Wenn Roboter den Haushalt übernehmen: Was sie heute schon können – und was die Zukunft bringt

Haushalt 2.0

Saugroboter gehören längst zum Alltag, doch inzwischen können Roboter weit mehr Aufgaben im Haushalt übernehmen. Vom Fensterputzen bis zum Rasenmähen wächst das Angebot stetig. Gleichzeitig entstehen erste Modelle, die künftig sogar verschiedene Hausarbeiten erledigen sollen. Doch wie weit ist die Technik wirklich?

cropped-1792667376-bildschirmfoto-2026-10-22-um-13.09.25
Bild: stock.adobe, Generiert mit KI
Was sind Haushaltsroboter?
Haushaltsroboter sind Service-Roboter, die Aufgaben im privaten Haushalt selbstständig oder weitgehend selbstständig erledigen. Anders als klassische Haushaltsgeräte führen sie dabei nicht nur eine vorgegebene Funktion aus, sondern können ihre Umgebung erfassen und darauf reagieren. Dafür nutzen sie je nach Modell beispielsweise Kameras, Laser- oder andere Sensoren.

Die Einsatzmöglichkeiten sind inzwischen vielfältig. Am bekanntesten sind Saug- und Wischroboter, die selbstständig durch die Wohnung fahren und Böden reinigen. Daneben gibt es unter anderem Roboter zum Fensterputzen, Rasenmähen oder Reinigen von Pools. Die meisten heutigen Haushaltsroboter sind damit Spezialisten: Sie sind für eine bestimmte Aufgabe entwickelt und können diese zunehmend selbstständig erledigen. Ein Roboter, der ganz unterschiedliche Hausarbeiten übernimmt, ist dagegen bislang noch die Ausnahme.

Saug- und Wischroboter – die Haushaltsroboter sind längst angekommen
Saug- und Wischroboter sind die mit Abstand bekanntesten Haushaltsroboter – und mittlerweile in vielen Wohnungen angekommen. In Deutschland nutzen laut einer repräsentativen Bitkom-Umfrage vom August 2026 inzwischen 33 Prozent der Befragten einen Staubsauger-Roboter; 2024 waren es noch 26 Prozent. Auch weltweit wächst der Markt: Laut dem Marktforschungsunternehmen IDC wurden 2025 rund 24,1 Millionen Saugroboter ausgeliefert, 17,1 Prozent mehr als im Vorjahr.

Dabei haben sich die Geräte technisch deutlich weiterentwickelt. Frühe Modelle bewegten sich teilweise noch nach vergleichsweise einfachen Mustern durch den Raum und änderten etwa ihre Richtung, wenn sie auf ein Hindernis stießen. Moderne Geräte können dagegen ihre Umgebung erfassen und detaillierte Karten der Wohnung erstellen. Je nach Modell kommen dafür beispielsweise Kameras oder Lasersensoren zum Einsatz. So können die Roboter ihre Route gezielter planen, einzelne Räume erkennen und bestimmte Bereiche bei der Reinigung auslassen.

Auch bei der eigentlichen Reinigung leisten moderne Geräte mehr: Viele Modelle saugen nicht nur Staub und Schmutz auf, sondern verfügen zusätzlich über eine Wischfunktion. Einige Geräte können außerdem Hindernisse erkennen und beispielsweise Möbeln oder herumliegenden Gegenständen ausweichen. Andere Modelle erkennen auch Teppiche und passen die Reinigung daran an, indem sie beispielsweise ihre Wischpads anheben.

Noch selbstständiger werden Saug- und Wischroboter durch ihre Basisstationen. Während diese ursprünglich vor allem zum Aufladen des Akkus dienten, übernehmen moderne Servicestationen je nach Modell weitere Arbeitsschritte. Sie können beispielsweise den Staubbehälter des Roboters automatisch entleeren oder die Wischpads reinigen. Einige Stationen verfügen dafür mittlerweile über eigene Wasser- und Staubtanks.

Wie umfangreich diese Ausstattung ausfällt, macht sich allerdings beim Preis bemerkbar. Die von Stiftung Warentest aktuell untersuchten Saug- und Wischroboter kosten zwischen rund 240 und 1.300 Euro. Vor allem Modelle mit umfangreichen Servicestationen können entsprechend teuer sein. Ein hoher Preis garantiert jedoch nicht automatisch eine besonders gute Reinigung: Stiftung Warentest stellte bei den untersuchten Geräten deutliche Unterschiede fest und bemängelte bei vielen Modellen insbesondere die Wischleistung.

Vollständig autonom sind Saug- und Wischroboter ohnehin noch nicht. Kabel, kleine Gegenstände, hohe Türschwellen oder schwer zugängliche Stellen können je nach Modell weiterhin Probleme bereiten. Treppen können die Geräte in der Regel ebenfalls nicht selbst überwinden. Außerdem müssen Roboter und Station weiterhin regelmäßig gewartet und beispielsweise Bürsten oder Behälter gereinigt werden. Der klassische Staubsauger ist deshalb noch nicht zwangsläufig überflüssig.

Fensterputzroboter – ein Markt wächst rasant
Während Saugroboter bereits in vielen Haushalten zum Alltag gehören, sind Fensterputzroboter noch deutlich weniger bekannt. Das könnte sich jedoch ändern: Weltweit wurden 2025 laut dem Marktforschungsunternehmen IDC rund 2,37 Millionen Fensterputzroboter ausgeliefert. Das waren 70,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit gehört dieser Bereich aktuell zu den am schnellsten wachsenden Kategorien bei Haushaltsrobotern.

Das Prinzip unterscheidet sich deutlich vom Saugroboter. Fensterputzroboter werden direkt auf die Glasscheibe gesetzt und halten sich dort durch Unterdruck fest. Anschließend bewegen sie sich selbstständig über die Scheibe und reinigen diese mithilfe von Mikrofasertüchern. Je nach Modell wird zusätzlich Wasser oder Reinigungsflüssigkeit auf das Fenster gesprüht. Sensoren helfen dabei, die Grenzen der Fläche zu erkennen und die Reinigungsroute zu bestimmen.

Trotzdem funktioniert das Fensterputzen noch nicht völlig ohne menschliche Hilfe. Der Roboter muss in der Regel auf jedes Fenster einzeln gesetzt und nach der Reinigung wieder abgenommen werden. Viele Geräte benötigen außerdem eine Steckdose in der Nähe und werden zusätzlich mit einem Sicherungsseil gegen einen möglichen Absturz geschützt. Ein Notfallakku sorgt bei entsprechenden Modellen dafür, dass der Roboter bei einem Stromausfall nicht sofort den Halt verliert.

Wie gut die Technik inzwischen funktioniert, hängt stark vom jeweiligen Gerät ab. In einem von Stiftung Warentest aufgegriffenen Test des Schweizer Verbrauchermagazins „Saldo“ wurden zehn Fensterputzroboter untersucht. Gute Modelle reinigten die Scheiben dabei ohne Schlieren bis in die Ecken und benötigten für zwei Quadratmeter Glas weniger als acht Minuten. Andere Geräte hinterließen dagegen Schlieren oder brauchten für dieselbe Fläche fast eine Viertelstunde. Besonders sinnvoll sind die Roboter laut Stiftung Warentest auf großen, zusammenhängenden Glasflächen. Bei vielen kleinen oder unterteilten Fenstern fällt dagegen häufiges Umsetzen an.

Damit sind Fensterputzroboter derzeit noch weniger selbstständig als Saug- und Wischroboter. Gleichzeitig zeigen die stark steigenden Auslieferungszahlen, dass aus dem Nischenprodukt zunehmend eine eigene Kategorie der Haushaltsrobotik wird. IDC sieht unter anderem große Glasflächen in modernen Wohngebäuden sowie den Wunsch nach einer sichereren automatisierten Reinigung als Gründe für die steigende Nachfrage. Die Entwicklung geht zudem in Richtung kabelloser Geräte, stärkerer Saugleistung und intelligenterer Navigation.

Welche Haushaltsroboter gibt es außerdem?
Haushaltsroboter beschränken sich längst nicht mehr auf die eigenen vier Wände. Ein überraschender Blick auf die Auslieferungszahlen zeigt allerdings: Mähroboter, die schon seit Jahren zum vertrauten Bild in Gärten gehören, werden weltweit inzwischen seltener ausgeliefert als Fensterputzroboter. Während 2025 rund 2,37 Millionen Fensterputzroboter ausgeliefert wurden, waren es laut IDC rund 1,99 Millionen Mähroboter. Allerdings wächst auch dieser Markt stark: Die Zahl der ausgelieferten Mähroboter stieg gegenüber dem Vorjahr um 63,8 Prozent.

Technisch hat sich hierbei einiges verändert. Klassische Mähroboter benötigen meist einen Begrenzungsdraht, der die zu mähende Fläche vorgibt. Neuere Geräte können sich dagegen beispielsweise mithilfe von Kameras, Satellitennavigation oder LiDAR orientieren und kommen ohne Begrenzungskabel aus. Rund zwei Drittel der 2025 ausgelieferten Geräte gehörten laut IDC bereits zu diesen kabellosen Modellen. Fortschritte bei der Navigation machen die Installation damit zunehmend einfacher.

Noch etwas häufiger wurden 2025 Roboter für fest eingebaute Pools ausgeliefert: Weltweit waren es laut IDC rund 2,75 Millionen Geräte. Poolroboter fahren selbstständig durch Schwimmbecken und entfernen Schmutz vom Boden, je nach Modell auch von den Wänden oder entlang der Wasserlinie. Mehr als die Hälfte der 2025 ausgelieferten Geräte arbeitete bereits kabellos mit einem Akku. Zunehmend kommen außerdem Funktionen wie eine gezieltere Navigation oder die Steuerung per App hinzu.

Daneben existieren deutlich kleinere Nischen. Die International Federation of Robotics zählt beispielsweise auch Roboter zur Grillreinigung oder zur Reinigung von Höfen und anderen Außenflächen wie beispielsweise Dachrinnen zu den Haushaltsrobotern.

Was heute noch ungewöhnlich ist
Während solche Nischenroboter sowie Saug-, Fensterputz- oder Mähroboter bereits klar abgegrenzte Arbeiten übernehmen, sollen andere Systeme deutlich komplexere Aufgaben bewältigen. Dazu gehören beispielsweise Assistenzroboter, die ältere Menschen oder Menschen mit körperlichen Einschränkungen im Alltag unterstützen. Sie sollen etwa bei der Fortbewegung helfen oder Gegenstände greifen und bewegen können. Die International Federation of Robotics (IFR) führt solche Geräte in der Kategorie „Care at Home“.

Von einem Massenmarkt ist dieser Bereich allerdings noch weit entfernt. Für 2024 erfasste die IFR lediglich 536 verkaufte „Care at Home“-Roboter. Zum Vergleich: Insgesamt wurden im selben Jahr knapp 20,1 Millionen Service-Roboter für Verbraucher registriert. 97 Prozent davon entfielen auf Roboter für Haushaltsaufgaben. Die Zahlen beruhen allerdings auf den von der IFR erfassten Herstellermeldungen und bilden den weltweiten Markt nicht vollständig ab.

Ein Grund für den großen Unterschied liegt in den Aufgaben selbst. Einen Boden zu saugen oder einen Rasen zu mähen, lässt sich vergleichsweise klar eingrenzen. Ein Assistenzroboter muss dagegen in einer ständig wechselnden Umgebung zurechtkommen und direkt mit Menschen interagieren. Damit steigen laut IFR auch die Anforderungen an Sicherheit und Zuverlässigkeit.

Noch anspruchsvoller wird es, wenn ein Roboter nicht nur bei einzelnen Tätigkeiten helfen, sondern ganz unterschiedliche Aufgaben im Haushalt übernehmen soll. Genau daran arbeiten derzeit mehrere Robotikunternehmen. Statt eines Spezialisten für Boden, Fenster oder Rasen könnte damit künftig ein Roboter entstehen, der flexibel dort hilft, wo er gerade gebraucht wird.

Die Zukunft: Ein Roboter für alles?
Einige Entwickler setzen deshalb auf sogenannte humanoide Roboter, die dem menschlichen Körper nachempfunden sind und ganz unterschiedliche Aufgaben übernehmen sollen. Auch die Bevölkerung scheint dieser Entwicklung nicht grundsätzlich abgeneigt zu sein: Der erwähnten Bitkom-Umfrage zufolge stehen 48 Prozent der Befragten dem Einsatz KI-gesteuerter humanoider Roboter im Haushalt offen gegenüber. 

Ein aktuelles Beispiel für diese Entwicklung ist NEO des Robotikunternehmens 1X. Der humanoide Haushaltsroboter besitzt zwei Arme und Hände und soll nach Angaben des Herstellers unter anderem Wäsche falten, Regale ordnen und Gegenstände wegräumen können. Erste Geräte sollen 2026 an Kunden in den USA ausgeliefert werden. Der Preis für den sogenannten Early Access liegt bei 20.000 US-Dollar.

Dass dabei ausgerechnet die menschliche Körperform eine wichtige Rolle spielt, hat einen einfachen Grund: Wohnungen sind für Menschen gebaut. Treppen, Türklinken, Lichtschalter, Schränke oder Küchengeräte lassen sich mit Armen und Händen bedienen. Auch die International Federation of Robotics sieht darin einen wichtigen Vorteil humanoider Systeme: Sie könnten sich in einer bereits für Menschen gestalteten Umgebung bewegen und vorhandene Gegenstände nutzen, ohne dass Wohnungen speziell für Roboter umgebaut werden müssen.

Eine Schlüsselrolle spielt dabei künstliche Intelligenz. Sie soll Robotern ermöglichen, ihre Umgebung besser wahrzunehmen, Sprache zu verstehen und auf neue Situationen zu reagieren. Maschinelles Sehen hilft beispielsweise dabei, Gegenstände zu erkennen und visuelle Informationen zu verarbeiten. Sprachmodelle können wiederum dazu beitragen, gesprochene Anweisungen zu verstehen.

Von einem universellen und vollständig selbstständigen Haushaltshelfer ist die Technik allerdings noch entfernt. Auch NEO verfügt zum Start laut 1X nur über grundlegende autonome Fähigkeiten. Gerade alltägliche Wohnungen stellen Roboter vor schwierige Aufgaben: Gegenstände liegen an wechselnden Orten, Kleidung ist weich und verformbar, Gläser sind zerbrechlich und Menschen oder Haustiere bewegen sich unvorhersehbar durch den Raum.

Hinzu kommen Fragen rund um Datenschutz und Privatsphäre. NEO ist beispielsweise mit Kameras und Mikrofonen ausgestattet, um seine Umgebung wahrzunehmen und auf Sprache zu reagieren. Für komplexe Aufgaben, die der Roboter noch nicht selbstständig beherrscht, können Nutzer einen sogenannten „Expert Mode“ vereinbaren. Dabei kann ein Mitarbeiter von 1X den Roboter aus der Ferne unterstützen. Gerade weil solche Systeme in einem besonders privaten Umfeld eingesetzt werden, dürfte der Umgang mit den dabei entstehenden Daten künftig eine wichtige Rolle spielen.

Wann ein erschwinglicher Roboter tatsächlich selbstständig putzt, Wäsche faltet, Geschirr einräumt und aufräumt, lässt sich deshalb seriös nicht vorhersagen. Die Richtung ist jedoch erkennbar: Aus spezialisierten Haushaltsrobotern könnten langfristig vielseitigere Helfer werden, die immer mehr unterschiedliche Aufgaben übernehmen.

FAZIT:
Haushaltsroboter sind längst keine Zukunftsmusik mehr. Vor allem Saug- und Wischroboter haben sich etabliert, während sich auch Fensterputz-, Mäh- und Poolroboter zunehmend verbreiten. Noch sind die meisten jedoch Spezialisten – die nächste große Entwicklung könnte deshalb der Schritt zum Alleskönner sein. Erste humanoide Roboter zeigen bereits, wohin die Reise gehen könnte. Bis sie selbstständig verschiedenste Hausarbeiten übernehmen, gibt es allerdings noch technische Hürden. |Text: Vera Mergle