Ratiopharm Ulm verliert gegen Alba Berlin

Herzen gewonnen, Spiel verloren

Herzen gewonnen, Spiel verloren. So lässt sich der erste Auftritt von ratiopharm ulm nach einer 17-tägigen Spielpause zusammenfassen. Nach den erwarteten Startschwierigkeiten und einem 12-Punkte-Rückstand (18:30), kämpften sich die Ulmer zurück in die Partie und übernahmen kurz vor der Halbzeit erstmals die Führung (54:53). Und auch im zweiten Durchgang bot ratiopharm ulm dem Berliner EuroLeague-Ensemble, das auf vier deutsche Rotationsspieler verzichten musste, lange die Stirn.

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Bild: Stock Adobe, Melinda Nagy
Nach 17 spielfreien Tagen eröffnete ratiopharm ulm die Partie mit viel Spielfreude und starken Trefferquoten – zumindest in den ersten drei Minuten, als beide Teams ohne Fehlwurf blieben (10:13). Doch so gut es offensiv zu Beginn lief, so wenig Zugriff bekamen die Ulmer defensiv auf die Gäste, die bis zur sechsten Minute jeden Angriff mit einem Korberfolg abschließen konnten. Bedingt durch eine Serie Ulmer Ballverluste (6 im ersten Viertel) setzte sich Alba bis zur sechsten Minute auf 17:26 ab und war den Gastgebern auch im weiteren Verlauf des ersten Viertels immer einen Schritt voraus (25:34).

Dann war es Gavin Schilling, der das Kräfteverhältnis mit seinem massigen Körper etwas durcheinander brachte. Nach vier Punkten im ersten Durchgang in Folge war es erneut Schilling, der mit einem Layup das zweite Viertel eröffnete (27:34). Doch es blieben die Ballverluste, die ratiopharm ulm schmerzten. Hierbei merkte man den Ulmern die fehlende Spielpraxis der letzten Wochen am deutlichsten an. Es waren Kleinigkeiten in der Feinabstimmung, die Berlin immer wieder nutzte und so seinen Vorsprung verteidigte (36:47, 15.). ratiopharm ulm spielte offensiv gut – 40 erzielte Punkte nach 17 Minuten sind ein Beleg dafür – nur defensiv fanden die Gastgeber bis eben zu dieser 18. Spielminute keine Mittel gegen Alba. Doch das sollte sich ändern. In den verbleibenden gut drei Minuten bis zur Halbzeit (54:53) brannte ratiopharm ulm nicht nur offensiv ein Feuerwerk ab – wofür der 14:4-Run spricht – die Gastgeber waren nun auch defensiv im Spiel. Sinnbildlich dafür: Der Steal mit anschließendem Dunking von Christoph Philipps zum 46:49. Angepeitscht von drei atemberaubenden Ulmer Minuten und einigen nicht nachvollziehbaren Entscheidungen der Schiedsrichter, hielt es nach Tyler Harveys drittem Dreier zum 54:51 kaum mehr einen der 5.815 Besucher auf seinem Platz.

Und so hart die EuroLeague-gestählten Berliner die ersten 20 Minuten beendet hatten, so bedingungslos eröffneten sie den zweiten Durchgang: Der mit Highspeed zum Korb ziehende Archie Goodwin wurde von Tyler Cavanaugh humorlos auf die Bretter geschickt. Wenngleich Goodwin die beiden Freiwürfe versenkte und auch im Folgeangriff erneut an der Linie stand, hatte Alba sich von seinem Schock erholt. Zwar fiel der Berliner Dreier nun nicht mehr so sicher wie in der ersten Halbzeit (42 %), die Hauptstädter sicherten sich nun durch Offensivrebounds (5 in Viertel drei) zweite Chancen, die Landry Nnoko zum 64:65 verwandelte. Tyler Harvey war das indes alles egal: Der Shooting Guard netzte einen Dreier nach dem anderen ein – seinen fünften aus gut acht Metern zum 70:67. Unter den Augen von Zehnkampf Europameister Arthur Abele ging die Partie beim Stand von 74:75 in ihr entscheidendes Viertel.

Waren die ersten Viertel schon im Stile von Orkan „Sabine“ über die ratiopharm arena hereingebrochen, entwickelte das Schlussviertel die Wucht eines Tornados. Nach insgesamt 59 Punkten in Viertel eins, wurde nun erbittert um jeden Ballbesitz gekämpft. Der erste Punch gelang dabei den Ulmern, die sich mit einem 7:0-Lauf auf 81:75 absetzen konnten. Nachdem Alba auf 86:82 aufgeschlossen hatte, zeigte Derek Willis die ganze Faszination des Spiels in zwei Angriffssequenzen: Erst wurde der Ulmer Power Forward bei einem spektakulären Dunk-Versuch geblockt, dann raste er zurück in die Verteidigung, um den verlorengegangenen Ball zurückzuerobern. Doch Alba Berlin zeigte sich unbeeindruckt – auch von dem Hayes-Dreier, den der 18-Jährige mit Ablauf der Wurfuhr zum 91:85 (38.) versenkte. Nach einer Serie von Fehlwürfen netzten Sikma und Siva zwei Dreier zum 91:91 ein. Auch der sechste Dreier von Harvey zum 94:91 bei noch 15 Sekunden auf der Uhr brachte noch nicht die Entscheidung. Mit eben diesen drei Punkten Vorsprung und noch 9,5 Sekunden zu verteidigen, foulten die Ulmer nicht und ermöglichten Siva den Dreier zur Verlängerung (96:96).

Hatte ratiopharm ulm seine Ballverluste nach der hektischen Anfangsphase unter Kontrolle gebracht, waren es in der Nachspielzeit zwei bittere Turnover, die Berlin zur 99:104-Führung nach einem weiteren Dreier von Siva nutze. Und diese Konzentrationsschwäche reichte aus, um Alba den entscheidenden Vorteil zu verschaffen.