Alexander Hold schreibt Markus Söder einen Brief

«Wir sollten öffnen»

Ende Februar demonstrieten viele Allgäuer Kleinvermieter und Gastronomiebetreiber in Sonthofen auf der angemeldeten Demonstration „Allgäuer Gastgeber in Not", um auf ihre verzweifelte Lage in der Corona-Krise aufmerksam zu machen. Mehr als die Hälfte der Betriebe stehen laut eigenem Bekunden vor dem wirtschaftlichen Aus. Ihre Hoffnung zu Ostern Gäste aufnehmen oder bewirten zu können, wurde ein weiteres Mal enttäuscht. Wer sich derzeit darüber informieren möchte, ob es zum deutschen Weg der Dauerlockdowns mit Ausgangssperren eine Alternative gibt, der schaut schon längst bei unseren Nachbarn die Nachrichtensendungen „Zeit im Bild" im ORF, oder „10vor10" im SRF1. Die können davon berichten, dass in punkto Öffnungsstrategien in ihren Ländern wesentlich mehr riskiert wird. Das Bundesland Voralberg arbeitet mit seiner Öffnungsstrategie bereits seit Mitte März. Die Inzidenzien sind freilich gestiegen, die Fälle schwerer Covid-Erkrankungen fallen allerdings auch. Im Wissen über die Not der Allgäuer Hotel- und Tourismusbranche wendet sich nun der Vizepräsident des Bayerischen Landtags und Allgäuer Abgeordnete der FREIEN WÄHLER Landtagsfraktion an u.a. Ministerpräsident Markus Söder. Nachfolgend sein Schreiben im Wortlaut:

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Der Vizepräsident des Bayerischen Landtags und Fraktionsvorsitzende der Kemptener Stadtratsfraktion FREIE WÄHLER Alexander Hold spricht sich für erste Öffnungsschritte im...Bild: privat
Alexander Hold fordert baldige Öffnungsperspektive für Hotel-und Tourismusbranche

Angesichts der Öffnung der Hotel-und Gastronomie in Österreich am 19.5.2021 und fehlender Perspektive für die Bayerische Hotel-und Tourismusbranche hat Alexander Hold, Vizepräsident des Bayerischen Landtags und Abgeordneter der FREIE WÄHLER Landtagsfraktion sich heute mit folgendem HILFERUF in einem Brief an Herrn Ministerpräsident Dr. Markus Söder und Herrn Staatsminister Hubert Aiwanger gewandt

Hold:

Mich erreichen tagtäglich immer mehr Schreiben von Verantwortlichen und Beschäftigten in der Hotel-und Tourismusbranche, in denen diese ihrer Wut und Ihrer Verzweiflung über die derzeitige Lage Luft machen. Und ich kann diesen Ärger und das Unverständnis auch durchaus verstehen.

Diese Branche war von Tag 1 der Pandemie von den Corona-Maßnahmen am meisten betroffen. Die Betriebe haben viel Geld in die Umsetzung von Hygienekonzepten investiert und mussten dennoch schließen. Viele Betriebe stehen mittlerweile mit dem Rücken an der Wand. Nicht nur durch die Einkommensausfälle, sondern auch, weil ihnen das Personal abhandenkommt. Denn vielen Beschäftigten reicht das Kurzarbeitergeld nicht aus, so dass sie sich, trotz der Liebe zu ihrem Beruf, in anderen Bereichen nach Arbeit umsehen.

Dass Osterurlaub auf Mallorca möglich war, aber keine Übernachtung in einem unserer bayerischen Unterkünfte, war für die Branche schon kaum zu ertragen. Dass nun ab dem 19. Mai unsere Nachbarn in Österreich ihre Beherbergungsbetriebe wieder öffnen dürfen, hierzulande jedoch weiterhin keine echten Perspektiven geschaffen werden, ist tatsächlich nicht mehr nachzuvollziehen. Unsere Gastbetriebe haben ebenso wie die Gastbetriebe unserer Nachbarn ausgereifte Schutz-und Hygienekonzepte. Mit deren konsequenter Einhaltung und zusätzlichen Tests muss es doch möglich sein, ebenso wie in Österreich auch unsere bayerischen Betriebe wieder öffnen zu lassen. Zumindest bei einer Inzidenz von unter 100. Schließlich hat das RKI in einer Studie veröffentlicht, dass die Hotels keine Treiber der Infektionen sind.

Gerade die meist familiengeführten Betriebe im Allgäu sind besonders betroffen: Es ist schlicht nicht einzusehen, dass die Gäste unbehelligt durchs Allgäu hindurch fahren, um dann beispielsweise im Kleinwalsertal oder im Tannheimer Tal ihren Urlaub zu genießen, während unsere Allgäuer Betriebe zum Zuschauen gezwungen sind und sogar mit der Abwanderung der besten Mitarbeiter rechnen müssen. Dabei könnte die hohe Gesundheitskompetenz vieler Hotels sowie das Gefühl der Geborgenheit gerade in der jetzigen Zeit zusätzlich sehr positive Auswirkungen auf die physische und psychische Verfassung der Gäste entwickeln.

Es sollten auch unsere bayerischen Gastbetriebe, bei einer Inzidenz von unter 100, ebenfalls ab dem 19. Mai 2021 ihre Türen für geimpfte, genesende und negativ getestete Gäste wieder öffnen dürfen.