Wie sinnvoll ist das Recht auf Home Office?

Out of Office

Der dünne Kaffee im Büro, der Stau zur Rushhour, hustende Kollegen - gesegnet scheinen Angestellte zu sein, die von zu Hause aus arbeiten dürfen. Home Office ist ein Wunsch vieler Beschäftigter, die sich vor allem mehr Zeit und Vereinbarkeit mit dem Familienleben wünschen. Das Arbeitsministerium unter Hubertus Heil (SPD) will noch in diesem Jahr ein Gesetz auf den Weg bringen, welches Home Office für mehr Arbeitnehmer ermöglichen soll. Wir beleuchten unterschiedliche Stimmen zu diesem Thema und zeigen Vor- und Nachteile für Arbeitnehmer und -geber auf.

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Bild: adobe.stock

Was ist ein Home-Office?

Sie vermuten richtig: Ein Büro zu Hause. Unter einem Homeoffice wird in Deutschland umgangssprachlich meist ein heimisches Arbeitszimmer verstanden. In Deutschland gibt es bisher noch keinen gesetzlichen Rechtsanspruch auf Home Office. Existiert ein häusliches Arbeitszimmer und der berufliche Mittelpunkt spielt sich darin ab, ist das Home Office von der Steuer absetzbar.

Übrigens: Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) von 2016 könnten 40 Prozent der Beschäftigten in Deutschland von zu Hause aus arbeiten. Nur zwölf Prozent tun dies auch. 
In einer anderen Studie der Universität Stanford aus dem Jahr 2015 zeigte sich, dass untersuchte Arbeitnehmer, die von zu Hause aus arbeiteten, 13 Prozent produktiver waren, als ihre Kollegen im Büro. Interessant: Davon waren nur vier Prozent auf eine höhere Effizienz zurückzuführen. 
Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein

Berufsfelder wie z.B. IT-Entwickler, Vertriebler oder Menschen mit kreativer Arbeit können von der Idee des Home Office durchaus profitieren. 
Beim Home Office ist es wichtig, dass Sie für Ihren Vorgesetzen und ggf. für Kollegen erreichbar sind. Dies kann via Internet und E-Mail oder auch per Telefon abgedeckt werden. 

Bevor Sie erst die Brötchenkrümel vom Esstisch wischen, um dort Ihren ausgelagerten Office-Standort aufzubauen und sich danach bucklig auf den Küchenstuhl niederlassen, ist die Einrichtung eines Arbeitszimmers empfehlenswert. Doch nicht jede Wohnung bietet sich für Home Office an. Auch die Möbel sollten grundsätzlich ergonomisch sein, damit Sie den ganzen Tag problemlos arbeiten können.

Standpunkt von Gewerkschaften/Arbeitgebern/Arbeitnehmern

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) reagierte zustimmend: Homeoffice solle grundsätzlich für alle Beschäftigten möglich sein, aber für Arbeitnehmer immer freiwillig bleiben. Für klare Grenzen zwischen Beruf und Privatleben gebe es gute Gründe. Auch eine klare Regelung für Überstunden, Arbeits- und Unfallversicherungsschutz sei sehr wichtig, so der DGB.

Auch die Gewerkschaft Ver.di begrüßt das Vorhaben des Arbeitsministers. Dadurch erhoffe sie sich mehr Flexibilität für Angestellte, jedoch müsse es dazu klare Regelungen geben, etwa zur Erfassung der Arbeitszeit, zur Nichterreichbarkeit, sowie zu Überstunden und Ruhezeiten. Auch müssten u.a. Arbeitszeitmodelle einer sozialen Isolation entgegenwirken, weshalb Mindestanwesenheitszeiten im Betrieb nötig seien. 

Deutschlands Arbeitgeber sehen das Home Office Angebot mit gespaltener Meinung. Einige Arbeitgeber stemmen sich gegen das SPD-Vorhaben. Zwar würden sie die Absicht an sich begrüßen, teilen den Bedarf der Gewerkschaft nach Regelungen aber keineswegs. Viele Arbeitgeber würden sich bereits stark machen für mehr Flexibilität der Beschäftigten. Deshalb plädieren sie auf eine innerbetriebliche Regelung und keine Gesetzgebung. | Text:Stefanie Steinbach