VEERCREW: Wenn Mode mehr bewegt als Stoff

Ein neues Label aus Augsburg stellt eine entscheidende Frage: Was wäre, wenn jeder Einkauf ein Stück Zukunft mitgestalten könnte?

Wer in den vergangenen Tagen in Augsburg unterwegs war, konnte VEERCREW kaum übersehen. Auf Großflächenplakaten und Litfaßsäulen tauchte eine Botschaft auf, die zunächst irritiert und dann neugierig macht: **„Wir sind [k]ein Modelabel.“** Ein Widerspruch, der bewusst gesetzt ist. Natürlich macht VEERCREW Mode. Doch die Kleidung ist nicht das eigentliche Ziel, sondern der Weg dorthin. Oder, wie es die Marke auf ihren Kampagnenmotiven auf den Punkt bringt: „Mode ist das Mittel. Gutes tun ist der Zweck.“ Hinter dem Wortspiel steckt eine Haltung, die auch im Namen weiterlebt: VEERCREW greift den Gedanken „We are crew“ auf – wir alle sitzen gewissermaßen im selben Boot, oder besser gesagt, auf demselben Raumschiff. Der Medientheoretiker Marshall McLuhan brachte diese Verantwortung einst in einem Bild zum Ausdruck: „There are no passengers on spaceship earth, we are all crew.“ Wir alle sind Teil dieser Crew und tragen Verantwortung für unseren Planeten. Genau hier setzt VEERCREW an: mit Kleidung, die nicht nur gut aussehen, sondern auch Gutes bewirken soll. Dass die erste große Werbekampagne in Augsburg zu sehen war, ist kein Zufall. Für Gründer Matthias Göbel ist die Region Heimat und der richtige Ort, um eine Idee sichtbar zu machen, die von hier aus möglichst viele Menschen erreichen soll.

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Mode mit Haltung: VEERCREW feiert Launch in Augsburg.Bild: Nina Königs

Am Donnerstagabend, dem 15. Oktober, wurde VEERCREW auf dem Augsburger Gaswerk-Areal offiziell vorgestellt. Geladene Gäste, gute Stimmung, eine sorgfältig ausgewählte Kollektion und viele Gespräche machten den Launch zu mehr als einer klassischen Produktpräsentation. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie wir Verantwortung übernehmen können, ohne darauf zu warten, dass andere den Anfang machen.

Hinter VEERCREW steht Matthias Göbel. Der Anstoß für das Projekt kam an einem Morgen beim Spazierengehen. Aus einem Gedanken wurde eine Vision – und daraus schließlich ein eigenes Label mit einem klaren Anspruch. Göbel wollte etwas schaffen, das Menschen inspiriert und tatsächlich Wirkung entfaltet. Kleidung sollte dabei nicht der eigentliche Zweck sein, sondern das Mittel, um eine Botschaft in den Alltag zu tragen. „Für mich war klar: Wenn ich ein Label gründe, dann mit Sinn, Substanz und Verantwortung“, beschreibt Göbel seine Motivation.

Dieser Anspruch wird bei VEERCREW konkret: **80 Prozent des Nachsteuergewinns sollen sozialen und ökologischen Projekten zugutekommen.** Das ist kein beiläufiges Versprechen, sondern der zentrale Gedanke hinter dem gesamten Konzept. Ein Unternehmen verkauft Produkte, erwirtschaftet Gewinne und übernimmt zugleich Verantwortung für das, was außerhalb des eigenen Geschäftsmodells geschieht. Konsum und Gemeinwohl sollen nicht länger zwangsläufig Gegensätze sein.

Nachhaltigkeit ist ein Begriff, der inzwischen auf unzähligen Produkten steht. VEERCREW stellt dazu eine einfache Frage: Was bleibt von einem guten Vorsatz, wenn aus Worten keine Taten werden? Die Antwort ist ein klares Prinzip: Ein Großteil des Nachsteuergewinns soll in Initiativen fließen, die Menschen unterstützen, Lebensgrundlagen sichern und Natur schützen. Dabei geht es um Menschen, die Hilfe brauchen, um bedrohte Ökosysteme und um Perspektiven für junge Menschen in schwierigen Lebenssituationen.

Natürlich löst ein T-Shirt allein weder die Klimakrise noch soziale Ungleichheit. Doch wenn wirtschaftliches Handeln von Anfang an darauf ausgerichtet ist, einen Teil seiner Erträge für das Gemeinwohl einzusetzen, entsteht eine andere Verbindung zwischen Produkt und Wirkung. Genau darin liegt der interessante Ansatz von VEERCREW: Nicht der Konsum wird zum Ideal erklärt, sondern die Möglichkeit, ihn bewusster zu gestalten.

Wie vielfältig diese Wirkung aussehen kann, zeigte sich auch beim Launch. Vorgestellt wurden verschiedene Projekte, die für unterschiedliche Formen von Verantwortung stehen. Die Gäste konnten ihre Präferenzen einbringen und darüber mitentscheiden, welche Themen besonders berücksichtigt werden sollen – etwa soziale Unterstützung oder Naturschutz, regionale Hilfe oder internationales Engagement. Auch eigene Projektvorschläge sind willkommen.

Ein Beispiel ist **ChildFund Deutschland e. V.** In ländlichen Regionen Äthiopiens leiden Familien unter Dürre, Ernteausfällen und Mangelernährung. ChildFund unterstützt Frauen unter anderem dabei, eigene Einkommensmöglichkeiten aufzubauen und so die Lebensgrundlage ihrer Familien langfristig zu verbessern.

Ein weiteres Thema ist der Schutz von Mangrovenwäldern, wie ihn der **WWF** vorantreibt. Diese Ökosysteme schützen Küsten, bieten Lebensraum für zahlreiche Arten und speichern große Mengen Kohlenstoff. Ihr Erhalt stärkt damit nicht nur die Natur, sondern auch die Lebensgrundlagen der Menschen vor Ort.

Auch die Region steht im Fokus: Das **Sozialpädagogische Institut Augsburg (SIA)** bietet jungen Menschen in akuten Notsituationen Schutz, Beratung und Unterstützung. Wenn es zu Hause nicht mehr geht oder Konflikte eskalieren, brauchen Jugendliche Menschen, die da sind und mit ihnen neue Perspektiven entwickeln. Dass solche Einrichtungen gebraucht werden, ist traurig. Dass es sie gibt, ist unverzichtbar.

Die Mischung aus internationalen und regionalen Projekten passt zum Grundgedanken des Labels: Verantwortung beginnt nicht irgendwo weit entfernt, sondern auch vor der eigenen Haustür. Und sie kann viele Formen annehmen.

Bei aller gesellschaftlichen Verantwortung muss natürlich auch die Kleidung selbst überzeugen. Denn eine gute Idee entfaltet ihre Wirkung nur dann dauerhaft, wenn Menschen sie gern im Alltag tragen. Die beim Launch vorgestellte Kollektion umfasst T-Shirts, Poloshirts, Sweatshirts, Hoodies und Sweatjacken. Ergänzt wird das Angebot durch Accessoires wie Caps, Beanies und Taschen.

Der Anspruch: hochwertige, fair produzierte Kleidung mit klarer Linie. Statt einer unüberschaubaren Auswahl stehen vielseitig kombinierbare Teile im Mittelpunkt, die eine Botschaft transportieren, ohne laut sein zu müssen. Denn Haltung zeigt sich nicht nur auf Plakaten, sondern auch in bewussten Entscheidungen und in der Frage, was hinter einem Produkt steckt. Der Online-Shop von VEERCREW ist bereits geöffnet. Interessierte können sich dort selbst ein Bild von der Kollektion und dem Konzept machen.

Hinter VEERCREW steht die Überzeugung, dass wir nicht voneinander getrennte Einzelne sind. Wir teilen uns diesen Planeten und tragen – jeder auf seine Weise – Verantwortung für dessen Zukunft. Es wäre bequem, auf Politik, Unternehmen oder andere Menschen zu warten. Doch Veränderungen beginnen oft dort, wo Menschen aufhören, Verantwortung ausschließlich bei anderen zu suchen.

Matthias Göbel möchte mit VEERCREW einen Zugang schaffen, bei dem Engagement nicht kompliziert sein muss. Nicht jeder kann ein Hilfsprojekt gründen oder sich täglich ehrenamtlich engagieren. Aber viele Menschen kaufen Kleidung. Wenn sich dieser alltägliche Vorgang mit einem durchdachten sozialen und ökologischen Konzept verbinden lässt, kann daraus ein niedrigschwelliger Beitrag entstehen. Die Idee verlangt nicht, das eigene Leben von heute auf morgen komplett zu verändern. Sie lädt dazu ein, bei einer alltäglichen Entscheidung anzusetzen und über deren Folgen nachzudenken.

Entscheidend wird sein, dass der Anspruch dauerhaft mit Leben gefüllt wird. Transparenz, eine nachvollziehbare Mittelverwendung und eine verlässliche Auswahl der unterstützten Projekte können dafür sorgen, dass aus einer überzeugenden Idee langfristig Vertrauen entsteht. Der Launch ist der Anfang. Was daraus wächst, wird sich auf dem weiteren Weg des Labels zeigen.

Der Abend auf dem Gaswerk-Areal hat gezeigt, wie viel Begeisterung entstehen kann, wenn eine unternehmerische Idee nicht nur ein Produkt, sondern auch eine Haltung in den Mittelpunkt stellt. Die Atmosphäre war offen, die Gespräche lebendig, das Konzept stieß auf Interesse. Die Kollektion wurde präsentiert und die Projekte wurden vorgestellt – dabei wurde deutlich, dass VEERCREW mehr sein möchte als eine weitere Marke in einem ohnehin vollen Modemarkt.

Wir waren beim Launch dabei und finden es bemerkenswert, dass eine solche Initiative in Augsburg ihren Anfang nimmt. Es ist schön zu sehen, wenn jemand nicht nur feststellt, was in der Welt besser laufen müsste, sondern sich aufmacht, einen eigenen Beitrag zu leisten. Wir wünschen VEERCREW, Matthias Göbel und allen Beteiligten viel Erfolg, Ausdauer und die richtigen Mitstreiterinnen und Mitstreiter – und hoffen, dass die Idee über Augsburg hinaus Menschen erreicht.

Denn vielleicht beginnt Veränderung nicht immer mit einer großen, spektakulären Tat. Manchmal beginnt sie mit einer Idee beim Spazierengehen, mit dem Mut, sie ernst zu nehmen, und mit der Bereitschaft, daraus etwas zu machen, das anderen zugutekommt.

VEERCREW verbindet Kleidung mit einer Frage, die jeder für sich beantworten kann: Was kann ich heute tun, damit die Welt auch morgen ein guter Ort zum Leben bleibt? Wer die Kollektion entdecken und mehr über das Konzept erfahren möchte, findet VEERCREW im Online-Shop. Vielleicht wartet dort das nächste Lieblingsstück für den Kleiderschrank – und zugleich die Gelegenheit, eine Idee zu unterstützen, die Verantwortung nicht nur verspricht, sondern zu ihrem Ausgangspunkt macht.

Mode ist hier nicht das Ziel. Sie ist der Anfang.