aber bitte kräftig 

Durch eine angenehme Breite wird hier die Entfaltung von Aromen angekurbelt. Durch die Form entsteht eine große Weinoberfläche, die vor allem auch für die richtige Temperatur des Weins sorgt und ihm das Fünkchen Kühle nimmt, das zu viel sein könnte. Es entsteht ein geschmeidiger Geschmack mit rundem Abgang. Besonders gut für diese Gläser eignen sich Grauburgunder, Maipo Valley, Stellenbosch, Meursault, Gutedel, Hunter Valley, Corton-Charlemagne, Chablis und Puligny-Montrachet. 

4. Das Riesling-Glas: leichter Wein mit Aroma

Ein Klassiker in deutschen Weinglasschränken, denn es eignet sich gut für Weine, die hierzulande besonders gern getrunken werden. Der glatte, elegante Stil ist beliebt, das ab in der Mitte nach oben enger zulaufende Glas schließt zudem das Geschmacksbild gekonnt ein und hält die Aromen lange im Glas. Charakteristisch für dieses Glas ist zudem seine dünne Wandstärke, die sich gut für Grüner Veltiner, Cortese, Gewürztraminer, Vinho Verde und Verdejo eignet. 

5. Das Champagner-/Sektglas: ein Klassiker in jedem Schrank

Darf’s ein bisschen sprudelig sein? Ob zum Anstoßen bei einem besonderen Ereignis oder als Aperitif vor dem Dinner: auf ein gutes Glas Champagner, Sekt oder Prosecco wollen viele nicht verzichten. Schaumweine werden am besten in Gläsern mit flachem, breiten Boden serviert, welche nach oben wie ein Kamin zulaufen. Hier können sich die Aromen schön entwickeln und zur vollen Entfaltung reifen. Ein optisch schönes Schauspiel entsteht durch den „Moussierpunkt“ – die kleine Erhebung am Boden, durch welche die Kohlensäureperlen schön nach oben steigen können. 

Handwerkskunst oder Maschinentechnik?

Wie in vielen Bereichen, unterscheidet man auch beim Weinglas Handarbeit und Serienproduktion. Ganz besonders wird es natürlich dann, wenn man sich für ein mundgeblasenes Glas entscheidet. Hier ist die Dünnwandigkeit nahezu einmalig, das Glas fühlt sich hochwertig und edel an. Allerdings sind diese Gläser nachvollziehbarerweise meist deutlich teurer, als klassische Gläser aus dem Regal. So wird hier für ein Glas oftmals bereits ein Betrag von 20 bis 30 Euro fällig. Zudem sind sie deutlich empfindlicher und anfälliger für Schäden und/oder Bruch. Eine gute Idee ist ein Gläsermix, also besondere mundgeblasener Gläser für zwei Personen, mit welchen man im kleinen elitären Rahmen seinen Lieblingswein genießen kann. Sind Gäste mit dabei und geht der Abend eventuell etwas länger, genügen gute Qualitätsgläser namhafter Hersteller, die häufig bereits ab ca. 25 Euro im 6er-Set erhältlich sind. 

Fazit: Wer Wein liebt, sollte auch lernen die richtigen Gläser lieben zu lernen. Das volle Geschmackserlebnis erhält man dann, wenn man aus der richtigen Glasform genießt, denn sie unterstützt die Entfaltung der Aromen und rundet den Geschmack ab. Ob mundgeblasen oder maschinell produziert entscheidet am Ende der Geldbeutel, in beiden Segmenten gibt es gute Preis-Leistungsverhältnisse.