So rettet die Rehkitzrettung-Augsburg e.V. zahlreiche Leben

Unermüdlich für den Tierschutz

Schon in den frühen Morgenstunden macht sich das Team der Rehkitzrettung-Augsburg e.V., ausgestattet mit Drohnen und Wärmebildkameras, auf den Weg zu zahlreichen Wiesen. Ihre Mission: Kitze vor dem nahenden Mähtod zu bewahren. Cornelia Günther, 1. Vorsitzende des Vereins sprach mit uns über die Anfänge der gemeinnützig anerkannten Organisation und über Ihre erfüllende Tätigkeit.

TRENDYone: Wie kam es zu der Gründung Ihres Vereins „Rehkitzrettung-Augsburg e.V.“?

Cornelia Günther: 2018 habe ich etwas erlebt, worauf ich definitiv hätte verzichten können! Damals wurde in unmittelbarer Umgebung von unserem Haus gemäht und dabei haben zwei Kitze ihr Leben verloren – das eine der beiden war sofort tot, dem anderen fehlten die Hinterbeine bis zur Hüfte und vorne die Füße. Dieses Erlebnis war so furchtbar für mich, dass ich unglaublich lange mit Albträumen zu kämpfen hatte. Das war dann schlussendlich Grund genug, mich mit dem Thema rund um die Rettung der Jungtiere zu befassen. Und so habe ich beschlossen, die Rehkitzrettung-Augsburg e.V. aufzubauen. Bevor es zu der Gründung des Vereins kam, hat es mich jedes Mal aufs Neue sehr traurig gemacht, solche Situationen hilflos mitansehen zu müssen. 

Wie sahen die Anfänge vor und während der Gründung des Vereins aus? 

Damals habe ich mich bei schon existierenden Kitzrettungen informiert, um einen genaueren Überblick zu bekommen. Die erste Schwierigkeit bestand darin, herauszufinden, wie man die Kitze am besten aufspürt – da kam mir dann die Idee mit der Drohne und Wärmebildkamera. 2019 waren wir ein unglaublich kleines Team, bestehend aus meinem Mann, ein paar Freunden, mir und nur einem einzigen technischen Gerät. Zum Erfahrungen sammeln war das zwar ganz gut, mir war aber durchaus bewusst, dass dies auf Dauer nicht funktionieren konnte. Aufgrund steigender Auftragslage in der darauffolgenden Saison mussten wir dann schnell handeln. Da wir quasi überrannt wurden, kam es dann erst Ende 2020 zu der offiziellen Gründung des Vereins. Auch habe ich mich darum bemüht, neue Helfer zu finden. Zum Glück, denn in diesem Jahr war die Nachfrage noch deutlich größer. Inzwischen können wir dank privater Spenden sowie Förderungen auf insgesamt sechs Drohnen zurückgreifen und verzeichnen mittlerweile knapp 120 Mitglieder.

Wie kann man sich eine Rehkitzrettung vorstellen?

Im Grunde läuft es so ab, dass sich die Jäger oder Landwirte idealerweise ein bis zwei Tage vor dem Einsatz mit uns in Verbindung setzen, damit genug Zeit zum Planen bleibt, sodass wir wissen, wann gemäht wird. Das zeitnahe Mähen der Wiese ist dabei enorm wichtig, da die Wärmebildkamera nur in den frühen Morgenstunden optimale Ergebnisse liefert. Zusätzlich müssen wir im Vorfeld selbstverständlich prüfen, ob es sich bei dem Gebiet beispielsweise um eine Flugverbotszone handelt und hier gegebenenfalls Genehmigungen einholen. Dann geht es weiter mit der Planung und der Einteilung der Helfer: Es gibt immer einen Piloten und zwei bis drei Personen, die per Monitor die übertragene Wärmebildsignatur überwachen. Wird ein verdächtiger Punkt gesichtet, so werden die Mitglieder am Wiesenrand über Walkie Talkies darüber in Kenntnis gesetzt. Beim Sichern der Kitze ist darauf zu achten, dass diese keinen fremden Geruch annehmen. Die Jungtiere werden nur mit Handschuhen und Grasbüscheln aufgenommen und dann vorsichtig in vorbereitete Boxen gelegt. Ist dies geschehen, so werden die Kitze mitsamt dem Behälter im Schatten abgestellt und nach dem Mähen möglichst schnell wieder freigelassen. Die Mütter finden ihre Kleinen dank Kommunikation durch fiepen auch sofort.

Wie viele Kitze konnten Sie die vergangene Saison retten und wo sehen Sie noch Verbesserungspotenzial?

Wir hatten aufgrund der Vielzahl von Aufträgen gar nicht die Möglichkeit, alles genau zu dokumentieren. Aber in etwa konnten wir 166 Kitze auf insgesamt 645 Hektar retten – das entspricht ungefähr 903 Fußballfeldern. Dabei konnten nicht nur Kitze gesichert werden, sondern auch ausgewachsene Rehe, Katzen, Hasen, Biber und sogar Enten. In Sachen Verbesserungen haben wir uns schon überlegt, elektronische Rehkitzretter anzuschaffen – Kitze quasi mit elektronischen Signalen von dem betroffenen Gebiet fernzuhalten. Das ist vor allem dann hilfreich, wenn die Wiesen nicht gleich am Morgen gemäht werden, funktioniert aufgrund der Geräuschkulisse wiederum aber nur an weniger stark frequentierten Orten.

Warum bereitet Ihnen die Rehkitzrettung so viel Freude?

Weil einfach alles so unfassbar erhebend und emotional ist: Schon alleine, wenn man ganz in der Früh, dem Sonnenaufgang entgegenfährt und der Natur dann so nahe ist. Wenn wir dann viele Kitze retten, ist das immer wieder ein bewegendes Gefühl. Besonders schön finde ich es, wenn Kinder dabei sind. Diese sichern selbstverständlich keine Jungtiere, sind jedoch mit vollem Herzen bei den Rettungsaktionen dabei. Wenn man diese Fürsorge, die Achtung vor Tieren und den Respekt vor der Natur schon als Kind lernt, dann wird man meiner Meinung nach zu einem ganz anderen Menschen. 

Wer Mitglied werden oder den Verein mit einer Spende unterstützen möchte, findet hierzu weitere Informationen auf der Website der Rehkitzrettung-Augsburg e.V.: www.rehkitzrettung-augsburg.de