Fashion-Trend Capsule Wardrobe

Weniger ist mehr!

Ein neuer Trend erobert die Kleiderschränke – Doch was hat es mit dem Prinzip des Capsule Wardrobe auf sich und wie kann dadurch ein altbekanntes (Frauen-) Problem gelöst werden?

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Bild: stock.adobe.com
Fast jede(r) kennt es: Man steht vor dem oftmals sogar überfüllten Kleiderschrank und hat doch nichts zum Anziehen. Es folgen Frust und häufig eine übermotivierte Shopping-Tour – darunter leidet nicht nur das eigene Konto.

Schont Geldbeutel UND Umwelt

Auch die Umwelt wird durch den Fast-Fashion-Wahnsinn immer stärker belastet: Die Textilindustrie setzt jährlich mehr CO2 frei als Schifffahrt und internationaler Flugverkehr zusammen! Daher kommt Minimalismus in jeglicher Form immer mehr in Mode. An dieser Stelle setzt nun auch der Trend Capsule Wardrobe an. Das Motto hierbei: Weniger ist mehr! Dementsprechend wird also der Kleiderschrank radikal ausgemistet – so lange, bis nur noch wenige, ausgewählte Teile übrig bleiben. 

Als Erfinderin der Capsule Wardrobe gilt übrigens Susie Faux, Inhaberin eines Londoner Modegeschäfts namens „Wardrobe“ in den 70er-Jahren. Ihre Idee war ein Kleiderschrank voll zeitloser Basic-Teile, die über mehrere Saisons hinweg getragen werden. Wirklich populär wurde die Idee dann schließlich durch die amerikanische Designerin Donna Karan, die 1985 eine Kollektion von sieben miteinander kombinierbaren Kleidungsstücken („Seven Easy Peaces“) herausgab.

Ganz so drastisch müssen Sie Ihren Kleiderschrank aber nicht reduzieren – auch wenn manche Verfechter der Capsule Wardrobe ihre Garderobe gar auf zehn Kleidungsstücke beschränken. In der Regel spricht man aber von insgesamt 37 Teilen, wobei die Angaben immer etwas variieren. Inklusive der Schuhe sollten es zusammengefasst höchstens 30 bis 40 Kleidungsstücke sein, Unterwäsche und Socken werden aber nicht mitgerechnet. 

Das Vorgehen

Und wie geht man nun genau vor? Sogenannte Schrankleichen, die ohnehin seit Jahren in der hintersten Ecke verstauben, können direkt weg. Auch Kleidungsstücke, in denen Sie sich nicht wohlfühlen, dürfen getrost aussortiert werden. Diese können sie wahlweise verkaufen (etwa online auf Kleiderkreisel oder Momox), spenden oder verschenken.

Stattdessen bleiben alle Klamotten, die perfekt passen, die Sie gerne anziehen und die sich vielseitig kombinieren lassen. Dazu zählen vor allem Teile mit neutralen Farben und zeitlosen Schnitten. Natürlich können auch einige extravagante Stücke sowie stylische Accessoires – etwa Taschen oder Schmuck – im Capsule Wardrobe bleiben, sie sollten jedoch eher die Ausnahme sein. Das Ziel bei diesem Trend ist es nämlich, dass Sie am Ende einige wenige Kleidungsstücke im Schrank haben, aus denen Sie sich ganz unterschiedliche Outfits für jeden Anlass (Job, Freizeit, Abendevent) zusammenstellen können.

Style-Vorschläge

Es gibt bestimmte Kleidungsstücke, die sich sehr einfach kombinieren lassen und die damit die perfekten Kandidaten für den Capsule Wardrobe sind! Wer sich als Frau eher casual kleidet, kann mit einer hellen und einer dunklen Jeans nichts falsch machen. Als Ergänzung taugt eine Stoffhose, Röcke bringen ebenfalls Abwechslung. Gleiches gilt für ein schlichtes Kleid. Das kann man ebenso wie Tops und Shirts unterschiedlich kombiniert sogar zu jeder Jahreszeit tragen. Lässige Blusen,  Pullover oder Cardigans in schlichten Farben runden die Capsule Wardrobe ab. Und zum Schuhwerk: Bei einer minimalistischen Garderobe reichen fünf Paar für alle Jahreszeiten vollkommen aus: Sneaker, Boots, warme Winterschuhe, Sandalen und schicke Schuhe (etwa Pumps oder Ballerinas).

Nachdem Sie ausgemistet und Ihre Outfits zusammengestellt haben, sollten Sie Ihren Schrank ordentlich (!) einräumen. Am besten sortieren Sie die Klamotten nach Art (Hose, Oberteil, Jacken etc.), nach Anlass (etwa Job, Freizeit etc.) und im nächsten Schritt noch nach Farben.

Was dafür spricht

Die Vorteile von Capsule Wardrobe dürften eigentlich schon klar geworden sein: Sie stehen nicht mehr ewig lange vor dem Schrank, der nebenbei ordentlich bleibt. Außerdem sparen Sie Geld, leisten sich keine Fehlkäufe mehr und tragen stattdessen nur noch Looks, in denen Sie toll aussehen und sich dementsprechend wohlfühlen. Zuletzt kommt das Prinzip der Umwelt zuliebe – wenn Sie es auch konsequent anwenden. Denn Capsule Wardrobe heißt auch, das eigene Shopping-Verhalten zu ändern: In Zukunft kaufen Sie also nur noch Teile, die Ihnen gut stehen und die Sie mit den bereits vorhandenen Sachen gut kombinieren können.

Unser Fazit

Klar, die Capsule Wadrobe-Methode klingt erst einmal gut. Allerdings müssen Sie auch bedenken, dass die eigene Garderobe durch dieses Prinzip zumindest ein Stück weit ihre Individualität verliert. Warum den Trend deshalb nicht einfach in Maßen umsetzen? Das Konsumverhalten zu überdenken und nachhaltiger mit Mode umzugehen, macht auf jeden Fall Sinn – trotzdem können Sie sich Ihren individuellen Stil ja bewahren. Beim nächsten Ausmisten einfach mal sehr gründlich vorgehen und zukünftig wirklich nur das kaufen, was Sie auch wirklich anziehen. |Text: Vera Mergle