Was ist eigentlich Shinrin-yoku?

Waldbaden & Co. für die Gesundheit

Ein Geschäftsessen hier, zwei wichtige Telefonkonferenzen dort und dann müssten eigentlich auch längst Termine für den jährlichen Zahnarztbesuch oder das lang geplante Treffen mit den Schulfreunden ausgemacht sein – heutzutage haben wir oftmals mit einer Vielzahl an Verpflichtungen, Terminen und demzufolge stressigen Situationen zu tun. Gerade in den lauten Großstädten kommen wir leider selten zur Ruhe, weshalb ein Spaziergang im Wald beispielsweise sehr entspannend sein kann.

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Die von Pflanzen ausgeströmten Phytonzide sind organische Verbindungen mit einer Vielzahl an positiven Auswirkungen.Bild: stock.adobe.com
In Japan gibt es dafür mit „Shinrin-yoku“ (Waldbaden) ein ganz eigenes Konzept zur Naturtherapie und Erholung. Doch was steckt hinter der Idee und ist das wirklich so gesundheitsfördernd?

Wir kennen diese langen Arbeitswochen, in denen wir die vielen Ereignisse gar nicht richtig verarbeiten können, sondern aufgrund der Erschöpfung abends stets todmüde ins Bett fallen. Richtig zur Ruhe kommen ist nicht gerade leicht – warum daher also nicht einfach mal die Idee des Shinrin-yoku ausprobieren? Dabei können wir dem hektischen Stadtleben entkommen, Entspannung finden und das alles völlig kostenlos!

Was ist Shinrin-yoku überhaupt?

Übersetzt bedeutet der Begriff so viel wie „Baden in der Waldluft“, geprägt wurde er bereits im Jahr 1982. Natürlich können wir nicht wirklich in einem Wald baden, viel eher ist damit das Eintauchen in die dortige Stille und Unberührtheit gemeint. Allerdings bezeichnet Shinrin-yoku keineswegs einen einfachen Spaziergang, sondern es soll eine intensive und bewusste Beschäftigung mit dem Wald und seiner Atmosphäre stattfinden. Dadurch können sich der Geist erholen, die Sinne stimuliert und vor allem der Zustand des Körpers durch Stressreduktion verbessert werden. 

Geschichtlicher Hintergrund

Doch wie kam es eigentlich zu diesem Konzept? In Japan mit seinen vielen Wäldern ist die Verbundenheit zur Natur schon lange sehr wichtig. 1982 hat das dortige Ministerium für Landwirtschaft, Forsten und Fischerei eine große Marketing-Kampagne gestartet, um die Bevölkerung dazu zu bewegen, mehr Zeit in der Natur zu verbringen – dabei entstand dann der Begriff Shinrin-yoku. 

Acht Jahre später hat ein Professor namens Miyazaki Yoshifumi eine erste Feldstudie zu diesem Thema durchgeführt. Dabei fand er einen Zusammenhang zwischen längeren Aufenthalten im Wald und einer reduzierten Zahl an Stresshormonen heraus. Von diesem Zeitpunkt an wurde weitere Forschung betrieben, um die angenommenen gesundheitlichen Einflüsse des Waldbadens auch auf wissenschaftlicher Basis zu belegen. Mittlerweile wird in Japan jährlich mehr als fünf Millionen gestressten Großstädtern das Waldbaden als medizinische Therapie verordnet.

Und was soll das nun genau bringen?

Klar, ein Spaziergang in der freien Natur hat prinzipiell positive Auswirkungen durch die moderate Bewegung und die frische, saubere Luft. Doch Shinrin-yoku legt bei den gesundheitlichen Vorteilen noch eine Schippe drauf. So konnte eine weitere Untersuchung zeigen, dass Waldbaden zum Beispiel auch bei Bluthochdruck helfen kann: Während 140 Teilnehmer für einige Stunden durch die Stadt liefen, unternahmen 140 andere einen Waldspaziergang – die zweite Gruppe wies bei einer anschließenden Untersuchung einen weitaus niedrigeren Blutdruck auf als die restlichen Probanden. Zudem waren ihr Stresshormonpegel sowie der Puls auf einem gesunderen Level.

Die Phytonzide machen’s aus

Und wie lässt sich der gesunkene Stresspegel nun genau erklären? Dahinter stecken unter anderem die sogenannten Phytonzide. Diese organischen Verbindungen werden von Pflanzen ausgeströmt, um Insekten, Pilze und Bakterien abzuwehren. Wenn der Mensch sie einatmet, werden sein Blutdruck sowie die Aktivitäten des präfrontalen Kortex gesenkt. Außerdem lösen Phytonzide ein Gefühl der Ruhe aus, verringern das Stresshormon Cortisol und verbessern die Herzfrequenzstabilität. 

Waldbaden gegen Krebs?

Doch die organischen Verbindungen können sogar noch mehr: Sie haben laut Untersuchungen einen positiven Einfluss auf die Zahl und die Aktivität der natürlichen Killerzellen, die ihrerseits Proteine zur Bekämpfung von Krebszellen freisetzen. Nach einem Besuch im Wald hält der Zustand der erhöhten Killerzellen nachweislich mindestens eine Woche an – somit soll regelmäßiges Waldbaden auch präventiv der Bildung von Krebs entgegenwirken.

Fazit: Ab in den Wald mit Ihnen!

Ob wissenschaftlich belegt oder nicht, ein Waldspaziergang ist in jedem Fall erholsam und schafft Abwechslung und Entspannung vom stressigen Alltag. Gönnen Sie sich einfach hin und wieder diese besondere Auszeit, lassen Sie Smartphone, Tablet und lästige Gedanken an bevorstehende Termine zuhause und drehen Sie eine (oder mehrere) Runden im nächstgelegenen Wäldchen! |Text: Vera Mergle