Studieren ohne Abitur

Alternative Wege in den Hörsaal

So schön war die Zeit. Wer sein Abitur in der Tasche hatte, nährt noch heute seinen Geist mit den fulminanten Geschichten und Erfahrungen seiner Abifahrt. Nicht selten werden die Pfundigsten davon von Hörsaal zu Hörsaal getragen. Und spätestens da fällt auf: Nicht alle können mitsprechen. Warum? Weil ein immer weiter wachsender Teil der Studenten nicht direkt von der Abiturprüfung in die Universitäten wandert, sondern mit beruflicher Erfahrung im Gepäck und ohne Abitur in die (Fach)Hochschulen pilgert. Wie das funktioniert und seit wann dies möglich ist, erklären wir Ihnen.

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Bild: adobe.stock

Möglichkeiten für ein Studium ohne Abitur

Die Nicht-Abiturienten nehmen jetzt Anlauf: Der Anteil der Studierenden ohne Fachhochschul- und Hochschulreife war im Jahr 2017 zwar leicht rückläufig, nun setzten die abiturlosen Studenten jedoch zum Sprung an: Bayern konnte auf diesem Gebiet ein erneutes Wachstum und somit auch seinen bisherigen Höchstwert erreichen. Ähnliches gilt auch für die Entwicklung bei den Studienanfänger(innen) und Absolvent(inn)en ohne Abitur. Bravissimo – doch einen kleinen Dämpfer gibt es. Trotz dieser positiven Entwicklungen liegt Bayern mit seinen Beteiligungsquoten insgesamt unter dem Bundesdurchschnitt und befindet sich im Bundesländervergleich im Mittelfeld. Der Freistaat bietet allerdings weitreichende rechtliche Möglichkeiten für ein Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife. So können beispielsweise Personen mit einer Berufsausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung statt einer Eingangsprüfung auch ein Probestudium absolvieren.

In Baden-Württemberg ist die Beteiligung am Studium ohne allgemeine Hochschul- und Fachhochschulreife hingegen relativ schwach ausgeprägt. Aktuelle Zahlen zeigen zwar, dass Baden-Württemberg in diesem Sektor zwar neue Höchstwerte in den Bereichen Studienanfänger(innen) und Studierende erreicht, dieses Bundesland jedoch im Vergleich weiterhin zu den Schlusslichtern zählt. Seine Quoten liegen deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Beruflich Qualifizierte mit Aufstiegsfortbildungen können nach einem Beratungsgespräch an der Hochschule ihrer Wahl studieren. Studieninteressierte mit Berufsausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung müssen zusätzlich eine Eignungsprüfung bestehen, um die fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung zu erhalten.
Zunehmend auf sich aufmerksam machen die privaten Hochschulen, an denen zukünftige Studenten mitunter ohne Abitur und ohne Erststudium zu einem weiterbildenden Masterprogramm zugelassen werden können. Selbst berufsbegleitende Bachelor- und Masterstudienprogramme sind längst nicht immer an das Abitur geknüpft. Mittlerweile sorgt die Forderung nach lebenslangem Lernen und der in sich geankerte Aufstiegswille der Arbeitnehmer für das Entstehen kreativer Geschäftsmodelle.

Seit wann ist das Studieren ohne Hochschulreife möglich?

Wer sich vor einigen Jahren den Traum eines Studiums erfüllen wollte, musste noch ordentlich Anlauf nehmen. Denn die Hürde Abitur war nahezu unüberwindbar. 2009 wurde sie durch die Kultusminister fallen gelassen und somit auch der Weg zur Universität oder Fachhochschule für Nicht-Abiturienten frei gemacht. Die 16 Bundesländer stiegen alle auf denselben Zug auf, nur siedelten sie sich in unterschiedlichen Waggons an, was die Zugangsvoraussetzungen anging. Denn Bildungspolitik ist Ländersache. Deshalb unterscheiden sich diese Voraussetzungen und Bewerbungsmodi von Bundesland zu Bundesland, manchmal sogar innerhalb eines Landes von Hochschule zu Hochschule. Auf der Suche nach einer „offenen“ Hochschule mit zum Beruf passendem Studienfach sind Ärmel hochkrempeln und ausdauernde Recherche keine Seltenheit.
Nice to know: künstlerische Ausnahmetalente dürfen studieren – egal, wo und wie lange diese vorher zur Schule gegangen sind. Vorraussetzung ist die Zustimmung der jeweiligen Film-,  Kunst-, Theater- und Musikhochschule.

Informationsquellen

Es heißt ja bekanntlich, dass wir nicht alles wissen müssen, sondern nur, wo es steht. Auf der Webseite des CHE (Centrum für Hochschulentwicklung) www.Studieren-ohne-Abitur.de sind die landespezifischen Regelungen aufgeführt. Zudem wurde dort ein Arbeitspapier zu den aktuellen Entwicklungen beim Studium ohne Abitur veröffentlicht.

Die Internetseite www.weiter-studieren-in-bayern.de vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus hilft Ihnen beim Einholen von Informationen, sollten Sie noch ein paar Lücken zum Thema Studium ohne Abitur gefunden haben. Zur Vorbeugung, dass in dieser Hinsicht alles luftdicht verschlossen ist, schauen Sie auf www.studium-ohne-abi.de vorbei. Dort können Sie Ihr gewünschtes Bundesland auswählen und mit den dortigen Bedingungen für ein Studium als Nicht-Abiturient*in die letzten Lücken auspolstern.
Henry Ford, Gründer des Automobilhersteller Ford Motor Company, sagte einmal, dass wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen viel Ausdauer und persönlichen Spaß bei Ihrem Bildungsvorhaben. |Text: Stefanie Steinbach

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