Love the same way

Daten wir immer wieder ähnliche Menschen?

Sie sind aufgeregt. Denn gleich stellen Sie Ihren Freundinnen den neuen Freund vor. Sitz alles? Okay. Der große Moment ist da. Ihre Freundinnen umarmen Ihren neunen Partner Udo herzlich. Als würden sie sich schon kennen. Udo guckt leicht verwirrt. Auch Sie bemerken, dass gerade etwas schiefläuft. Als eine Ihrer Freundinnen fragt, ob Peter wie immer ein Weizen trinkt, blinzeln Sie leicht irritiert. Das sei Udo. Mit Peter hätten Sie Schluss gemacht, sagen Sie gepresst. Bewundernd begutachten Ihre Freundinnen die Ähnlichkeit. Udo sähe aus wie Peter. Nur etwas kleiner. Udo schaut beleidigt aus. Und Sie fragen sich, warum dieser Abend immer wieder gleich abläuft. Wir können Udo zwar nicht trösten, aber es gibt eine Studie, die eine Erklärung auf dieses Phänomen bereithält. Kopf hoch, Udo.

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Bild: stock.adobe.com

Die Studie

Eine aktuelle Studie der University of Torontobelegt: Die meisten von uns daten immer wieder denselben Typ Mensch – egal, ob uns das in der Vergangenheit ins Verderben geschickt oder Glück gebracht hat.
Laut Studienautor Robin Park bringen wir das Liebes-Aus mit der Persönlichkeit des Ex-Partners in Verbindung. Dies sei ausschlaggebend für den Gedanken, sich doch lieber nach einem anderen Typ Mensch umzuschauen. Die Ergebnisse der Studie deuten jedoch darauf hin, dass wir meist einen starken Drang haben, uns trotzdem mit ähnlichen Persönlichkeiten zu verabreden. Wir können aus unseren Mustern folglich nicht so leicht ausbrechen, so die mehrjährige Studie mit über 300 Teilnehmern. Es wurde sich dabei nicht nur auf die Menschen und deren Dating-Verhalten verlassen. Auch die Partner und Ex-Partner der Teilnehmer*innen sollten sich selbst beschreiben und siehe da: Es fiel auf, dass die Eigenschaften sich stark ähnelten.

Warum wir immer wieder ähnliche Menschen daten

Was auf den ersten Blick recht dämlich klingen mag - nämlich wie der direkte Weg ins erneute Desaster - hat aus psychologischer Sicht aber durchaus einen tieferen Sinn.

Laut dem Studienautor erarbeiten wir uns in jeder Beziehung Strategien, um mit der Persönlichkeit des Partners umzugehen. Ähnelt der Charakter des neuen Partners der Persönlichkeit des Verflossenen, kann so das erlangte Wissen eingesetzt werden, damit die Beziehung besser gelingt. Klartext: Das ganze Brimborium aus vorherigen Beziehungen könnte sich gelohnt haben, da wir praktische Tricks gelernt und um wichtige Erkenntnisse reicher geworden sind, die das Zusammenleben verbessern.

Anmerkung: Wer immer wieder denselben Typ bevorzugt und am Ende jedes Mal mit wehenden Fahnen untergeht, sollte sich fragen, ob er tatsächlich Fehler in seinem Beuteschema macht oder aber vielleicht tieferliegende Probleme bei sich selbst auskundschaften könnte. Robin Park hat dazu eine These. Wir sollten darüber nachdenken, ob wir uns von einem bestimmten Menschentyp angezogen fühlen, weil dieser eben genau da pulsiert, wo es bei uns selbst nicht im Reinen ist.

Wir betrachten die Frage noch einmal von einer anderen Seite:
Haarfarbe, Statur und Körpergröße werden häufig dem gegengeschlechtlichen Elternteil entsprechend ausgewählt. Während Männer Ausschau nach einer Partnerin halten, die außerdem einen ähnlichen Bildungsstand hat wie die eigene Mutter, orientieren Frauen sich hauptsächlich an der Optik. Eine Studie ungarischer Forscher untersuchte die Proportionen von 300 Gesichtern und fand Zusammenhänge zwischen den Gesichtszügen des Elternteils und des Partners.

Nice to know: Etwa 20 Prozent der Menschen wählen einen Partner aus, der sie selbst kein bisschen an den gegengeschlechtlichen Elternteil erinnert. Dies ist oft dann der Fall, wenn in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen in der Familie gemacht wurden.

Positiv/negativ

Wir fangen mit der Schattenseite an. Ein festes Schema bei unserer Partnerwahl kann die Auswahl potenzieller Kandidaten stark einschränken. Schon ein flüchtiger Blick reicht aus, um das weitere Schicksal einer Bekanntschaft zu besiegeln. Wie Forscher herausfanden, brauchen wir nur Bruchteile von Sekunden, um jemanden auszusortieren.

Ebenso kann dieser kurze Blick ausreichen, um sich zu seinem Gegenüber hingezogen zu fühlen. Das Phänomen, welches viele Menschen als "Liebe auf den ersten Blick" bezeichnen, ist hier eher die erotische Anziehungskraft, die jemand schlagartig verspürt. Aha-Aspekt: Dabei spielt auch der Körpergeruch eine Rolle: Menschen erkennen daran unbewusst, ob das Erbgut des möglichen Partners zum eigenen passt. Wirkliche Liebe benötigt mehr Zeit.

Und falls es Ihnen wie Udo geht: Wir sind doch alles Einzelstücke. Auch wenn wir uns manchmal ein bisschen ähnlich sind. |Text: Stefanie Steinbach