Cosplay – der japanische Verkleidungstrend

Andere Rollen mit Leidenschaft

Mit dem 11. November hat die Vorfreude auf Fasching wieder Einzug in Deutschland gehalten. Vor allem in Nordrhein-Westfalen fiebern die Narren bereits jetzt auf Rosenmontag, Faschingsdienstag und Co. hin und feilen an ihrem perfekten Kostüm.

cropped-1544025673-bildschirmfoto-2018-12-05-um-17.00.45
Auf speziellen Conventions und Messen können die Cosplayer ihre Leidenschaft ungestört ausleben.Bild: stock.adobe.com
Was diese Menschen meist aus Jux und Tollerei für wenige Tage betreiben, ist für andere eine ganzjährige Leidenschaft. In diesem Zusammenhang fällt oftmals der Begriff des Cosplay, den viele mit japanischen Mangas und extrem aufwendigen Verkleidungen assoziieren. Was es sonst zu dem speziellen Trend aus dem Osten zu wissen gibt, lesen Sie im Anschluss.

Was ist Cosplay?

Der Begriff Cosplay ist eine Kurzform von Costume Play, was so viel wie Kostümspiel bedeutet. In diesem Fall ist das sogar wörtlich gemeint: Beim Cosplay verkleidet man sich als ein bestimmter Charakter und schlüpft dabei meist sogar in dessen Rolle. Dies findet oftmals anhand einer genauen Vorlage statt, die sich verkleidenden Personen werden dann übrigens als Cosplayer bezeichnet.

Fiktive oder reale Charaktere möglich

Und wen stellen die Cosplayer dann mit ihren Verkleidungen dar? Die Charaktere können fiktiv oder real sein, wobei die erste Variante überwiegt. So werden häufig Figuren aus japanischen Mangas, Comics, Zeichentrickfilmen oder Anime sowie Charaktere aus Computerspielen, Filmen oder westlichen Comics verkörpert. Bei realen Personen findet man beispielsweise Musiker oder Künstler, wobei in manchen Fällen auch Tiere oder Gegenstände verkörpert werden.

Kein Vergleich zu Fasching

Ein mancher könnte sich nun fragen, worin dann eigentlich der Unterschied zu Fasching besteht. Beim Cosplay findet eine Verkleidung als spezieller Charakter statt, während die Kostüme der Narren hierzulande eher allgemein gehalten sind – beispielsweise schlüpft man in die Rolle eines Clowns, einer Hexe oder eines Cowboys anhand typischer Vorstellungen. Fasching ist außerdem zeitlich beschränkt und auf die breite Masse ausgelegt.

Globales Phänomen

Vor allem Italien, Frankreich und Großbritannien haben im europaweiten Vergleich eine stärker ausgeprägte Cos-
play-Szene, weitere Hochburgen sind die USA und Ostasien. In Deutschland spricht man von mehreren tausend Cosplayern, die das ungewöhnliche Hobby derzeit aktiv betreiben – die Zahlen orientieren sich hierbei an den Besucherdaten der Conventions sowie an der Nutzung entsprechender Internetseiten. 

Woher kommt der Trend?

Erfunden wurde Cosplay in den USA bereits in den 1980er Jahren – damals waren Besucher dortiger Science-Fiction-Conventions in den Kostümen ihrer favorisierten Charaktere erschienen. Geprägt wurde der Begriff allerdings dann in Japan, wo über dieses Phänomen schließlich ausgiebig berichtet wurde. Seit dem Ende der 90er Jahre taucht Cosplay in nennenswerter Weise auch in Deutschland auf. Zu einem richtigen Massenphänomen wurde es erst nach der Jahrtausendwende, als Anime- und Manga-Conventions in Mode kamen. Mit der Einführung der Deutschen Cosplay Meisterschaft 2007 ging dann auch ein gesteigertes mediales Interesse einher.

Kostüme – selber nähen oder kaufen?

Im Idealfall nähen sich Cosplayer ihr Kostüm natürlich selbst. Klar, so kann eine genaue Anpassung auf die eigene Figur erfolgen, zudem sind detaillierte und individuelle Designs möglich. Allerdings werden neben der entsprechenden Zeit auch handwerkliches Geschick sowie Geld und die richtigen Stoffe benötigt. Da der Markt inzwischen gewachsen ist, kaufen Cosplayer die Verkleidungen aber auch immer öfter über das Internet. Trotz der steigenden Beliebtheit gibt es jedoch für Cosplayer in der Öffentlichkeit oftmals abschätzige Blicke oder abwertende Kommentare, weshalb die Verkleidungen im Alltag nur sehr selten zu sehen sind.

Unter Gleichgesinnten: Conventions und Messen

Voll und ganz ausleben können die Cosplayer ihre Leidenschaft dann allerdings auf den vielen Conventions und ähnlichen Veranstaltungen. Auf den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt, der Kölner gamescom, der AnimagiC in Bonn oder der Connichi in Kassel trifft man mittlerweile sehr häufig auf derartige Verkleidungen, auf der Frankfurter Buchmesse findet zudem seit 2007 auch das Finale der Deutschen Cosplay Meisterschaft statt. Auf der Connichi qualifiziert sich jährlich außerdem ein Cosplay-Paar aus Deutschland zur Teilnahme am World Cosplay Summit in Japan, der inoffiziellen Cosplay-Weltmeisterschaft. Bei dem Finale präsentieren Teilnehmer aus 22 Ländern dann ihre selbstgeschneiderten Verkleidungen. Die Veranstaltung wird sogar im Fernsehen übertragen, jedoch bisher nur in Japan – doch sollte der Trend weiter anhalten, werden Sie möglicherweise auch hier bald mehr davon sehen. | Text: Vera Mergle