Augsburger Mediengespräche 2025 mit einem Podium, das kontrovers diskutierte!
Schutz, Freiheit und Verantwortung – Wie umgehen mit Social Media für Jugendliche?
Wie schützen wir Kinder und Jugendliche im digitalen Zeitalter – und wo verlaufen die Grenzen zwischen Fürsorge und Freiheit? Diese Leitfragen standen im Mittelpunkt der Augsburger Mediengespräche 2025, die sich in diesem Jahr dem kontroversen Thema widmeten: „Verbot von Social Media für Jugendliche – Schutz oder Zensur?“ Was sich bereits im Vorfeld abgezeichnet hatte, bestätigte sich auch in der Diskussion: Ein vollständiges oder pauschales Verbot von Social Media für junge Menschen spaltet Meinungen, doch in einem Punkt herrscht breite Einigkeit – Eltern müssen stärker in die Pflicht.
Augsburgs Zweite Bürgermeisterin Martina Wild erinnerte daran, dass Medienkompetenz schon seit Jahrzehnten ein Bestandteil der städtischen Bildungsarbeit ist. Die Augsburger Medienstelle wurde bereits 1985 gegründet – heute ist Medienkompetenz eine zentrale Säule demokratischer Bildung. Parallel dazu warnte die Psychologin Dr. Julia Brailovskaia in einer Videobotschaft eindringlich vor dem Einfluss exzessiver Social-Media-Nutzung auf die psychische Gesundheit junger Menschen. Zu den Warnsignalen gehören die permanente gedankliche Beschäftigung mit Social Media, die Nutzung zur Stimmungsaufhellung, Vernachlässigung von Pflichten, Unruhe und Nervosität. Brailovskaia plädierte daher für ein Vorsorgeprinzip: unter 13 Jahren ein striktes Social-Media-Verbot, zwischen 13 und 17 eine altersgerechte Plattformgestaltung, verpflichtende elterliche Begleitung bis mindestens 15 sowie technische Mechanismen wie automatische Nutzungsunterbrechungen. Auch Smartphone-Verbote an Schulen, mehr Fachpersonal und Forschungsförderung gehörten zu ihren Empfehlungen.
In der anschließenden Talkrunde prallten unterschiedliche Positionen aufeinander. Digitalminister Fabian Mehring warnte vor einem „digitalen Verbotsstaat“ und betonte, dass Social Media und digitale Tools längst Teil der zukünftigen Arbeitswelt junger Menschen seien. Wer ihnen den Zugang massiv erschwere, verschlechtere ihre Zukunftschancen im internationalen Wettbewerb. Medien- und Digitaltrainer Daniel Wolff sah das völlig anders: Wenn man Autofahren oder Rauchen für Kinder verbiete, müsse man auch digitale Risiken konsequent regulieren. Kinder seien zwar oft technisch versiert, aber nicht zwingend glücklicher – und Altersgrenzen bräuchten echte Durchsetzung. Medienpädagogin Susanne Eggert wiederum forderte, Medienkompetenz endlich als Pflichtaufgabe zu begreifen, nicht als freiwilliges Zusatzangebot. „Kein Bildschirm unter drei Jahren“, sagte sie, gleichzeitig aber ein frühes Heranführen an digitale Welten, damit Kinder nicht unvorbereitet hineinstolpern. Für sie steht fest: Medienbildung muss ebenso Eltern wie Schulen erreichen. Niklas Reinfelder ergänzte, soziale Netzwerke seien ein eigenes Ökosystem mit eigenen Dynamiken, das in jedem Alter kritisch betrachtet werden müsse. Kompetenz statt Abschottung sei der einzig nachhaltige Weg.
Trotz der Unterschiede gab es einen verbindenden Grundtenor: Kinder brauchen Begleitung. Plattformen müssen ihre Schutzmechanismen verbessern, Schulen brauchen mehr medienpädagogisches Personal, und Eltern müssen sich stärker mit digitaler Erziehung auseinandersetzen. Die Podiumsgäste blickten zum Abschluss in die Zukunft und formulierten unterschiedliche Hoffnungen für die nächsten zehn Jahre. Schmiege plädierte dafür, erst alle pädagogischen und technischen Möglichkeiten auszuschöpfen, bevor man Verbote erwägt. Mehring wünscht sich ein selbstbewussteres Europa und klare Jugendkonten statt rigider Verbote. Eggert hofft darauf, dass Kinder Social Media künftig vor allem als Chance erleben können. Reinfelder wünscht sich eine Gesellschaft, die öfter das Handy zur Seite legt und wieder mehr Zeit im echten Leben verbringt. Wolff schließlich hofft, dass man rückblickend erkennt: „Zum Glück haben wir irgendwann begonnen, Kinder wirklich zu schützen.“
Die Augsburger Mediengespräche machten deutlich, wie komplex die Debatte ist. Zwischen dem Wunsch nach Freiheit und dem Bedürfnis nach Schutz liegt ein weites Feld aus Verantwortung – bei Eltern, Schulen, Politik und Plattformen. Ein reines Verbot löst keine Probleme, ein unregulierter Freiraum aber ebenso wenig. Die Zukunft wird davon abhängen, wie gut es gelingt, jungen Menschen den digitalen Raum nicht zu versperren, sondern ihn gemeinsam mit ihnen sicher, gesund und kompetent zu gestalten.
Auf dem Podium diskutierten (im Foto von links):
Dr. Thorsten Schmiege, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM)
Dr. Fabian Mehring, Bayerischer Staatsminister für Digitales
Dr. Susanne Eggert, Fachliche Leitung des JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis; Mitglied in der Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ der Bundesregierung
Niklas Reinfelder, Redaktionsleiter RISKANTIK – Die TikTok-Redaktion, Fotograf und Creative Director
Daniel Wolff, Digitaltrainer, Autor des Smartphone-Elternratgebers und SPIEGEL-Bestsellers „Allein mit dem Handy“, Unterstützer der Initiative "Smarter Start ab 14"
Moderation: Yasmine M'Barek, Journalistin, Autorin und Podcasterin (rechts)
Für uns war vor Ort: Marion Buk-Kluger



















