Zwischen Gänsehaut und großer Haltung: Angela Merkel mit Elisabethpreis der Caritas ausgezeichnet
Ein Abend voller besonderer Momente im Goldenen Saal
Es gibt Abende, an denen ein Preis verliehen wird. Und es gibt Abende, an denen es um viel mehr geht als um eine Urkunde und eine Figur aus Bronze. Der Festakt zur Verleihung des Elisabethpreises 2026 der Caritas in Augsburg war so ein Abend. Angela Merkel nahm am Freitagabend den undotierten Ehrenpreis des Caritasverbandes für die Diözese Augsburg persönlich entgegen. Ausgezeichnet wurde die frühere Bundeskanzlerin für ihren Einsatz für Solidarität, Verantwortung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Doch im Mittelpunkt stand an diesem Abend nicht nur eine Frau, die Deutschland 16 Jahre lang als Bundeskanzlerin geprägt hat. Im Mittelpunkt standen vor allem die Menschen und Geschichten, für die die Caritas jeden Tag da ist. Und dafür hätte es wohl kaum einen passenderen Ort geben können: den frisch renovierten Goldenen Saal des Augsburger Rathauses. Der Festakt war die erste Nutzung des Saals nach der Renovierung – offiziell eröffnet wird er erst am Sonntag. Allein das verlieh dem Abend eine ganz besondere Atmosphäre.
Merkel selbst schlug in ihrer Dankesrede einen Bogen zu den Menschen, die tagtäglich helfen. Sie freue sich besonders über einen Preis, der Menschen gewidmet sei, die anderen Menschen helfen. Und sie erinnerte daran, dass die Caritas bundesweit Millionen Menschen unterstützt – getragen von hauptamtlichen Kräften ebenso wie von unzähligen Ehrenamtlichen. Ihre Botschaft: Das, was wir mitbekommen haben, sollten wir einsetzen, um anderen zu helfen. Und vielleicht, so Merkel sinngemäß, stellen wir dabei sogar fest, dass wir selbst glücklicher werden.
Gänsehaut im Goldenen Saal
Wie emotional dieser Abend werden würde, zeigte sich auch in der Musik.
Sarah Straub, die sich seit Jahren intensiv mit dem Thema Demenz beschäftigt, sorgte mit ihrer Musik für einen dieser besonderen Momente, in denen es im Saal plötzlich ganz still wird. Musik, die ein Thema berührt, das viele Menschen unmittelbar betrifft – und die daran erinnert, dass hinter Krankheit, Pflege und Hilfsbedürftigkeit immer Menschen mit ihren Geschichten, Erinnerungen und Gefühlen stehen. Gänsehaut-Moment inklusive. Und dann wurde es noch einmal ganz besonders: Tom & Flo sangen für Angela Merkel „Here Comes the Sun“ von den Beatles – weil sie gehört hatten, dass die frühere Bundeskanzlerin den Song mag. Ein kleiner, persönlicher Moment inmitten eines großen Festakts. Einer, der den Abend plötzlich ganz nahbar machte.
Eine Laudatio mit Herz, Haltung – und viel Humor
Für einen weiteren Höhepunkt sorgte Schriftstellerin und Kabarettistin Sarah Bosetti mit ihrer Laudatio. Sie fand deutliche, persönliche und zugleich humorvolle Worte für Merkel und beschrieb unter anderem eine Frau, die ihr Ego weit hinter ihren Job stelle und bereits 2015 das Wort „Wir“ ausgesprochen habe. Bosetti verband politische Rückblicke mit Humor und traf damit den Nerv des Publikums im voll besetzten Goldenen Saal. Als sie Merkel augenzwinkernd sogar zu einer erneuten Kandidatur bewegen wollte, sorgte das für besonders viele Lacher. Merkel reagierte gewohnt trocken: Auch Satirikerinnen und Satiriker hätten nicht immer die Kraft, Wünsche in die Realität zu bringen. Eine weitere Kandidatur schloss sie ausdrücklich aus. Ein Moment, der zeigte: Bei aller Bedeutung dieses Abends durfte auch gelacht werden.
Die eigentlichen Mutmacher des Abends
Vielleicht waren es aber gerade nicht die prominenten Namen, die am stärksten im Gedächtnis blieben. Es waren die Geschichten der Menschen, die von der Caritas und ihren Mitgliedsverbänden begleitet werden. Da ist beispielsweise ein geflüchteter Familienvater aus Syrien, der in Deutschland nicht nur angekommen ist, sondern heute selbst etwas zurückgibt: Er arbeitet ehrenamtlich als Dolmetscher in der Migrationsberatung und ist Mitglied der Feuerwehr in Donauwörth. Seine Geschichte steht für einen Weg vom Ankommen zum Mitgestalten. Da ist Dominik Lobmayr, der über die CAB Behindertenhilfe seinen Weg auf den allgemeinen Arbeitsmarkt gefunden hat und heute eine Ausbildung zum Fachlageristen absolviert. Seine Botschaft an andere Menschen mit Teilhabebeeinträchtigung ist schlicht und stark: keine Angst haben, motiviert bleiben – denn Fehler macht jeder Mensch.
Da sind alleinerziehende Frauen, die in schwierigen Situationen Unterstützung, Orientierung und neue Hoffnung finden. Familien, die nach finanziellen Notlagen wieder Licht sehen. Menschen mit Behinderung, die Kultur, Medien und Gesellschaft aktiv mitgestalten. Und da ist die Familie von Vater W., die ein ganzes Jahr ohne Strom leben musste – ohne warmes Wasser, ohne warmes Essen und sogar ohne Strom für die Laptops der Kinder während der Corona-Zeit. Durch das Zusammenspiel von Ehrenamt, Caritas und finanzieller Unterstützung konnte aus einer scheinbar ausweglosen Situation wieder eine Perspektive entstehen.
Teilhabe ist keine Floskel
Auch andere Mutmachergeschichten erzählen davon, was passiert, wenn Menschen nicht auf ihre Einschränkungen reduziert werden. Im „Chili“ in Dillingen gestalten Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam einen inklusiven Ort für Gastronomie, Kultur und Begegnung. Das inklusive Social-Media-Team „Barrierebrecher“ des Dominikus-Ringeisen-Werks lässt Menschen mit Behinderung selbst zu Wort kommen – über Instagram, TikTok und YouTube. Nicht über sie sprechen, sondern sie selbst sprechen lassen: Genau darin liegt die Idee. Für ihre Arbeit wurden die Barrierebrecher unter anderem mit dem Grimme Online Award 2025 ausgezeichnet. Und im Kompetenzzentrum Autismus Schwaben Nord wird mit der Künstlerin Sanne Kreaktiv sichtbar, dass Kunst auch eine Form von Kommunikation sein kann – eine Einladung, genauer hinzusehen, zuzuhören und die eigenen Vorstellungen von „normal“ zu hinterfragen.
Zusammen geht was
Genau diese Geschichten machten den Abend so besonders. Denn die Caritas beschreibt ihre Arbeit nicht als bloßes Verwalten von Problemen. Es geht darum, Stärken zu entdecken und Menschen dabei zu unterstützen, ihr Leben möglichst selbstbestimmt zu gestalten. Angela Merkel bekam an diesem Abend einen Preis für ihre Haltung. Gleichzeitig zeigte die Caritas eindrucksvoll, dass Haltung nicht nur auf großen politischen Bühnen stattfindet. Sie zeigt sich auch in einem Ehrenamt. In einer Beratung. In einer Familie, die wieder Hoffnung schöpft. In einem Menschen, der nach einer Flucht selbst zum Helfer wird. In einem Ausbildungsplatz. In Musik. In einem offenen Ohr. Und manchmal ganz einfach darin, dass jemand sagt: „Ich bin da.“
Fazit: Ein Abend, der nachwirkt
Der Elisabethpreis 2026 brachte viele Menschen zusammen: Politik, Kirche, Gesellschaft, Wirtschaft, Ehrenamt – und vor allem die Caritas mit ihren Mitarbeiterinnen, Mitarbeitern und den Menschen, die sie begleitet.
Angela Merkel zeigte sich stolz und glücklich über die Auszeichnung. Die Gäste erlebten eine starke Laudatio, besondere Musikmomente und einen Goldenen Saal, der für diesen Abend zum ersten Mal nach seiner Renovierung seine Türen öffnete.
Doch vielleicht war die schönste Botschaft des Abends eine andere: Zusammenhalt ist nichts Abstraktes. Er beginnt immer dort, wo Menschen füreinander da sind. Und genau davon erzählen die Mutmachergeschichten der Caritas. Geschichten, die zeigen: Wenn professionelle Hilfe auf menschliche Nähe trifft, kann aus Unterstützung tatsächlich Zukunft werden. Denn: Zusammen geht was.









