Ökotourismus - die neue Art zu reisen?

Eco, Bio, Healthy

Die Corona-Pandemie hat unsere Einstellung zum Reisen stark verändert – den Trend zum nachhaltigen Reisen gibt es aber schon länger. Dadurch sollen sowohl die Umwelt als auch die Einheimischen geschützt werden, der Luxus kommt aber trotzdem nicht zu kurz. Wir klären auf, was Ökotourismus eigentlich bedeutet, auf was bei Anreise, Unterkunft und Co. geachtet werden muss und welche Vor- und Nachteile es gibt.

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Bild: Adobe Stock / Nicola
Ökotourismus = Ferien auf dem Bauernhof? Falsch gedacht! Vielmehr sind damit Reisen mit Verantwortung gegenüber der Umwelt und der Bevölkerung gemeint – dazu gehören natürlich ein respektvoller Umgang mit Natur und mit Bewohnern der Zieldestination. Diese Form des Tourismus kam bereits in den frühen 60er Jahren in den USA auf: Schon damals erkannten einige engagierte Personen, dass Massentourismus der Umwelt sehr schadet und es dadurch auf Dauer unmöglich wird, die Natur in ihrer Ursprünglichkeit zu bewahren.

Was ist Ökotourismus?
Ökotourismus ist also eine ganz besondere Art des Reisens, bei der meist eher unentdeckte Naturgebiete zum Ziel werden, ohne dass das Ökosystem beschädigt wird und die Bevölkerung davon negative Folgen hat. Es ist somit als Gesamtkonzept zu verstehen und nicht rein auf die Natur festgelegt, wie es beim umweltfreundlichen Tourismus der Fall ist. 

Es gibt auch eine soziale Komponente. Aus wissenschaftlicher Sicht ist ein „ökologisch verantwortlicher Tourismus“ das Ziel. Erreicht werden soll das durch Maßnahmen zur Reduzierung von Umweltschäden und zur Verbesserung der Lebenssituation der lokalen Bevölkerung.

Wie geht nachhaltiges Reisen?
Mittlerweile betreiben fast 70 Millionen Menschen Ökotourismus und reisen an Orte mit sensiblen Ökosystemen, um zu ihrem Schutz beizutragen. Laut einer Studie von Utopia – einer der bekanntesten Online-Plattformen zum Thema Nachhaltigkeit – aus dem Jahr 2019, achten nach eigenen Angaben bei der An- und Abreise immerhin 47 Prozent der Reisenden auf Umweltschutz und etwas mehr als die Hälfte (53 Prozent) setzt auf umweltfreundliche Fortbewegung am Zielort. Am wichtigsten war den Befragten aber die Ernährung: Mehr als 58 Prozent gab an, besonderen Wert auf die Verpflegung mit regionalen und/oder Biolebensmitteln zu legen. Die Achtung von Umwelt- und Sozialstandards im Zielland und die Umweltfreundlichkeit der Unterkunft spielten hingegen eine eher nachgeordnete Rolle.

Die Anreise
Als Faustregel können Sie sich merken, dass man bei Distanzen unter 700 Kilometern nicht fliegen sollte. Wenn es nicht anders geht, sollte zumindest der CO²-Ausstoß des Fluges kompensiert werden – etwa bei Organisationen wie atmosfair. Innerhalb Deutschlands sowie innerhalb Europas sollten Sie ohnehin gut mit der Bahn oder dem Fernbus an das Urlaubsziel gelangen. Eine Möglichkeit ist auch die Nutzung von Mitfahr-Angeboten: Wenn Autos voll besetzt sind, minimiert sich die CO²-Bilanz pro Kopf deutlich.

Die Unterkunft
Bei der Buchung der Unterkunft können Sie sich vorab informieren, ob sich das Hotel an gewisse Nachhaltigkeitskriterien hält (steht meist auf der Homepage). Zudem sollte sich die Unterkunft nicht in einem geschützten Gebiet befinden, um die Landschaft nicht „zerstören“. Im Optimalfall sollten sämtliche Ressourcen während der Reise verantwortungsvoll genutzt werden: So kann zum Beispiel der Pool durch Sonnenenergie erwärmt oder das Abwasser nicht ungefiltert ins Meer abgelassen werden. Manche Hotels kaufen außerdem die verwendeten Lebensmittel in der Region, was den Einsatz von Flugwaren vermeidet und gleichzeitig die lokale Wirtschaft stärkt. All-Inclusive Angebote sind wiederum skeptisch zu sehen – sinnvoller ist es oftmals, außerhalb des Hotels Essen zu gehen und somit die lokale Wirtschaft und die Einheimischen zu unterstützen.

Die Aktivitäten vor Ort
Für Erkundungstouren sollten Sie am besten den öffentlichen Personennahverkehr nutzen. Beim Erkunden der Landschaft sollten Sie zudem auf befestigten Wegen bleiben, um nicht unnötig in die Natur einzugreifen. Zudem sollten Aktivitäten auch den lokalen Gegebenheiten entsprechen – Skifahren in der Wüste muss nun wirklich nicht sein! Selbiges gilt auch für Schwimmen mit Delfinen oder Reiten auf Elefanten: Häufig geht dies sehr zu Lasten der Tiere, weshalb Kontakt zu heimischen Tierarten wenn dann über den Besuch einer Auffangstation erfolgen sollte. Durch die Eintritts-Einnahmen unterstützen Sie gleichzeitig auch diese Projekte.

Die besten Öko-Reiseportale
Erfreulicherweise wächst die Anzahl an Öko-Reiseportalen, die sich mit dem Thema Ökotourismus auseinandersetzen. Beispielsweise listet die Seite Bio-Hotels über 80 Hotels in sechs europäischen Ländern, in denen auf Bio-Lebensmittel geachtet und regionale Erzeugung bevorzugt wird. Bookdifferent.com ist eine Plattform aus den Niederlanden, die für jede Buchung 50 Prozent der Buchungskommission für eine Wohltätigkeitsorganisation Ihrer Wahl spendet. Auf bookitgreen können europaweit nachhaltige Ferienunterkünfte gefunden und gebucht werden, wobei die Unterkünfte nach verschiedenen Aspekten (etwa hinsichtlich bestehender Zertifikate oder Nachhaltigkeitskriterien) bewertet werden. Alternativen zum üblichen Tourismus bietet außerdem Wirsindanderswo.de, die Website des Reisemagazins „Anderswo“. Weitere Öko-Reiseportale sind unter anderem fairunterwegs.org, Good Travel, Gutbürger.Reisen, Renatur, Viabono oder auch das Forum anders reisen.

Vorteile 
Vorteile sind neben dem Schutz der Umwelt auch die Stärkung der Wirtschaft und damit der Lebensqualität vor Ort. Es werden dort somit neue Arbeitsplätze geschaffen und gleichzeitig der interkulturelle Austausch und Respekt gefördert. Natürlich steht aber auch das Erlebnis des Reisens beim Ökotourismus im Vordergrund: Urlauber, die sich für diese Form entscheiden, erhalten einen sehr authentischen Einblick in das Leben und die Kultur der einheimischen Bevölkerung – dazu gehört auch der Genuss regionaltypischer Küche.

Nachteile
So gut die Absichten des Ökotourismus sein mögen: Auch er hat seine Grenzen. Die Entwicklung hin zu einem massentauglichen Reisetrend kann das Gegenteil dessen bewirken, wofür diese Art des Reisens eigentlich steht. Denn mit der wachsenden Nachfrage in zertifizierte Gebiete zu reisen, nimmt zwangsläufig auch der Eingriff in bis dahin teils noch unberührte Ökosysteme zu. Dies schädigt einerseits die Biodiversität und geht andererseits auch zu Lasten der Bevölkerung, die seit Jahrhunderten im Einklang mit der Natur lebt. Welche kritischen Ausmaße dies annehmen kann, zeigt das Beispiel der kalifornischen Kleinstadt Lake Elsinore: Die dort wachsende Goldmohn-Blüte löste durch hochgeladene Instagram-Fotos einen regelrechten Hype aus, der die komplette Stadt lahmlegte. 

Außerdem sind manche Ziele weiterhin nur mit dem Flugzeug erreichbar. Die wohl ökologischste Variante des Reisens ist daher natürlich ein Urlaub in der Heimat – der sich in Zeiten der Corona-Pandemie ohnehin anbietet. So sind hierzulande etwa die Alpen eine Top-Destination des Ökotourismus. Ein konkreter Nachteil für Urlauber ist auch der Preisfaktor: Ähnlich wie bei Bio-Lebensmitteln oder ökologischem Strom, ist das ökologische Reisen ebenfalls oft eine Frage des Geldes. Nachhaltigkeit ist leider immer noch vergleichsweise teuer und somit nicht für jeden erschwinglich. Wer trotz kleinem Budget möglichst nachhaltig verreisen möchte, kann auf Fernbus oder Bahn umsteigen und auf Unterkünfte ausweichen, die beispielsweise auf regenerative Energien setzen.

Ziele von Öko-Tourismus
Wie bereits erwähnt, stellen die Alpen eine tolle Kulisse für einen entspannten Urlaub in der Natur dar. Sowohl im Sommer als auch im Winter gibt es dort zahlreiche Möglichkeiten für sportliche Aktivitäten. Hier gibt es bereits erste Konzepte wie etwa Alpine Pearls, ein Zusammenschluss von 25 Tourismusorten in den Alpen, welche Mobilität ohne den Gebrauch eines Autos garantieren. Die Erreichbarkeit der Gegenden mit Bus oder Bahn, der Unterhaltungs- und Erholungsmöglichkeiten mit Mobilitätskarten und eine persönliche Betreuung stehen hier im Zentrum.

Eine Großstadt wie Berlin steht wohl nicht an erster Stelle, wenn Sie an einen Urlaub in Verbundenheit mit der Natur denken. Die vielen Badeseen und Grünanlagen, das öffentliche Verkehrsnetz sowie die Möglichkeit für eine Übernachtung im Bio-Hotel können aber auch eine Städtereise in die Hauptstadt nachhaltig gestalten. 

Die Insel Rügen bietet ebenfalls viele Möglichkeiten, wie Sie die verschiedenen nachhaltigen Reiseaspekte einbinden können. Aufgrund der geographischen Nähe können Sie ein Sparangebot der Bahn nutzen und sowohl günstig als auch umweltschonend anreisen. Baden im Meer, Wandern, Radfahren und Wassersport sind nur einige der vielen naturschonenden Beschäftigungen dort. Diese gibt es unter anderem auch in Baden-Württemberg, wo darüber hinaus vielfältige und besonders grüne Landschaften sowie kulinarische Spezialitäten und – vor allem im Schwarzwald – zahlreiche grüne Unterkünfte warten.

Fazit
Wie sich zeigt, gibt es – wie so oft – zwei Seiten der Medaille. Insgesamt bietet Ökotourismus jedoch eine tolle und nachhaltige Alternative zum herkömmlichen Reisen. Die Bestrebungen, Rücksicht sowohl auf die Umwelt als auch auf die Menschen zu nehmen und gleichzeitig ein authentisches und unvergleichliches Reiseerlebnis zu erhalten, werden bei dieser Form des Reisens bestmöglich umgesetzt. Weil Urlaub innerhalb Deutschlands ohnehin gerade am sichersten ist – sofern die Reisewarnungen und Beherbergungsverbote für Risikogebiete aufgehoben sind -  bietet sich eine nachhaltige Reise hierzulande gerade sehr an – und das ohne schlechtes Gewissen im Gepäck! |Text: Vera Mergle