Local Hero Augsburg: Profiboxer Robin Krasniqi

55 Kämpfe - 49 Siege

An der Zahl 55 Kämpfe, davon 49 Siege – auf diese Kampfstatistik kann der Profiboxer und EBU Champion Robin Krasniqi stolz zurückblicken. Im Alter von 15 Jahren fing der gebürtige Kosovare mit Karate an und begann zwei Jahre später nach seinem Umzug nach Deutschland mit dem Boxen. Seit November 2012 wird Krasniqi als Nummer Eins der Weltrangliste der „World Boxing Organization“ (kurz: WBO) geführt. Wir besuchten den symphatischen Profiboxer in seinem eigenen Boxgym in Gersthofen. Robin Krasniqi über seine Karriere, die enge Verbundenheit zu seiner Familie und seine Motivation im Alltag.

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Bild: TRENDYone
Haben Sie schon immer von einer Karriere als Profiboxer geträumt?

Als ich noch ein Kind war, habe ich immer die Boxlegenden gesehen. Schon damals war es ein Traum, sowas auch zu erleben. Damit hat mein Ziel, ein Profiboxer zu werden, begonnen. Am Anfang war die Hoffnung aber noch etwas kleiner, weil ich immer gesehen habe, dass Profiboxen extrem schwer ist. Da braucht man viele Kontakte und einen sehr guten Promoter.

Wie kamen Sie zum Boxen und wann fing alles an? 

Ich kam im Alter von 17 Jahren aus dem Kosovo und hatte damals nichts und konnte auch kein Wort Deutsch. Das war im November 2004 und dann habe ich auch direkt mit dem Boxen angefangen. Im Kosovo hatte ich die Möglichkeiten nicht, aber ich hatte immer meinen Traum im Kopf. Mein Vater lebte damals bereits in Deutschland und mir war klar, dass ich mit dem Boxen anfangen werde, sobald ich bei ihm bin. Ich startete also Anfang 2005 im besten Box-Club in München.

Was war Ihr bisher größter persönlicher Erfolg?

Dass meine Brüder und Schwestern mich als großes Vorbild sehen, bedeutet mir viel. Ich bin sehr eng mit meiner Familie und möchte, dass es allen immer gut geht. Es ist für mich das Größte, dass sie mich ganz oben sehen und mich jederzeit unterstützen.

Welche Talente sollte ein guter Boxer haben?

Ohne Talent geht es nicht. Aber um Profi zu werden, ist es mindestens genauso wichtig, einen starken Willen zu haben, Jahre lang konsequent und fleißig zu bleiben und sich auch von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen. Da ist es wie in jedem anderen Sport - Nur so kann man Erfolg haben.

Wie oft und wie lange trainieren Sie in der Woche?

Ich trainiere sehr intensiv. Pro Woche habe ich ungefähr 15 bis 16 Trainingseinheiten – also zwei bis drei Mal täglich. Wenn ein Kampf bevorsteht, trainiere ich aber nach einem genaueren Plan. Sonntag ist bei mir aber immer frei (lacht).

Haben Sie einen Geheimtipp, um fit zu bleiben (persönliches Powerfood)?
Lieber esse ich drei bis vier Mal täglich und dann aber nicht zu viel. Ich variiere nicht so sehr und mag es nicht gerne, feste Ernährungspläne durchzuhalten.

Haben Sie ein Vorbild?
Mein größtes Vorbild ist Muhammad Ali. Er beeindruckt mich als Mensch – also nicht nur bezogen auf seine sportliche Seite und seine Erfolge im Sport. Aber besonders an ihm ist natürlich, wie er als Boxer gekämpft hat und welche Erfolge er erzielt hat. Er hat so viel Herz gezeigt und sich geweigert, in den Krieg zu gehen. Er hat sich außerdem immer für die Freiheit des Menschen und für den Frieden eingesetzt. Ich selber versuche aber auch nicht nur im Sport, sondern auch in meinem Privatleben immer besser zu werden, als ich es gestern war.

Was halten Sie von Frauenboxen?
Früher dachten alle, dass es sich dabei immer um Kämpfen handelt. Das war echt eine schlechte Werbung für die Sportart. Natürlich ist Boxen ein sehr guter und intensiver Sport. Auch beim
Frauenboxen kann eine ganz andere Stärke gezeigt werden. Eine große Rolle spielt hier Koordination, Kondition und Stabilität. Jeder Muskel ist dabei in Bewegung. Das heißt also nicht automatisch, dass boxende Frauen auch „kämpfen“ wollen. Mit diesem Sport kann man sehr gut fit bleiben.

Was motiviert Sie in Ihrem Alltag als Profiboxer?

Boxen ist für mich die beste Lehre fürs Leben. Das motiviert mich jeden Tag. Auch wenn ich mal nicht mehr kann, gibt es immer einen Weg, weiterzumachen. Unser Motto ist, niemals aufzugeben – auch im eigenen Leben!

Wie steht Ihre Familie zu Ihrem außergewöhnlichen Beruf?

Oft wurde ich von meiner Familie gefragt, wann ich mal aufhöre. Immer, wenn ich im Ring bin, drehen alle halb durch. Meine Familie ist dann immer sehr emotional und hat Angst, dass mir etwas passiert. Ich weiß, dass ich sehr stark bin und mir nichts passieren wird. Auch wenn das Boxen mein Leben ist, fällt es meiner Familie oft extrem schwer. Auf der anderen Seite sind alle dennoch sehr stolz auf meine Erfolge.

Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?

Ich möchte meinen großen Traum erfüllen und mir den WM-Titel holen. Zum einen will ich erster bayrischer Weltmeister im Boxen sein aber gleichzeitig damit in die Geschichte im Kosovo eingehen.

Auf was sind Sie in Ihrem Leben besonders stolz?

Ich bin sehr stolz auf alles, was ich bisher geschafft habe. Ich versuche immer, gut mit jedem Menschen klarzukommen und niemandem etwas Schlechtes zu anzutun. Wenn ich helfen kann, tue ich das und es ist dabei ein großer Erfolg, Ruhe in sich zu tragen. Stolz bin ich aber auch auf das gute Verhältnis und die Harmonie innerhalb meiner Familie.