Innovative Fahrradhelme für die neue Fahrradsaison

Uncool und hässlich oder trendiges Lifestyleprodukt?

Es ist und bleibt ein Wettstreit zwischen Optik und Sicherheit: das Tragen eines Fahrradhelmes. Rund 40 Prozent der Fahrradfahrer in Deutschland tragen keinen Helm. Die Gründe sind leicht aufgezählt: Es ist uncool, zerstört die Frisur und sieht einfach nicht gut aus. Die anderen 12 Prozent der Deutschen setzen auf Sicherheit. Wir gehen der Sache auf den Grund und zeigen, welche innovativen Helmsysteme es aktuell auf dem Markt gibt und welche Gadgets 2020 beim Radfahren eine wichtige Rolle spielen.

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Fahrradhelme haben ein schlechtes Image - doch es gibt auch trendige Alternativen.Bild: stock.adobe.com
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Häufige Vorurteile gegenüber Fahrradhelmen von Frauen und Männern.Bild: statista.de
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40% der über 2.000 befragten Personen tragen beim Fahrradfahren nie einen Helm.Bild: statista.de

Sie sorgt für zahllose hitzige Debatten und dennoch gibt es die Regelung laut StVO noch nicht in Deutschland: die Helmpflicht. Wer also auf unseren Straßen ohne Helm erwischt wird, dem droht kein Bußgeld. Auch wer ohne Helm an einem Verkehrsunfall beteiligt ist, hat keine Mitschuld. Mehr als ausgesprochen werden kann der Hinweis nicht, dass das Tragen eines Helmes bei einem Unfall im gegebenen Fall vor schweren Verletzungen schützt. Vielleicht auch aufgrund der Tatsache, dass sich das Fahrrad zusehends als immer beliebteres Fortbewegungsmittel in den Städten etabliert hat, setzen also auch die Hersteller von Fahrradhelmen auf immer innovativere Schutzsysteme.

Die aus Sicht der TRENDYone Redaktion aktuell ausgefallensten Helmmodelle stellen wir hier vor:



Der Hövding 3.0 - Air-Bag statt Helm 

Der Fahrradhelm Hövding ist ein diskreter Kragen, den der Radfahrer um den Hals trägt. Der Helm wird also – anders als herkömmliche Protektoren – am Hals getragen und ruiniert die Frisur dadurch nicht. Dieser Kragenhelm enthält einen Airbag, der bei einem Unfall innerhalb von 0,1 Sekunde ausgelöst wird und sich je nach Kragenumfang verstellen lässt.


Fortschrittliche Sensoren erkennen im Falle eines Sturzes die abnormalen Bewegungsmuster des Radfahrers und lösen den Airbag aus. Via Bluetooth nimmt der Airbag-Fahrradhelm die Koordinaten des Trägers automatisch auf und gibt Auskunft über Risikosituationen im alltäglichen Straßenverkehr. Darüber hinaus werden hinterlegte Kontakte im Falle eines Unfalls automatisch informiert und der aktuelle Standort des Hövding 3 Trägers wird automatisch übermittelt, sodass die crossmediale Sicherheitskommunikation gesichert ist. Zudem deckt der Airbag-Kragen einen viel größeren Schutzbereich als ein herkömmlicher Helm ab und schützt dabei sowohl den Kopf als auch den Nacken und die Nase vor folgenschweren Verletzungen. Löst sich der Airbag im Falle eines Sturzes aus, muss der Helm für die weitere Nutzung ausgetauscht werden. Dafür erhält der Käufer auf das nächste Modell 50 Prozent Rabatt vom schwedischen Hersteller. Außerdem wird ein Austauschservice für 200 Euro innerhalb von drei Jahren angeboten und der Helm kann kostenfrei ausgetauscht werden, wenn sich der Airbag irrtümlich auslöst. Der Hövding muss regelmäßig über USB geladen werden, damit eine einwandfreie Nutzung für rund 15 Stunden aktives Radfahren garantiert werden kann.



Closca Helmet Loop 

Formschön und sicher 
Der Closca schützt nicht nur den Kopf des Radfahrers im Falle eines Sturzes. Durch ein erschwingliches Gesamtgewicht und die praktische Faltfunktion lässt sich dieser Fahrradhelm auch sehr leicht verstauen. Der Protektor im urbanen Stil ist durch ein hinteres Band verstellbar und hat ein Air Flow-Belüftungssystem, um hohe Temperaturen am Kopfbereich zu verhindern.



Der innovative Helm ist in acht verschiedenen Farben und den Größen M und L erhältlich. In kürzester Zeit kann der Closca Helmet Loop auf die Hälfte seines Volumens reduziert werden, indem die obere Schale nach unten gedrückt wird. Mit einer gefalteten Höhe von 7 cm und einem Gewicht von maximal 375 Gramm (je nach Größe) passt der Fahrradhelm in die meisten Rucksäcke und Taschen. Außerdem schützt das integrierte Visier vor Sonnenstrahlen sowie Regen und kann gegen ein Reflektierendes ausgetauscht werden. Sofern der Käufer Bedarf nach einem solchen Visier hat, kann dieses in einer Sonderbestellung erworben werden.




Lumos Kickstart

Mit vielen Features durch die City 
Der Lumos Kickstart ist der weltweit erste intelligente Fahrradhelm, der Vorder- und Rücklicht, Bremslicht und Blinker in einem Rad-Helm vereint. Mit insgesamt 48 LEDs wird mit diesem Helm für eine gute Sichtbarkeit auf der Straße gesorgt. Diese LEDs sind jeweils in weiß (vorne am Helm), rot (hinten) und orangener Farbe (als Blinker) angebracht.

 
Als besonderes Gadget kann sich der Radfahrer hier eine Fernbedienung an den Lenker klipsen, an welcher die Blinkbewegung über Bluetooth ausgelöst werden kann. Die 38 LEDs auf der Rückseite werden bei einer Vollbremsung als Bremslicht verwendet. Versorgt werden die Lichter von Akkus, die eine Laufzeit von ca. sechs Stunden im Blinklicht-Modus und drei Stunden bei kontinuierlicher Beleuchtung aufweisen. Der Akkustand kann per Smartphone-App abgefragt werden. Helm und Fernbedienung müssen jeweils für rund zwei Stunden lang geladen werden. Der wetterbeständige Helm wiegt 380 Gramm und kann auch mit der Apple Watch als Fernbedienung genutzt werden. Optional erhältlich ist bei diesem auch das unten beschriebene MIPS System, welches dann im Inneren des Helmes verbaut ist. 




Lumos Matrix

Blinker im Urbanen Stil 
Etwas teurer als sein Konkurrenz-Modell „Kickstart“ ist der Lumos-Helm im urbanen Stil mit integrierten LEDs, Blinkern, Bremslichtern, vollständig anpassbarem Matrix-Panel und vielen weiteren Funktionen. Features, die alltägliche Fahrten auf jeden Fall sicherer machen. Der 1.800-mAh-Akku garantiert eine lange Fahrt von mindestens zehn Stunden und mehr.


22 hellweiße LEDs sichern die Beleuchtung vorne, 77 individuell programmierte RGB-LEDs beleuchten den Helm hinten und machen verschiedene bewegliche Blink- sowie Animationsmuster möglich. Über die zugehörige Companion-App können auch das automatische Bremslicht sowie die Blinker betätigt werden. Geblinkt werden kann allerdings auch über den Eingebauten Fernbedienungshalter. Der zweifach gepolsterte Helm wiegt allerdings stattliche 580 Gramm. Auch hier wird via Bluetooth die Verbindung zur Lumos App hergestellt. Die aufgezeichneten Daten können auch über Apple Health oder Google Fit abgerufen werden. Optional erhältlich ist bei diesem auch das  unten beschriebene MIPS System, das im Inneren des Helmes verbaut ist.


Livall BH51 M Neo

360 Grad Beleuchtung
Die neuste Helmgeneration der Innovationsmarke LIVALL brachte im vergangenen Jahr einen Fahrradhelm auf den Markt, der mit einer 360 Grad Beleuchtung, einem Bremslicht, sowie mit einer Anti-Loss-Warnung überzeugt. All das soll potentiellen Risiken beim Radfahren entgegenwirken und Unfälle besonders bei Nacht verhindern.

 
Ein integrierter Blinker, Medienwiedergabe, Bluetooth sowie ein Sturzsensor mit SOS-Funktion sind nur Wenige der der vielen Funktionen, über die der Helm BH51M Neo verfügt. Um den Helm in vollem Umfang nutzen zu können, muss der Akku für zwei Stunden geladen werden, damit er bis zu zehn Stunden einsatzfähig ist. Je nach Größe des Fahrradhelms wiegt er rund 500 Gramm und ist für Fahrer mit einem Kopfumfang von 54 bis 61 cm in den Farben Schwarz und Sandstein erhältlich.



uvex finale light  

Sichtbarkeit bei Nacht
Ob Rad-Urlauber, Familien oder Fahrrad-Pendler – Sicherheit sollte immer oberste Priorität haben. So soll der uvex finale light die Sichtbarkeit der Räder, Pedelecs und E-Scooter durch intelligente Beleuchtungssysteme erhöhen und dafür sorgen, dass sowohl tagsüber als auch nachts niemand übersehen wird. 


Mit tiefem Heck, verbesserter Hinterkopfabdeckung sowie integrierter Helmbeleuchtung, die sich tagsüber ausschalten lässt, soll sicheres Radfahren gewährleistet werden. Insgesamt vier LED-Streifen, hinten rot und vorne blau, leuchten in drei unterschiedlichen Modi. Aufladen können die Nutzer den Akku über Micro-USB, so dass der Helm bis zu 12 Stunden lang den Kopfbereich des jeweiligen Radfahrers ausleuchtet.

Alle Helme stellen wir hier im Video vor:
https://youtu.be/Li2-5MkaOXo


Das MIPS-System

Einige Jahre ist es her, dass erste Ski, Fahrrad- und Kletterhelme mit dem MIPS-System (Multidirectional Impact Protection System) auf der Sportmesse ISPO in München vorgestellt wurden. Mittlerweile bieten einige namhafte Hersteller diese Technologie bereits in der Grundausstattung der Helme mit an. Bei diesem System handelt es sich um eine im Helm schwimmend integrierte Schale, die sich im Falle eines Sturzes um bis zu 15 Millimeter verdrehen und damit die für das Gehirn gefährliche Beschleunigungsernergie teilweise absorbieren kann. Gerade bei seitlichem bzw. schrägem Aufprall kann dies die teilweise nicht mehr vorhandenen körperlichen Schutzfunktionen ersetzen. Erfunden wurde diese Technik von einem Team aus Wissenschaftlern im Karolinska Krankenhaus und im Royal Institute of Technologie in Stockholm. Kritiker des MIPS-Systems beklagten jedoch zeitweise, dass die Wirkungsweise dieser Helmschale durch bisher zu wenige unabhängige Studien und Beweise kaum belegbar ist. Wer sich überlegt einen Helm mit verbautem MIPS-System anzuschaffen, sollte beim Kauf die gleichen „Regeln“ wie auch beim normalen Helmkauf beachten. Denn die perfekte Größe des Helms nach Kopfumfang ist auch hier unabdingbar. 

Fahrradhelm: Worauf kommt es beim Kauf an?

Grundsätzlich dürfen Fahrradhelme hierzulande nur in den Handel gelangen, wenn sie der EU-Norm (DIN EN 1078) entsprechen. Experten sind sich allerdings einig, dass die damit einhergehende Schutzleistung im modernen Straßenverkehr nicht ausreicht. Die Norm geht von einer Geschwindigkeit von 20 km/h aus. Ein Tempo, welches viele Fahrer überschreiten. Insbesondere gilt dies für E-Bikes. Wie der Test aus einem Wiso-Beitrag verdeutlichte, schnitten die teureren Helme bei höherem Tempo besser ab.

Ein weiterer Schwachpunkt der EU-Norm: Sie prüft lediglich im Bereich des Oberkopfes. Die teilweise empfindlichen Stellen, die in Unfällen häufig betroffen sind, wie Stirn und Schläfen, werden nicht berücksichtigt.

Konstruktionen und Helmtypen

Ein Großteil der modernen Helme wird im „In-Mold-Verfahren“ hergestellt. Dabei entsteht durch eine innovative Verbindung zwischen Außenschale und Hartschaumkern ein widerstandsfähiger Verbund. Kommt es zur mechanischen Einwirkung, wie bei einem Sturz, sind diese Helme gegenüber verklebten Alternativen deutlich robuster. Letztere sollte der Käufer generell meiden. Weitere Vorteile des „In-Mold-Verfahrens“ sind ein reduziertes Helmgewicht und eine verbesserte Langlebigkeit. Folgende drei Konstruktionsweisen entstehen im In-Mold-Verfahren:

Hartschalenhelme
Mikroschalenhelme
Twinshell-Helme

Darüber hinaus sollte der Helm optimal an den persönlichen Bedarf angepasst werden. Ist beispielsweise eine erhöhte Dämpfung gegenüber Schlägen erforderlich, wäre ein spezieller Mountain-Bike-Helm genau das Richtige. Ein zusätzlicher Kinnschutz ist hingegen beim Crosshelm gegeben und Rennradhelme sind von Aerodynamik geprägt. 


Passform und Komfort beim Fahrradhelm

Trotz der Normen und hochwertigen Verfahren kann ein Helm nur vor Aufprallen schützen, wenn er gut sitzt und stets geschlossen ist. Um herauszufinden, welche Größe die richtige ist, dient der Kopfumfang als Orientierung. Während sich Größe S beispielsweise für einen Umfang von rund 55 bis 56 Zentimeter empfiehlt, sind es bei Größe XL zwischen 61 und 62 Zentimeter Kopfumfang. Allerdings handelt es sich hierbei lediglich um Richtwerte. Die optimale Größe ist individuell zu bestimmen und hängt auch von der Kopfform ab.

Größe S: Kopfumfang 55-56 cm
Größe M: Kopfumfang 57-58 cm
Größe L: Kopfumfang 59-60 cm
Größe XL: Kopfumfang 61-62 cm

Für maximale Sicherheit und Tragekomfort spielt der Kinngurt eine zentrale Rolle. Er muss sich einstellen lassen und sollte weder reiben noch einengen. Zwischen Riemen und Kinn passt im Idealfall ein Finger. Damit die Ohren nicht leiden, dürfen die Gurte das Hörorgan nicht überdecken. Belüftungsschlitze, Netze als Bienen- und Mückenabwehr sowie eine atmungsaktive Polsterung runden die Komfortausstattung gekonnt ab. Unter radworkshop.info hat die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) eine detaillierte Anleitung zur korrekten Einstellung eines Fahrradhelms veröffentlicht. Mit Hilfe von Fotos fällt die Vorgehensweise leicht.