Ortungs-Apps in Beziehungen: Nutzvoll oder No-go?

I’m watching you

Ich bin auf dem Heimweg! – so lautet vermutlich eine typische WhatsApp-Nachricht zwischen Pärchen. Was aber, wenn diese Nachricht überflüssig ist? Nämlich, weil der Partner immer ganz genau weiß, wo sich seine bessere Hälfte gerade aufhält. Genau das ist mit Ortungs-Apps möglich. Doch warum sollte man jeden Schritt freiwillig tracken lassen?

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Bild: Adobe Stock / Damir Khabirov
„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ – dieses Credo wird oftmals im Büro von Führungskräften gelebt, um perfekte Arbeitsergebnisse zu erzielen. Doch was richtet dieser Leitspruch beim Gegenüber an? Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit stellen sich die meisten wohl anders vor. Freiheiten, Flexibilität, blindes Vertrauen. Das motiviert und schafft den richtigen Nährboden für gemeinsame berufliche Erfolge. Doch sollte sich der oder die Vorgesetzte mit Vertrauen schwer tun, hilft nur eines: Augen zu und durch. Diese Macke akzeptieren und durch gute Leistung glänzen. 

Und jetzt der Switch: weg aus dem Job, rein in die Beziehung. Hören wir uns diesen Satz also im neuen Kontext nochmal an. „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“, sagt Ehemann zu Ehefrau oder umgekehrt. Wie fühlt sich das für Sie an? Wir finden: gruselig. Denn was im Job gilt, hat in einer Liebesbeziehung, zumindest in dieser Hinsicht, nicht viel verloren. Doch ist Kontrolle nicht die perfekte Möglichkeit, eine vertrauensvolle Basis aufzubauen? Woher soll man am Anfang einer Beziehung wissen, auf wen man sich da einlässt? Ist es also nicht okay, sich durch ein wenig digitale Unterstützung mehr Sicherheit zu schaffen? 

Genau mit diesen Gedanken spielen die Anbieter von Ortungs-Apps. Denn was einst mit der Ortung verloren gegangener Smartphones begann, hat längst ein ganz neues Level erreicht. Denn mit der Installation einer entsprechenden Anwendung lässt sich zu jeder Zeit nachvollziehen, wo sich der Partner gerade befindet. Doch warum tut man so etwas?

Natürlich können sicherheitsrechtliche Aspekte ein Grund sein. Wenn die Partnerin z.B. als Krankenschwester im Schichtdienst tätig ist und ihr Nachhauseweg durch einen dunklen Park führt, kann sich der Partner da – vor allem in den Abend- und Nachtstunden – schon mal Sorgen machen. Oder in der Heimatstadt oder sogar Nachbarschaft kam es in letzter Zeit häufiger zu Überfällen, auch hier kann durch Ortung des Handys für beide Seiten mehr Sicherheit geschaffen werden. Zumindest gefühlt, denn ein Überfall lässt sich durch Apps natürlich nicht vermeiden, doch sollte man nach einem solchen verletzt und/oder hilflos sein, kann die Ortung helfen. 

Doch jetzt mal Butter bei die Fische: sind das wirklich die Hauptargumente, für die Installation einer Ortungs-App auf dem Handy des Partners? Wohl kaum, denn insgeheim sind die meisten User wohl eher getrieben von Kontrollzwang, fehlendem Vertrauen und sogar einer Portion Misstrauen. Und trotzdem erfreuen sich die Anwendungen immer größerer Beliebtheit. Doch aus welcher Intension auch immer diese genutzt werden, haben die Partner untereinander zu entscheiden und sich auf ein gemeinsames Vorgehen zu einigen. 

Wer sich nach einem gemeinsamen Gespräch sicher ist, dass eine Ortungs-App der Beziehung hilft, findet hier zwei Tipps: 

Familonet
Hierzulande programmiert, hat sich die Anwendung auf Familien und Freude spezialisiert und bietet einen ganz entscheidenden Vorteil gegenüber der Konkurrenz: es ist keine Registrierung über Mail, Facebook oder Telefonnummer notwendig. Das Anlegen eines Profils funktioniert auch „anonym“. In der App selbst lassen sich Gruppen erstellen, über einen Code können Mitglieder hinzugeladen werden. Über fest definierte Standorte kann eine Art Bewegungsprofil nachvollzogen werden, auch Live-Tracking ist möglich. Ein zusätzlicher Chat ermöglicht die Kommunikation untereinander direkt in der Anwendung. Die App gibt’s für iOS und Android, entweder als kostenlose Testversion mit eingeschränktem Service oder als bezahlte Vollversion.

iSharing
Mit iSharing lassen sich Freunde und Familie in Echtzeit verfolgen, es können Standortinformationen ausgetauscht werden und die Kommunikation untereinander ist ebenfalls möglich. Für die Nutzung, welche kostenlos ist, ist die Verknüpfung mit einem Facebook- oder Google-Konto notwendig. Nach der zusätzlichen Registrierung der Telefonnummer kann es losgehen, auf einer einfach dargestellten Karte sieht man den eigenen Standort sowie den der eingeladenen Freunde. 

Fazit

Ortungs-Apps in Beziehungen können gefährlich sein. Nämlich immer dann, wenn sich die Partner nicht gänzlich einig sind über den Zweck der Nutzung. Es gilt dringend zu beachten, dass das jeweilige Einverständnis des anderen notwendig ist, um eine App zur „Überwachung“ zu nutzen. Sollte dies nicht der Fall sein, macht sich der Überwacher strafbar. Das Opfer kann Strafanzeige wegen des Straftatbestands des Nachstellens nach § 238 StGB (Stalking) und / oder der Nötigung nach § 240 StGB, erstatten. Schadensersatz, Schmerzensgeld und selbstverständlich die Unterlassung kann die Folge sein. Betroffene können sich bei der Polizei oder dem Rechtsanwalt entsprechend beraten lassen.

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