PP Schwaben Süd/West stellt Kriminalstatistik 2020 vor

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Im Rahmen einer Online-Pressekonferenz stellten Polizeipräsidentin Dr. Claudia Strößner und der Leitende Kriminaldirektor Michael Haber am 11. März 2021 die Polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2020 vor. Dr. Claudia Strößner und Michael Haber konnten auch für 2020 ein positives Resümee in Bezug auf die Kriminalitätslage 2020 im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West ziehen. „Die Sicherheitslage in unserer Region ist nach wie vor sehr gut. Garant hierfür ist nicht nur die professionelle und engagierte Arbeit aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Polizeipräsidiums, sondern auch die stete Unterstützung der Bevölkerung, die unsere Arbeit durch Hinweise erleichtert“, so Polizeipräsidentin Dr. Strößner.

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Am 11.März stellte das Polzeipräsidium Schwaben Süd/West seine Kriminalstatistik 2020 der Presse vor.Bild: Jörg Spielberg/pixabay
Wie groß ist die Gefahr Opfer einer Straftat zu werden? – die Häufigkeitszahl

Die sogenannte Häufigkeitszahl (HZ) ist der Gradmesser für die Sicherheitslage einer Region und errechnet sich aus der Zahl der bekannt gewordenen Straftaten pro 100.000 Einwohner. Sie beschreibt, wie groß die Gefahr ist, Opfer einer Straftat zu werden und lässt einen direkten Vergleich mit anderen Regionen zu. 2020 erhöhte sich zwar die Häufigkeitszahl nach dem Allzeittief im letzten Jahr gering um 1,6 Prozent, lag aber mit unbereinigt 4.026 (bereinigt 3.684, +1,4 Prozent) noch deutlich unter dem Durchschnitt in Bayern. Der im Bundesvergleich bereits gute Wert Bayerns beträgt unbereinigt 4.528 (bereinigt 4.291).

Die Ermittlungserfolge der Polizei – die Aufklärungsquote

Ein weiterer Gradmesser ist die Aufklärungsquote. Diese spiegelt die Ermittlungserfolge der Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten wieder. Mit einem Spitzenwert von 74 Prozent wurden in unserem Zuständigkeitsbereich noch nie zuvor mehr Straftaten aufgeklärt. Der Trend geht seit 2011 anhaltend nach oben (Bayern 2020 68,1 Prozent, Bund 20191 57,5 Prozent). Aber auch bei den bereinigten Zahlen belegt die Aufklärungsquote einen neuen Spitzenwert im PP Schwaben Süd/West. (PP Schwaben Süd/West 2020 71,6 Prozent, Bayern 66,4 Prozent)

Der Leitende Kriminaldirektor Michael Haber erläuterte die Entwicklungen in einzelnen Deliktsbereichen und ging dabei insbesondere auf die Themen Gewaltkriminalität, Sexualdelikte, Internetkriminalität und Häusliche Gewalt ein.

Gewaltkriminalität

Unter dem Begriff Gewaltkriminalität werden unter anderem Mord, Totschlag, Vergewaltigung, Raub sowie schwere und gefährliche Körperverletzung zusammengefasst. Den größten Anteil daran nahmen im Jahr 2020 mit 80,8 Prozent die gefährliche und die schwere Körperverletzung ein, gefolgt von Raubdelikten mit 9,3 Prozent ein. Die Gewaltkriminalität hat, nach einem Rückgang im Jahr 2019, im vergangenen Jahr um 10,0 Prozent zugenommen. Die Kriminalitätshäufigkeit folgt dem bayernweiten Trend. Der Anteil an der Gesamtkriminalität ist mit 3,7 Prozent klein. Mit einem Anteil von über 25 Prozent waren Jugendliche und Heranwachsende in diesem Deliktsfeld, gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil, überproportional vertreten. Neun von zehn Gewaltdelikten konnten aufgeklärt werden.

Häusliche Gewalt

Die Häusliche Gewalt umfasst jegliche Form von physischer und psychischer Gewalt innerhalb von ehelichen und nichtehelichen Lebensgemeinschaften.
Die Anzahl der angezeigten Fälle von körperlicher, sexueller oder emotionaler Gewalt stieg in den letzten zehn Jahren um über 50 Prozent auf aktuell 1.576 Straftaten an. Dabei zeigten sich jährliche Schwankungen zwischen -6 und +24 Prozent. Konstante über die letzten Jahre hinweg: 80 Prozent der Täter sind männlich. Knapp 30 Prozent der Täter waren bei der Tatausführung alkoholisiert. Bei fast 40 Prozent der Taten im Bereich der Häuslichen Gewalt sind Kinder anwesend. Wie bei der Gesamtkriminalität beträgt auch hier der Anteil an nichtdeutschen Tatverdächtigen etwa 40 Prozent. Ursächlich für die Entwicklung der Fallzahlen dürfte aber eher die Aufhellung des hohen Dunkelfeldes bei Beziehungstaten, als eine tatsächliche Steigerung der Delikte sein. So zumindest die Erkenntnisse aus den gestiegenen Anfragen bei den polizeilichen Beratungsstellen. Immer mehr nehmen Beratungsangebote in Anspruch (+10,0 Prozent) und entscheiden sich anschließend zu einer Anzeigenerstattung bei der Polizei, auch wenn die Straftaten bereits einige Zeit zurückliegen.

Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung

Zu den „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ zählen etwa das Verbreiten pornografischer Schriften, der sexuelle Missbrauch von Kindern und Vergewaltigung. Ein direkter Vergleich der Zahlen ist aufgrund von Strafrechtsänderungen (2017) nur für die Jahre 2018 bis 2020 möglich. Nach einem starken Rückgang der Fallzahlen 2019 kam es im Jahr 2020 zu einer Steigerung um 42 Prozent. Der Anstieg der registrierten Sexualdelikte um 263 Fälle kann beinahe vollständig auf die Zunahme der Delikte Verbreitung pornografischer Schriften, Sexueller Missbrauch und Exhibitionistische Handlungen zurückgeführt werden. Dabei spielten das Internet, die sozialen Medien und Messangerdienste eine große Rolle. Eine Betrachtung der Delikte Besitz und Beschaffen von Kinderpornografie ergab, dass ein Anstieg der Zahlen überwiegend darauf beruht, dass sowohl das Tatmittel Internet zunimmt, als auch das Alter der Tatverdächtigen stetig abnimmt. Die Anzahl der Vergewaltigungen stieg, nach einer Abnahme im Jahr 2019, ebenfalls wieder an. Nach wie vor bestand bei mehr als Zweidrittel aller Fälle mit dem Täter eine Beziehung.

Straftaten mit Tatmittel Internet

Auch bei anderen Straftaten mit dem Tatmittel Internet werden seit Jahren Anstiege verzeichnet (Internetkriminalität 2020: 1.189 Fälle, +18,3 Prozent). Die Zunahme der Fallzahlen mit Tatmittel Internet folgte auch im Jahr 2020 dem jahrelangen Trend nach oben. In diesem Bereich dominierte der Waren- oder Warenkreditbetrug (454 Fälle, +13,8 Prozent). Die Polizeiliche Kriminalstatistik ist eine Tatortstatistik. Insofern werden nur Taten abgebildet, die im Bereich des PP Schwaben Süd/West verübt wurden. Gerade in diesem Deliktsbereich agieren viele Tatverdächtige im Ausland und werden deshalb von der Statistik nicht erfasst. Der seit Jahren steigende Trend zur Internetnutzung wurde offensichtlich durch die Corona- Pandemie noch verstärkt. Erhebliche Umsatzsteigerungen im Online-Handel brachten dabei einen deutlichen Anstieg von Straftaten im Bereich des Waren- und Warenkreditbetrugs im Internet mit sich.

Rauschgiftkriminalität

Der Deliktsbereich Rauschgiftdelikte umfasst all jene Delikte, die den verbotenen Umgang mit Rauschmitteln betreffen. Im Vergleich zum Jahr 2019 (3.576 Delikte) wurde eine Steigerung um 0,6 Prozent auf 3.599 Delikte verzeichnet. Dazu trägt auch die intensive Kontrolltätigkeit bei.
Den größten Anteil an den Betäubungsmittelaufgriffen bildeten mit 47,7 Prozent Cannabisprodukte, gefolgt von Amphetamin (10,4 Prozent) und Kokain/Crack (3 Prozent), sowie Heroin (1,8 Prozent). Jugendliche und Heranwachsende sind mit einem Anteil von 33,7 Prozent bei den Rauschgiftdelikten deutlich überproportional vertreten. 14 Rauschgifttodesfälle mussten im vergangenen Jahr registriert werden. (2019: 23 Drogentote)

Einbruchskriminalität

Die Fallzahlen sind im Jahr 2020 im Präsidiumsbereich Schwaben Süd/West von 2.793 auf 2.290 gefallen (-16,4 Prozent). Der Schaden blieb im Vergleich zum Vorjahr mit circa 3,8 Millionen Euro auf ähnlichem Niveau (-0,1 Millionen Euro).
Im Bereich der Wohnungseinbrüche stellen sich die Zahlen wiederum erfreulich rückläufig dar. Mit 208 Fällen nahm die Wohnungseinbruchskriminalität im Schutzbereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West im Vergleich zu 2019 (273 Fälle) erneut ab. Damit gingen die Fallzahlen seit einem Höchststand im Jahr 2016 zum vierten Mal in Folge um insgesamt 58,7 Prozent zurück, gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote im Vergleich zu 2019 um 5,7 Prozent an.
Diese rückläufige Entwicklung könnte darauf zurückzuführen sein, dass sich viele Personen im Homeoffice oder aufgrund Kurzarbeit vorwiegend zu Hause befanden, wodurch potentielle Täter abgeschreckt wurden. Darüber hinaus dürften die pandemiebedingten Grenzkontrollen ab Mitte März 2020 ein Hindernis für organisierte, reisende Tätergruppierungen dargestellt haben.

Der Callcenterbetrug
Ein Deliktsbereich, der die Polizei nach wie vor sehr beschäftigt, ist der Callcenterbetrug. Deshalb rückte Polizeipräsidentin Dr. Claudia Strößner dieses Kriminalitätsphänomen erneut in den Mittelpunkt. Bei diesen Betrugsmaschen tätigen organisierte Banden von überwiegend im Ausland eingerichteten Callcentern aus tausendfach Anrufe bei potentiellen Betrugsopfern. Sie versuchen, diesen unter Vortäuschen unterschiedlichster Sachverhalte Geld und Wertgegenstände zu entlocken. Die Täter geben sich hierbei zumeist als Polizeibeamte oder auch Verwandte in einer angeblichen Notlage aus. In vielen Fällen werden den Opfern auch Geld- oder Sachgewinne versprochen, die erst durch eine finanzielle Vorleistung ausgezahlt werden können. Oder es melden sich angebliche Mitarbeiter von Softwareunternehmen, blockieren den heimischen PC mit Schadsoftware und geben diesen erst nach Bezahlung wieder frei.
Über 1.700 registrierte Fälle, 47 erfolgreiche Taten und ein Beuteschaden in Höhe von insgesamt 610.000 Euro: So die Bilanz der Anrufbetrüger. Die Fallzahlen nahmen im Bereich des PP Schwaben Süd/West im Jahr 2020 erstmals nicht mehr zu, bewegen sich aber weiterhin auf einem hohen Niveau.
Bei der häufigsten Betrugsmasche der „Falschen Polizeibeamten“ wurden im vergangenen Jahr rund 1.354 Fälle zur Anzeige gebracht. Die Fallzahlen stiegen bei diesem Phänomen (2017: 243 Fälle) rasant an und erreichten im Jahr 2019 mit 1.950 Fällen ihren bisherigen Höhepunkt. Der entstandene Beuteschaden stieg 2020 auf über 400.000 Euro an. In dem schadensträchtigsten Fall Anfang Mai letzten Jahres, gelang es angeblichen Fahndern aus München, einen damals 83- jährigen Mann um über 100.000 Euro zu betrügen. Der Senior stand dabei über neun Tage in Kontakt mit den Tätern. Diese erlangten die Zugangsdaten des Mannes zu dessen Konto und überwiesen damit insgesamt 110.000 Euro von unterschiedlichen Bankkonten.