Cyberattacken auf Supermärkte werden Fall für deutsche Nachrichtendienste

Nach den Cyberangriffen auf Kühlsysteme europäischer Supermärkte haben sich deutsche Nachrichtendienste eingeschaltet. "Die Vorfälle sind Gegenstand aktueller nachrichtendienstlicher Ermittlungen", teilte das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) dem "Handelsblatt" am Freitag mit. Außerdem befasse sich das Gemeinsame Zentrum zur Bekämpfung hybrider Bedrohungen (GAZ Hybrid) mit dem Thema. Dort arbeiten unter anderem Verfassungsschutz, Bundesnachrichtendienst (BND) und Militärischer Abschirmdienst (MAD) zusammen.

Zuletzt hatten in Europa mehrere Länder Cyberangriffe auf Gefrier- und Kühlanlagen in Supermärkten gemeldet. Neben Schweden, Belgien, Estland, Finnland und Luxemburg gaben am Montag auch Italien, Irland, die Niederlande und Portugal Attacken bekannt. Auch in Deutschland kam es in einzelnen Lebensmittelmärkten zu Störungen. Vor drei Wochen hatte es bereits einen massiven Cyberangriff auf Kühlanlagen von Supermärkten in Frankreich gegeben.

Die gegenwärtigen Erkenntnisse deuteten auf "eine Ausnutzung bekannter Schwachstellen der betroffenen Steuerungssysteme hin", erklärte der Verfassungsschutz laut "Handelsblatt". Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte der Zeitung: "Die Manipulation von Steuerungssystemen mit dem Ziel, Waren zu zerstören, ist ein ernstzunehmender Vorfall." Ob hinter den Attacken ausländische Geheimdienste stehen, ist ungeklärt. Derzeit lägen "keine Erkenntnisse vor, die eine eindeutige Zuordnung dieser Angriffe zu einem spezifischen Akteur oder einer staatlichen Stelle zulassen würden", sagte der Sprecher.

Der Verfassungsschutz verwies zugleich auf die wachsende Gefahr staatlich gesteuerter Cyberangriffe. "Deutschland steht im Fokus ausländischer Geheimdienste." Besonders gefährdet seien Wirtschaftsunternehmen und Betreiber kritischer Infrastrukturen. Vor allem Russland bereitet der Behörde Sorgen. "Vornehmlich in Reaktion auf Sanktionen der Europäischen Union und in Zusammenhang mit Deutschlands Unterstützung der Ukraine besteht anhaltend ein hohes Risiko etwa von Cyberangriffen durch russische staatliche Akteure."