Der Fahrradhelm: Lebensretter oder unnötiges Accessoire?

Pro & Contra Debatte

Sollte es eine Helmpflicht für das Fahrradfahren in Deutschland geben? Das ist die zentrale Frage, mit der sich die Pro/Contra Debatte von TRENDYone in diesem Monat beschäftigt hat. Wir zeigen Pro und Contra Meinungen auf.

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Bild: stock.adobe.com

Pro: Sollte es eine Helmpflicht für das Fahrradfahren in Deutschland geben? 

Mit den steigenden Zahlen an Radfahrern auf den Straßen erhöht sich das Risiko für schwerwiegende Unfälle der Zweiräder. In einigen Ländern der Welt gibt es bereits eine Helmpflicht – sowohl für Kinder als auch Erwachsene. Sollten sich die Fahrradfahrer also besonders schützen, wenn Sie am Straßenverkehr teilnehmen? 

In den letzten Jahren stieg nicht nur das Verkehrsaufkommen im Straßenverkehr allgemein, auch die Geschwindigkeit, welche auf Rad- und Fußwegen herrscht, erhöhte sich deutlich. Dies ist zurückzuführen auf die immer häufiger eingesetzten E-Bikes und E-Roller. Die erhöhte Geschwindigkeit lässt gleichzeitig auch das Unfallrisiko für alle Beteiligten ansteigen. Ein Helm würde seinen Träger, im Falle eines Unfalls, nachgewiesen vor schweren Kopfverletzungen schützen. 

Der Träger eines Helmes stellt außerdem eine Art der Vorbildfunktion für Kinder dar. Gerade in den Anfängen des Radfahrens kann das Tragen eines Helmes in diesem Stadium extrem wichtig sein, um Verletzungen des Kopfes bei häufiger passierenden Stürzen zu verhindern.
Für Mofa-Fahrer besteht eine Helmpflicht bereits seit dem 1. Oktober 1985 und das, obwohl diese, wie auch E-Bike- und E-Roller-Fahrer, mit einer Geschwindigkeit von maximal 30 km/h unterwegs sein dürfen. Beide Gefährte dürfen gleich schnell fahren und sollten deshalb auch dieselben Sicherheitsverordnungen bekommen. Die Schuld für einen Unfall und damit einer potentiellen Kopfverletzung liegt meistens nicht beim Fahrradfahrer selbst. Im Straßenverkehr werden diese deutlich öfter übersehen als Motorrad- und Mofa-Fahrer. Die Silhouette der Fahrradfahrer wird oft durch das vernachlässigte Tragen von Warn- und Schutzkleidung bzw. fehlenden Lichtinstallationen am Fahrrad übersehen.

Zusätzlich sind elektrische Fahrräder völlig geräuschlos, was die frühzeitige Wahrnehmung der Zweiräder zusätzlich erschwert. Laut einer Statistik des Statistischen Bundesamts verunglückten im Jahr 2019 445 Personen tödlich mit ihrem Fahrrad im deutschen Straßenverkehr, rund 59 Prozent davon waren über 65. Ein Drittel der Verunglückten war zum Zeitpunkt des Unfalls mit einem E-Bike unterwegs. Besonders diese Altersgruppe unterliegt einer höheren Wahrscheinlichkeit, nach dem Unfall möglicherweise sogar zu einem Pflegefall zu werden. Die anschließend benötigte intensive Betreuung der Patienten wird von unserem Gesundheitssystem getragen. Die schweren Folgen dieser Unfälle könnten durch das Tragen eines Helmes deutlich gemindert werden. 

Pro-Meinungen aus unseren Socialmedia-Kanälen: "Ich trage einen Fahrradhelm, weil....

...ich meinen Kindern ein Vorbild sein mag“

...es mit dem Rennrad zu gefährlich ist ihn nicht zu tragen“

...oft unangenehm, aber ich werde mir demnächst einen Zulegen“

...es sich ohne irgendwie unsicher anfühlt“

...ich letztes Jahr einen Fahrradunfall hatte“

...ich mir wichtig bin“

Contra: Sollte es eine Helmpflicht für das Fahrradfahren in Deutschland geben?

Gerade im Frühjahr und zu Zeiten von Corona steigen die Zahlen an Radfahrern drastisch. Nichts lässt einen das Gefühl des Frühlings mehr genießen als den Wind in den Haaren zu spüren und sich endlich wieder an der frischen Luft bewegen zu dürfen. Wird dieses Frühlingsgefühl vom Tragen eines Helmes beim Fahrradfahren nicht gedämpft? 

Helme werden von den vielen Kritikern als unkomfortabel und lästig beschrieben. Nicht nur zerstört der Kopfschutz die Frisur und sieht dabei auch nicht gut aus, das Herumtragen eines Helmes empfinden die meisten zusätzlich als äußerst störend. Hochwertige Helme sind zudem äußerst kostspielig, was auch die Option, den Helm am Fahrrad hängen zu lassen, nicht zu einer vernünftigen Lösung macht. 

Viele befürchten außerdem, dass die gesetzliche Helmpflicht das Fahrradfahren unattraktiv macht. „Experten schätzen, dass bei einer Helmpflicht weniger Menschen aufs Rad steigen würden. Vielleicht auch nur aus Sorge um die eigene Frisur“, bestätigte auch Arne Schäffler, Vorstandsmitglied im Kreisverband Augsburg des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC).

Oft passieren Unfälle, weil andere Verkehrsteilnehmer die Fahrradfahrer zu spät oder gar nicht wahrnehmen. Viele Radfahrer argumentieren deshalb damit, dass bei vernünftiger, langsamer und vorausschauender Fahrweise die meisten Unfälle vermieden werden können. Zusätzlich fordern viele Radler, mehr und vor allem sicherere Fahrradwege. Im ADFC Fahrradklima-Test 2020 wurden insgesamt knapp 230.000 aus knapp 1.000 Städten bundesweit befragt, wie zufrieden sie mit den Radfahrbedingungen in ihrer Stadt sind. Das Ergebnis viel ernüchternd aus. Viele fordern deshalb zuerst den Ausbau der Infrastruktur für Fahrradfahrer, damit diese auf gesonderten und gesicherten Wegen sicher an ihr Ziel kommen können. Dies würde die Fahrradfahrer grundsätzlich besser vor gefährlichen Unfällen schützen als eine allgemeine Helmpflicht. 

Contra-Meinungen aus unseren Socialmedia-Kanälen: "Ich trage keinen Fahrradhelm, weil....

...ich zu geizig bin“

...ich immer vorsichtig und langsam fahre“

...er meine Frisur kaputt macht“