Allgäuer Grünen Politiker Gehring fordert mehr Freiheiten für Kinos

«Schachbrettmuster-Sitzordnung für Kinos»

Von den beiden Lockdowns 2020 und 2021 in Bayern waren insbesondere die Kinos wirtschaftlich stark betroffen. Umso wichtiger ist es, dass die BetreiberInnen von Lichtspielhäusern, nicht selten sind dies Einzelpersonen oder Familien, in Zeiten niedriger Inzidenzen ihre Häuser mit möglichst viel Publikum bespielen dürfen. Die gegenwärtige Regelung schränkt den Betrieb von Kino aber derart ein, dass ein wirtschaftlich rentabler Betrieb nicht möglich ist. So fordern die Kinobesitzer, dass sie zumindest, wie Theater- und Opernhäuser, ihre Gäste auch gastronomisch bewirten dürfen. Durch das durchgängige Gebot des Tragens einer FFP2-Maske wird dies aber verunmöglicht. So äußert die Partei der Grünen jetzt als erste Bedenken an der widersinnig erscheinenden Regelung. Der Allgäuer Grünen Abgeordnete Thomas Gehring, II. Vizepräsident des Bayerischen Landtags, reichte nun mit FraktionskollegenInnen einen Antrag zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Lichtspielhäuser in Bayern ein. Nachfogend eine Stellungnahme des Allgäuer Grünen Abgeordenten Thomas Gehring zur Lage der Lichtspielhäuser und eine Begründung zum Antragstext der Grünen Fraktion im Wortlaut.

PM Gehring: Bayerns Kino-Musterschüler*innen nicht abstrafen!

CSU-FW-Staatsregierung vergibt Filmtheater-Prämien für ein kulturell wertvolles Kinoprogramm, um diese dann mit Corona-Hilfen zu verrechnen

Immenstadt, 12.07.2021 Viel zu lange sind die Vorhänge unserer bayerischen Kinos zu geblieben. Jetzt endlich lief bundesweit der Betrieb in zahlreichen Filmtheatern wieder an. Dass auch Kinos im Allgäu endlich wieder ihre Projektoren anwerfen können, freut den Allgäuer Landtagsabgeordneten Thomas Gehring. „Der Restart der Kinos ist mehr als überfällig. Wir Landtags-Grüne haben bereits im Oktober Pilotprojekte zum sicheren und wirtschaftlich sinnvollen Betrieb von Kinos gefordert. Die Menschen sehnen sich nach langen Monaten mit TV und Netflix nach gemeinsamen Filmerlebnissen in der Dunkelheit eines Kinosaals.“

Dass die Filmtheater-Programm-Prämien für herausragende Programmarbeit seit 2019 kontinuierlich erhöht wurden, begrüßen wir als wichtiges Signal der Wertschätzung. Dass nun aber die LfA-Förderbank bei der Abrechnung der Corona-Hilfen die Filmtheater-Programmprämien als Einkünfte wertet und so von den besten und fleißigsten Filmtheatern in Bayern über die Hintertür staatliche Mittel wieder einsammelt, sei ein Unding, so Thomas Gehring.

Im Rahmen der Regierungsbefragung am 6. Juli brachte Sanne Kurz, Kulturpolitische Sprecherin der Landtags-Grünen, die Sache auf den Tisch. Die zuständige Digitalministerin wiegelte ab: Ziel sei gewesen, alle Kinos durch ökonomisch schwierige Fahrwasser zu bringen. Dass eine Auszeichnung für exzellente Arbeit aber für Existenzsicherung verwendet werden musste, dass also Musterschüler*innen unter dem Strich für ihre Leistung abgestraft wurden, sieht man im Ministerium nicht.
„Eine Auszeichnung ist eine Auszeichnung – und keine Leihgabe, die man hintenrum wieder zurückgeben muss, findet der Allgäuer Abgeordnete Thomas Gehring

Antrag

der Abgeordneten Katharina Schulze, Ludwig Hartmann, Susanne Kurz, Gülseren Demirel, Thomas Gehring, Jürgen Mistol, Verena Osgyan, Tim Pargent, Gisela Sengl, Claudia Köhler und Fraktion (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Schachbrettmuster-Sitzordnung statt Deckelung der Publikumsgröße im Kino – Pilotprojekt jetzt starten!

Der Landtag wolle beschließen:

Die Staatsregierung wird aufgefordert, die pauschale Beschränkung der erlaubten Personenzahl für den Kino- und Filmfestivalbetrieb aufzuheben. Durch Maßnahmen wie eine Sitzordnung im Schachbrettmuster ist ferner eine Anpassung der Sitzmöglichkeiten im Pandemie-Notbetrieb ab einem 7-Tage-Inzidenzwert von unter 50 an die Gegebenheiten der Lichtspieltheater vorzunehmen. Diese Maßnahmen sind in Pilotprojekten zu testen.

Begründung:

Das Vertrauen des Publikums, Kulturveranstaltungen zu besuchen, ist durch überzogene Maßnahmen tief erschüttert. Gleichzeitig werden Blockbuster-Kinostarts auf das nächste Jahr verschoben, die erhoffte Rettung durch umsatzstarke Wintermonate bleibt für die gebeutelte Branche komplett aus.

Darum gilt es, jetzt zu handeln und Kino- und Filmfestivalkultur ein Überleben zu ermöglichen. In Restaurants und Kantinen dürfen in Bayern bis zu 10 Menschen, die nicht einem Haushalt angehören, an einem Tisch sitzen. Überzogene Maßnahmen führen zu einer verminderten Akzeptanz der Menschen im Land, Kulturveranstaltungen zu besuchen. In einer Schachbrettmuster-Sitzordnung, wie sie sich bei den Salzburger Festspielen bewährt hat, sitzt eine Person immer zwischen vier anderen Personen - ver- gleichbar mit vier “Tischnachbarn”. Diese Sitzordnung im Schachbrettmuster hat für Kultur im Pandemiebetrieb großes Potenzial. Um für alle Beteiligten valide Ergebnisse zur Sicherheit und zur Praktikabilität der Umsetzung zu bringen, soll ein vierwöchiger Pilotbetrieb in kleinen, mittleren und großen Kinos in allen Bezirken Bayerns die Rettung der Kinokultur einläuten.