Viele Badeanstalten im Allgäu weiterhin geschlossen

«Theoretisch Ja – Praktisch Nein»

„Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein und dann nischt wie hin zum Wannsee." Dieser Hommage eines deutschen Schlagers an sommerliche Badefreuden lässt sich diesen Frühsommer wohl nicht so beschwingt singen, wenngleich zum 8. Juni die Bayerische Staatsregierung offiziell die Frei-, See-, Moor- und Kneippbäder nach verordneter Schließung zur Öffnung freigegeben hat. Denn auch im Allgäu gelten die weitreichenden Einschränkungen, die verhindern sollen, dass sich in Badestätten Hotspots von Neuinfektionen mit dem Corona-Virus bilden. Grundsätzlich wird die Besucherzahl begrenzt, die Umkleidekabinen bleiben zum großen Teil geschlossen und die Betreiber müssen ein strenges Hygienekonzept vorlegen. Zudem gilt in geschlossenen Räumen, im Eingangsbereich und den Sanitäranlagen die Maskenpflicht, Gemeinschaftsumkleiden und Duschräume bleiben vorerst zu und die Anzahl von Personen auf Liegewiesen und in den Becken ist begrenzt. Außerdem müssen Gäste ihre Namen und ihre Telefonnummer oder E-Mail-Adresse hinterlassen, damit im Fall von Neuinfektionen mit dem Coronavirus die Infektionsketten überprüft werden können. Kinder unter 14 Jahren dürfen vorerst nur in Begleitung von Erwachsenen die Badeanstalten betreten

cropped-1591892345-becken1
Anders als in Memmingen und Kaufbeuren, bleibt Kemptens Freibad (vorerst) geschlossen.Bild: Jörg Spielberg
Vielerorts kein Badevergnügen

Diese strikten Vorgaben aus München sind wohl ursächlich dafür verantwortlich, dass viele Allgäuer Frei- und Seebäder zum Stichtag 8. Juni ihre Pforten für Badegäste geschlossen halten. „Ich kann bei diesen strengen Vorgaben meinen Badebetrieb nicht für Publikum öffnen, zumal ich beim Auftreten von Infektionen mit dem Corona-Virus persönlich in Haftung genommen werde.", sagt der Betreiber eines beliebten Seebades 10 Minuten südlich von Kempten. Auf die Frage, ob in diesem Jahr überhaupt am See gebadet werden kann, antwortet der Betreiber spitzbübisch: „Warten wir auf die erste große Hitzewelle und schaun, was die Leut sagen." Auch das beliebte Freibad in Kempten, dass dem Freizeitbad Cambomare angegliedert ist, bleibt vorerst geschlossen, wie es der Vorstand der Kemptener Kommunalunternehmen KKU Thomas Siedersberger gemeinsam mit Oberbürgermeister Thomas Kiechle auf einer Pressekonferenz Anfang Juni verkündete. „Zur Überwachung der Hygienemaßnahmen wäre bei weniger zahlenden Besuchern mehr Personal nötig. Das ist unwirtschaftlich.", so Thomas Siedersberger bei der Pressekonferenz. Allerdings stellte er bei einer positiven Gesamtentwicklung eine mögliche Öffnung des Freibades für dieses Jahr doch noch in Aussicht. Dieses würde allerdings einen Vorlauf von zwei Wochen benötigen.

Mutige voran!

Auf Nachfrage von TRENDYone gaben viele Betreiber von Badeanstalten bekannt, dass ihre Badeeinrichtungen erst im Hochsommer (ab Juli) öffnen werden oder in diesem Jahr ganz geschlossen bleiben. So wird laut Beschluss des Sonthofener Stadtrats das Freibad Altstätten in diesem Jahr geschlossen bleiben. Auch das Wonnemar in Sonthofen bleibt bis auf weiteres geschlossen. Das Strandbad Hauser am Ostufer des großen Alpsees in Immenstadt öffnet erst im Juli, in Oberstdorf ist ab dem 20. Juni das Naturbad Freibergsee geöffnet und in Wertach lädt ab Ende Juni bei guter Witterung das örtliche Freibad zum Baden ein. Geöffnet haben auch wieder die Naturfreibäder in Reichenbach und Oberstdorf. Ebenfalls zum Baden lädt der Rottachspeicher oberhalb von Sulzberg ein. Hier gilt neben den aktuellen Hygienebestimmungen (s. oben) zudem ein Grillverbot. Auch nördlich von Kempten tut sich etwas. Das Freibad in Dietmannsried startet am 13. Juni seinen Regelbetrieb und in Memmingen öffnet das Freibad im Schichtbetrieb, d.h. es werden drei Zeitfenster am Vormittag, Nachmittag und frühen Abend für Badegäste eingerichtet. Insgesamt ist die Besucherzahl auf 400 Personen beschränkt. Tickets müssen vorab online bestellt werden. Auch in Kaufbeuren im Ostallgäu wird Schwimmen im städtischen Freibad ab dem 15. Juni möglich sein. Grundlage hierfür ist ein eigens erstelltes Hygienekonzept. Geschlossen bleiben bis auf weiteres die Naturbäder in der Gemeinde Buchenberg und das Freibad in Wiggensbach. Bedingt durch den kostenlosen Eintritt, nicht vorhandenes Aufsichtspersonal und fehlende Umwälzungsvorrrichtungen bei den Bassins können in Wiggensbach die strengen Vorgaben zur Öffnung des Bades nicht erfüllt werden.

Widerstand regt sich

Der Gesundheits- und pflegepolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bayerischen Landtag und Kemptener Stadtrat Dr. Dominik Spitzer widerspricht der Meinung der Verantwortlichen bei der Stadt Kempten, dass das Freibad in der Allgäumetropole diese Saison geschlossen bleibt. Mit seinem Antrag vom 6. Juni dieses Jahres zur zeitnahen Öffnung des Stadtbades an den Kemptener Oberbürgermeister Thomas Kiechle möchte der Mediziner erreichen, dass die Kemptener Bevölkerung, die „in den letzten Wochen große Entbehrungen auf sich genommen hat und damit u.a. erreicht hat, dass seit ca. 5 Wochen in Kempten keine Covid-19 Neuerkrankungen registriert wurden" mit einer Öffnung des Freibades zum nahen Hochsommer hin belohnt werden. Natürlich soll auch dieses nur unter Berücksichtigung eines entsprechenden Hygienekonzeptes geschehen. Spitzer schreibt: „Für viele Kemptener Bürger ist dies ein Stück Lebensqualität und der Weg zurück zur Normalität. Das zu erwartende Defizit ist meiner Meinung nach weniger bedeutend, wie der Gewinn an Lebensqualität unserer Einwohner." Der niedergelassene Haus- und Betriebsarzt spricht sich auch aus infektiologischer Sicht für die Öffnung des Freibades aus, da er früchtet, dass sonst zu viele Bürger unkontrolliert auf umliegende Weiher und Seen ausweichen könnten. „Im Freibad in Kempten ist zudem das Wasser gechlort und es gibt die Möglichkeit separate Zeitfenster für bestimmte Gruppen von Badegästen einzurichten. Am Vormittag die Schwimmer, am Nachmittag Familien.", schlägt es Dr. Dominik Spitzer vor. Grundsätzlich, so weiss Dr. Spitzer zu bestätigen, nervt viele Bürger zunehmend, dass zwar durch die Landesregierung pro forma Lockerungen vollzogen werden, diese aber de jure mit so starken Einschränkungen versehen sind, dass sie eine Rückkehr zur Normalität, wie in der Gastronomie oder im Bildungswesen, verunmöglichen.