Der Social-Media-Check zur Landtagswahl in Bayern 2018

Sind die Parteien im Web 2.0 überfordert?

Ob Facebook, Instagram, Twitter oder YouTube: Im Jahr 2018 führt für die Parteien kein Weg mehr an einen professionell gepflegten Social-Media-Auftritt vorbei – sollte man zumindest meinen. TRENDYone hat die bei uns meist genutzten Portale und die Profile der Landesparteien in einem bayernweiten Vergleich genauer unter die Lupe genommen und dabei Interessantes festgestellt.

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Die US Wahlen haben gezeigt, dass der Einfluss einer Internet- und Social Media-Präsenz auf höchstem Niveau nicht zu unterschätzen ist. So halfen diese beispielsweise Barack Obama bei seiner Wiederwahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten. Der ehemalige US-Präsident forderte am Wahltag 32 Millionen User auf, zur Urne zu gehen – und das mit herausragendem Erfolg. Auch Donald Trump profitierte vom Web 2.0. Was dem aktuellen US-Präsidenten und seinem Team aus Psychologen, Marketing- und Webexperten gelang, zeigt die Wichtigkeit des digitalen Wahlkampfes in der heutigen Zeit.
Unsere Beispiele zeigen also, dass die Welt der sozialen Plattformen inzwischen einen großen Einfluss auf uns hat. Genau deshalb sollten doch Parteien hierzulande daraus gelernt und inzwischen eine professionelle Online- und Social-Media-Präsenz haben, oder?

Facebook: Der Liebling der Parteien

Alle in unserer Tabelle aufgeführten Parteien haben eine Faceboook-Seite und konnten, bis auf die Piratenpartei Bayern, im Jahr 2018 weitere User für sich gewinnen. Das größte Wachstum mit über 24.600 Usern dieses Jahr, hatte dabei laut www.fanpagekarma.com die AfD Bayern, gefolgt von der CSU mit 10.126 Fans. Die weiteren Parteien sind bzgl. Userwachstum und Userinteraktion jedoch weit abgeschlagen. Beim Thema Reaktionszeit auf eine direkt versendete Nachricht konnte DIE LINKE Bayern mit einer Reaktionszeit von einer Minute niemand toppen. Auch die Mut-Bayern, die ÖDP Bayern sowie die Piratenpartei Bayern lagen mit ihren Reaktionszeiten innerhalb von wenigen Minuten bzw. Stunden. Besonders negativ: Die Parteien CSU, Bayernpartei, Bayern SPD, FDP Bayern und Bündnis 90/Die Grüne Bayern boten den Nutzern keine Möglichkeit, direkten Nachrichten zu senden und Fragen zu stellen.

Instagram: Meist nur 2. Wahl der Parteien

Bis auf die Freien Wähler Bayern sind alle wichtigen Parteien auf dem weiteren Social Media-Kanal aus Mark Zuckerbergs’ Imperium vertreten. Hier ragt die CSU besonders heraus. Mit 13.600 Followern und einer durchschnittlichen Userreaktion von durchschnittlich 858 Likes, Kommentare, Shares und Videoaufrufe pro Beitrag, lässt die Partei die Konkurrenz hinter sich. Die AfD Bayern, Bayernpartei, Bayern SPD, FDP Bayern und Bündnis 90/Die Grüne Bayern liegen in dem Vergleich relativ auf Augenhöhe, wobei die zwei Erstgenannten mit einer besonders hohen Userinteraktion hervorstechen.

Twitter: Potential wird nicht erkannt

Auf dem Netzwerk mit dem blauen Vogel liegt, bzgl. der Gesamtuserzahl, wieder die CSU weit vorne. Was jedoch auffällt: Die Interaktionsrate der AfD Bayern liegt mit durchschnittlich 690 Userreaktionen pro Beitrag, bei weitem höher als die der anderen Parteien. Das spricht für besonders gute Tweets, die die Anhängerschaft zu interessieren scheinen. Vernachlässigt wird die Plattform von DIE LINKE Bayern und der ÖDP Bayern, deren letzte Beiträge schon etwas zurückliegen oder deren Plattform einfach zu selten genutzt wird. So gut wie gar nicht genutzt wird Twitter von Die PARTEI Bayern und Freie Wähler Bayern, deren letzte Tweets schon mehrere Jahre zurückliegen.

YouTube: Die sträflich vernachlässigte Plattform

Was den Videobereich betrifft, sticht keine Partei positiv hervor. Mit nur knapp 2.000 Abonnenten liegt hier die CSU vorne, eine Zahl die im Vergleich zu vielen anderen Kanälen im Allgemeinen, verschwindend gering ist. Knapp dahinter zählt die AfD Bayern über 1.800 User, wobei deren Videoaufrufe schon deutlich hinter der CSU liegen. Besonders überrascht waren wir Bündnis 90/Die Grüne Bayern sowie der Bayern SPD. Diese haben trotz ihrer geringen Abonnentenzahl recht hohe Aufrufe bei ihren zehn aktuellsten Videos im Jahr 2018, was für einen besonders interessanten Content spricht, auch wenn im Fall der Grünen, die Zahl der aktuellen Videos überschaubar ist. Schlicht zu selten wird die Plattform von der FDP Bayern und den Freien Wähler Bayern genutzt. Die PARTEI Bayern hat keine aktuellen Inhalte für ihre User bereitgestellt. Ein besonderes Beispiel für uninteressanten Content: Obwohl DIE LINKE Bayern viele aktuelle Videos hochlädt, scheint es kaum jemand zu interessieren. Nur 3,6 Views im Durchschnitt pro Kurzfilm sprechen eine deutliche Sprache.

Fazit: Auch wenn die Parteien der Landtagswahlen meist auf den wichtigsten Social Media-Kanälen vertreten sind, besteht doch noch einiges an Verbesserungsbedarf. Das wirkliche Potential des Web 2.0, hat bisher aber anscheinend noch keine Partei wirklich erkannt. Anderst sind sträfliche Vernachlässigungen nicht zu erklären. Besonders der Videokanal YouTube würde noch großes Potenzial bieten. Auch wenn zumindest Facebook mittlerweile relativ gut genutzt wird, werden auf den anderen Social-Media-Portalen Möglichkeiten zur Usergenerierung – und somit mögliche Stimmen der Wähler – verschenkt.
Übrigens: Am 6. August hatten CSU, Die PARTEI Bayern sowie die ÖDP Bayern nicht einmal auf ihrer Webpräsenz die Kandidaten vorgestellt. Da ist es nicht verwunderlich, dass der Anteil der jungen Wähler immer weiter abnimmt.

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