Augsburger Kanuprofi im Interview

Sideris Tasiadis erzählt über Trainingszustände

Der C 1 Spezialist Sideris Tasiadis spricht im Interview mit Marianne Stenglein über die aktuelle Trainingslage und Möglichkeiten trotz der Corona-Bedingungen.

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Bild: Kanu Schwaben Augsburg
MS: "Wie häufig trainierst Du derzeit pro Woche. Speziell jetzt im Winter? So wie ich das mitbekommen habe gehen die Kaderathleten des DKV auch bei minus 5 Grad aufs Wasser. Welches war bis jetzt Dein persönlicher Kälterekord?"
ST: "Pro Woche trainiere ich gerade 12-14 Mal. Sonntag ist mein Pausentag. Wir Sommersportler werden im Winter für die kommende Saison fit gemacht. Mein Kälterekord ist - 10 Grad. Da runter gehe ich nicht aufs Wasser."
MS: "Ihr trainiert ja derzeit nicht auf dem Olympiakanal, da dieser im Winter nie genügend Wasser zugeleitet bekommt, sondern auf der Jugendstrecke und der Waldstrecke. Vermisst Du nicht den Olympiakanal mit seinem wilden Wasser bzw. generell Wildwassertraining?"
ST: "Der Olympiakanal ist wie jedes Jahr im Winter trockengelegt, da der Lech nicht genügend Wasser führt. Man vermisst den Olympiakanal schon, aber man ist es seit Jahren so gewöhnt."
MS: "Du darfst ja, als Mitglied des A-Nationalkaders des DKV – genauso wie die anderen Kaderathleten am Eiskanal trainieren – stören Dich dann nicht die widrigen Paddelbedingungen im Winter? Wie man beobachten kann, habt ihr schon ein enormes Trainingsprogramm zu absolvieren, die Kanuten schwitzen im Boot und der Trainer friert an der Strecke und das noch mit Maske wegen Corona. Worauf legt ihr jetzt besonders Wert? Was wird im Wintertraining denn am intensivsten trainiert?"
ST: "Mich persönlich stören die widrigen Bedingungen nicht. Ich finde es auch angenehm wenn es um die 5 Grad hat und wir unsere Grundlagen trainieren. Während der Grundlagenausdauereinheiten schwitzt man schon recht ordentlich. Wintertraining heißt Grundlagenausdauer im extensiven und intensiven Bereich und Krafttraining im Ausdauer- und Maximalbereich."
MS: "Nach dem Wassertraining geht es dann noch ins Bundesleistungszentrum zum Krafttraining. Gefällt Dir das auch so gut wie im Boot zu sitzen oder bevorzugst Du lieber den Kraftraum und was gibt es dort für Trainingseinheiten und was ist dort besonders zu beachten?"
ST: "Dass man ein vollkommener Top-Athlet wird braucht man beides. Ich mag beides. Das heißt meine Einheiten auf dem Wasser und im Kraftraum. Wie ich es schon oben gesagt habe. Kraftausdauer und Maximalkraft."
MS: "Die A-Mannschaft fliegt ja am Monatsende auf die Insel Reunion, so auch Deine Schwabenkollegin Elena Apel und vom Nachbarverein Hannes Aigner. Du hast Dich zwar für Reunion ausgeklinkt, wie trainierst Du in der Zwischenzeit mit Deinem Trainer Sören Kaufmann?"
ST: "Wir werden hier in Augsburg unsere Trainingseinheiten weiterhin durchziehen. Ich habe es schon öfter so gemacht und es hat schon oft gut funktioniert das Wintertraining komplett daheim durchzuführen."
MS: "Deine Hündin Mila begleitet Dich sonst als Maskottchen beim Wassertraining. Darf sie im Winter nicht mit an den Kanal oder ist es an der Jugendstrecke zu schwierig an Dir dranzubleiben?"
ST: "Meine Hündin Milou darf jeden zweiten Tag mit zum Training. An manchen Tagen, wenn ich eine Grundlagenausdauereinheit habe kann sie leider nicht so lang mithalten, dann bleibt sie daheim und auch wenn ich im Kraftraum bin. Sonst ist sie für mich eine sehr gute Begleiterin."
MS: "Nun zu Deiner Olympiavorbereitung. Deutschland muss ja noch das Ticket für die olympischen Sommerspiele in Tokio 2021 im Canadier Einer Herren holen, dies ist in der Planung bei der Europameisterschaft im Mai in Ivrea/Italien. Du aus Augsburg und Franz Anton aus Markkleeberg müssen also noch einmal angreifen um das Ticket herauszufahren. Belastet Dich der Gedanke daran? Gibt es vor der EM in Ivrea einige Trainingsaufenthalte und wie gefällt Dir die Strecke dort?"
ST: "Mich persönlich belastet es nicht. Ich weiß für was ich trainiere und das ist eher eine Motivation für mich. Die Strecke gefällt mir ganz gut und sie liegt mir auch. Es wird 2-3 Trainingsaufenthalte geben, ob diese dann wegen der Coronazahlen durchführbar sind wird sich zeigen."
MS: "An zwei Olympischen Spielen hast Du bereits teilgenommen. 2012 hast Du im Canadier Einer der Männer in London Silber geholt, 2016 hast Du Nerven mit Torstabberührungen gezeigt und bist bei den Spielen in Rio de Janeiro, Brasilien, mit Platz fünf im Finale leider an einem Podestplatz vorbei gefahren, obwohl Du zuvor souverän die Qualifikation und das Halbfinale als Erster dominiert hast. Bereitest Du Dich mental mit Deinem Trainer anders auf die EM 2021 in Ivrea vor als bei Weltmeisterschaft in La Seu d’Urgell 2019? Dort ist bei der Olympia Qualifikation leider bei den C 1 Herren zu viel Druck entstanden, so dass – ein Novum – noch immer nicht feststeht, ob und wer aus Deutschland mit nach Tokio darf."
ST: "In Rio bin ich 5ter geworden und habe einen Torstab ganz leicht berührt. Diese Torstabberührung hat mich die Bronzemedaille gekostet. So ist der Sport. In Ivrea werde ich probieren mein Bestes zu geben, um den Quotenplatz zu erreichen."
MS: "Die olympischen Spiele finden ja vom 23.07. bis 08.08.2021 in Tokio statt. Bedingt durch die Corona Pandemie mussten sie ja 2020 verschoben werden. Glaubst Du, dass sie stattfinden werden und kennst Du eigentlich die Strecke vor Ort schon?"
ST: "In der Zeit in der wir uns gerade befinden kann ich nur sagen, dass die Spiele zu 50 % stattfinden werden. Die Strecke in Tokyo kenne ich schon, da ich im November 2019 dort Vorort für einen Trainingslehrgang war."
MS: "Wenn die Olympiaqualifikation in Ivrea klappt, kann dann deine Familie mit anreisen oder finden die Olympischen Spiele ohne Zuschauer statt?"
ST: "Ob Zuschauer bei den Olympischen Spielen sein werden weiß ich nicht. Eventuell wird in Ivrea der eine oder andere von meiner Familie da sein, aber ob dort Zuschauer erlaubt sind weiß ich auch nicht."
MS: "Was gefällt Dir –außer Bootfahren – sonst noch ganz besonders?"
ST: "Mir gefällt es übers Wochenende in die Bergregionen zu fahren und auf Wanderschaft mit meiner Freundin und Hündin zu gehen. Da erlebt man in jeder Region etwas anderes."