Kolumne „See Mannsgarn“: Hinter der goldenen Maske
Schönwörterey
Moin Du Rabauke, Leinen los zu „Seemannsgarn“ – Vol. 41!
So oft habe ich mir schon vorgenommen eher anzufangen.
Und dann mich doch wieder hinreißen lassen von allen möglichen Dingen:
Einem Vogel am Fenster…dem Hund des Bauernhauses, dem ich quasi zum Kraulen verpflichtet bin….einem Buch..
Mein Bauch grummelt und meint Blick fällt auf die leere Kaffeetasse neben meinem Bett. Clever war es nicht von mir. Vermutlich bleibe ich jetzt bis 2 Uhr nachts wach.
Ich lausche in die Nacht hinaus.
In diesem alten Haus ist alles anders, als ich es bisher kannte. Meine Tochter liegt neben mir und schläft.
Heute habe ich sie genervt ins Bett gebracht. Weil ich noch so viel zu tun hatte. Doch das ist nicht ihr Problem. Sondern meins, wenn ich nicht mit meiner Zeit haushalten kann.
Mir das einzugestehen schmerzt. Weil ich meiner Tochter gern mit der liebevollen Version von mir begegnen möchte.
Das klappt nicht immer. Und ich übe mich gerade darin mich auch in diesen Momenten anzunehmen. Und mich zu fragen, was ich selbst gebraucht hätte, damit ich entspannter sein kann. In diesem Fall eine smartere Zeit-Struktur.
Weißt Du, ich wollte für viele Menschen gern wie eine Heldin rüberkommen. Eine, die alles im Griff hat. Ich wollte meine Trennung bemerkenswert meistern. Meine Kinder bemerkenswert begleiten. Und alles richtig machen. Ich wollte aus dieser Lebensphase wie ein Phönix emporsteigen. So nach dem Motto „Die Trennung hat mich zu mir zurückgeführt!“ oder „Die Krise als größtes Geschenk!“
Ich habe probiert etwas „herauszuholen“ aus dem, was gerade in meinem Leben passiert – jedoch ohne da richtig reinzugehen. Ohne wahrhaftig dran beteiligt zu sein.
So als wäre ich nur eine Reporterin in diesem Szenario, die berichtet. Denn dann tut es nicht so weh. Und dann kann ich meinen Goldstaub an mir behalten – ohne gucken zu müssen, was da drunter ist.
Doch genau dort – unter der Fassade, unter der Maske befindet sich das Schönste von uns. Das ist nicht immer das, was wir sehen wollen. Doch ohne diese Schattenseiten würden wir unsere lichtvollen Seiten nicht erkennen. Wir wüssten nicht, wie wir sein wollen, wenn wir nicht erfahren würden, wie wir nicht sein wollen.
Wir können nicht wissen, was kalt ist, wenn wir das Heiße nicht gespürt haben.
Ich mag meinen Goldstaub gern – und ermutige mich selbst dazu, dass ich ihn nicht brauche um wertvoll zu sein. Das geht auch ohne. So die Theorie.
Und die Praxis übe ich jetzt – begleite mich so gern dabei, Du wundervolles Herz.
In unbändiger Zuversicht,
Deine Stefanie
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