Fast Fashion – Heute Trend morgen Müll

Konsum ohne Schuldgefühl?

Günstig produziert, kurz oder gar nicht getragen und genauso schnell entsorgt – unser Konsumverhalten hat sich in den letzten Jahren enorm verändert. Wir sind nicht nur kritischer geworden, sondern wollen zudem jedem noch so kleinen Trend folgen. Die Konsequenz: Überfüllte Kleiderschränke voller Klamotten – die meisten davon ungenutzt! Günstige Kleidung, welche schnell für den Massenmarkt produziert wurde und nach kürzester Zeit schon wieder in der Altkleidersammlung landet: Fast Fashion – ein unglaublich großes Problem für die Umwelt und für 300 Millionen Menschen der Textilindustrie.

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Bild: stock.adobe
Vor dem anstehenden Urlaub wird noch schnell ein luftiges Sommerkleid eingekauft und für den Geburtstag der besten Freundin ein schicker Rock sowie eine Bluse – und das, obwohl im Kleiderschrank bereits zahlreiche sowie ähnliche Kleidungsstücke hängen. Kein Problem, oder?! Die Geschäfte sind ja auch voll mit den besten Schnäppchen, da kann dann sogar noch das ein oder andere Kleidungsstück zusätzlich eingekauft werden. Hauptsache billig! Zwar spielt es in unserem Geldbeutel überhaupt keine Rolle, ob wir ein Einzelteil oder gleich fünf unterschiedliche Outfits mitnehmen, das Fast Fashion aber auf Kosten anderer geht, daran denkt beim Shoppen kaum einer. Schnelle Mode gewinnt immer mehr an Bedeutung: Daran sind auch das Internet sowie die Social-Media-Kanäle nicht ganz unschuldig. Täglich präsentieren Influencer ihre neuesten Einkäufe stolz vor laufender Kamera – wir sind es, die davon zunehmend beeinflusst werden. Entweder, weil wir genauso sein wollen wie unsere Vorbilder oder weil uns die Kleidungsstücke einfach gefallen. 

Wie schnell ist „schnelle Mode“ wirklich?

Jeder Deutsche kauft im Schnitt nahezu 60 Kleidungsstücke pro Jahr – die Tendenz ist weiterhin steigend. Während wir vor etwa 15 Jahren unsere Klamotten noch wesentlich länger angezogen haben, hat sich die Tragedauer inzwischen halbiert. Auf dieses Konsumverhalten reagierte selbstverständlich auch die Modebranche: Die neuesten Trends werden in immer kürzer werdenden Abständen auf den Markt gebracht. 12-24 Kollektionen pro Jahr sind inzwischen keine Besonderheit mehr. Billigketten bringen oftmals sogar wöchentlich neue Trends in die Geschäfte – diese sogenannten Mikrokollektionen sind eine derart große Ressourcenverschwendung, welche sich schon lange nicht mehr verschweigen lässt. Kleidungsstücke, auf die wir definitiv verzichten könnten, werden plötzlich zu Must-haves, denn tägliche Rabattaktion in verschiedenen Geschäften animieren uns zur ständigen Schnäppchenjagd. Die Folge: Der Inhalt in unserem Kleiderschrank wird andauernd erweitert sowie erneuert – immer mehr, immer schneller! Dass wir knapp 40 Prozent unserer Kleidung kaum oder sogar überhaupt nicht tragen, wird dabei zum Problem: Nahezu eine Millionen Tonnen Textilien landen jährlich in der Altkleidersammlung. Der Großteil davon wird dabei nicht gespendet, sondern exportiert und verkauft: Riesige Berge an Textilmüll sammeln sich dann beispielsweise in Afrika oder Bulgarien. Hier vergiften die Reste von Fast-Fashion die Umwelt, da die Ärmsten die Textilien verbrennen müssen – über genügend Geld für Brennholz verfügt die Bevölkerung nämlich nicht. Andere profitieren wiederum von dem Export der Kleidungsstücke – ein Millionengeschäft, an welchem auch Deutschland kräftig verdient.

Immer trendbewusst – doch zu welchem Preis?

Während Mode früher noch als traditionelles Handwerk angesehen wurde und zusätzlich viel Wert auf Einzelanfertigungen gelegt wurde, hat sich die Bedeutung in den vergangenen Jahren drastisch gewandelt: Gesprochen werden kann von einer globalen Massenproduktion. Klar, die Herstellung ist bedingt durch die industrielle Revolution deutlich billiger geworden und in kürzester Zeit können große Mengen an Textilien produziert werden. Inspiration gibt es ja auch genug – so zum Beispiel auf zahlreichen Modenshows und Modemessen. Dass die ganze Sache dennoch einen Haken hat, wird schnell deutlich: Zwar ist Fast Fashion für den Endkonsumenten ein absoluter Traum – immer die neusten Trends zu Schnäppchenpreisen – die Kosten sind aber indirekt erheblich höher! Mehr Textilien anzufertigen, bedeutet im Umkehrschluss automatisch auch mehr Rohstoffe sowie Energie zu verbrauchen. Dies führt natürlich gleichzeitig zu einer deutlichen Erhöhung der Treibhausgase – die daraus resultierenden Folgen sind wohl jedem bewusst. Polyester ist der Hauptbestandteil von Fast Fashion: Beim Waschgang wird jedes Mal Mikroplastik abgesondert, welches in den Weltmeeren zum großen Problem wird und somit unserem Ökosystem enorm zusetzt und schadet. Doch nicht nur die Umwelt kommt durch Fast Fashion an ihre Grenzen – das Leid tragen auch reihenweise Menschen, die für die Textilindustrie tätig sind. Zu unmenschlichen Bedingungen treten die Arbeiter nahezu täglich ihre Arbeit an: Sexuelle Belästigung, niedrige Löhne, der Umgang mit schädlichen Chemikalien, kein Arbeitsschutz sowie keine geregelten Arbeits- und Urlaubszeiten – das beschreibt den Alltag der meisten Beschäftigten wohl am besten.

Das Recycling-Versprechen: Wahrheit oder reiner Marketing-Trick?

Schnell eingekauft und genauso schnell wieder weggeworfen – bei dem ein oder anderen ruft dies sicherlich ein schlechtes Gewissen hervor... Für die Textilindustrie also Grund genug, etwas zu ändern oder es zumindest so scheinen zu lassen. „Neue Kleidung, hergestellt aus Alttextilien“: Ein Versprechen, mit welchem unzählige Anbieter werben. Doch was ist eigentlich dran an dem zugesicherten nachhaltigen Umgang mit weggeworfenen Textilien? Im Grunde handelt es sich hierbei eindeutig um einen reinen Mythos. Eine Wiedergewinnung von Fasern zur Produktion von neuen Textilien ist nämlich kaum möglich, weil der Aufwand einfach zu groß ist und somit die wirtschaftliche Rentabilität verloren gehen würde. Aufgrund von Fasermixen ist eine Wiederverwertung schlecht realisierbar. Auch angebrachte Reißverschlüsse und Knöpfe gestalten das Recyceln schwierig. Zugesicherte Standards, die sich auf zusätzlich angebrachten Etiketten finden lassen, sind also mit Vorsicht zu genießen. Geringe Anteile wiederverwerteter Textilien sind in neuer Kleidung zwar enthalten, aber wirklich nur in unglaublich kleiner Menge – die Relation geht hier definitiv verloren. Von uns entsorgte Klamotten mit geringer Qualität werden zunehmend entweder verbrannt oder geschreddert und dann zum Beispiel für die Herstellung von Putzlappen oder Dämmmaterialien verwendet.

„Kleider machen Leute“                      

Die Nachfrage nach Fast Fashion ist groß und wird auch im Laufe der kommenden Jahre stetig zunehmen. Man geht sogar davon aus, dass die Textilbranche bis 2030 um weitere 60 Prozent wächst. Auch der Umsatz wird weiterhin exponentiell steigen – immerhin ist Fast Fashion trotz der vielen negativen Folgen, die der Trend mit sich bringt, ein absolutes Erfolgsmodell im Kleidungssektor. Getreu dem Motto „Kleider machen Leute“ setzen die Fashion-Labels auf bestes Marketing: Riesen Plakate hängen an Kaufhauswänden und zusätzlich werden immer mehr Online-Kampagnen ins Leben gerufen. Das Ziel: Möglichst viel Kleidung an die Frau beziehungsweise an den Mann zu bringen. Methoden, die H&M, Primark, Zara, New Yorker und Co. perfekt beherrschen und auch in Zukunft umsetzen werden. Billigketten richten ihren Fokus weniger auf Erwachsene, sondern vielmehr auf Teenager zwischen 14 und 18 Jahren. Diese Zielgruppe ist nicht nur leicht zu beeinflussen, sondern zusätzlich von einem gewissen Gruppenzwang geprägt. Jugendliche haben stets das Gefühl, nur mit Kleidungsstücken im angesagten Trend dazuzugehören – eine bedrohliche Gefahr, welche in einem regelrechten Modewahn mit Suchtpotenzial ausarten könnte. Bedingt durch die gestiegene Interaktivität in den Sozialen Netzwerken kommt es hier zu einem buchstäblichen Konkurrenzkampf: Jeder möchte auf sein gepostetes Bild die meisten Likes… Und wie bekommt man diese in den Augen eines Teenagers? Nur mit einem angesagten Look: Für die Textilindustrie wiederum eine klasse Steilvorlage!

„Modewahnsinn“ mit dramatischen Folgen

Wollen wir mit unserem Konsumwahn wirklich zu derart schlimmen Auswirkungen beitragen? Jeder Einzelne von uns hat die Möglichkeit, bereits mit kleinen Handlungen die Welt ein bisschen besser zu gestalten. Beim Blick in den Kleiderschrank fällt bestimmt auf, dass zahlreiche Klamotten ungenutzt sind: Kleidung, die mitsamt des Originaletiketts darauf wartet, endlich zum Einsatz zu kommen, aber nie getragen werden wird, weil einfach der passende Anlass dazu fehlt. Deswegen beim nächsten Shoppingbummel lieber zweimal überlegen, ob das rote Kleid mit Pailletten oder der schimmernde Rock nicht vielleicht doch ein „Touch Too Much“ ist. Ähnlich ist es bei Kleidungsstücken, die für Wetterbedingungen angefertigt sind, die so eigentlich gar nicht existieren. Das beste Beispiel: der Wollpullunder. Schaut in der richtigen Kombination zwar ganz schick aus, ist aber einfach unpraktisch. Mit Jacke ist der Look zerstört, ohne ist es aber einfach zu kalt – also lieber Finger weg von derartigen Textilien. Wer kennt es nicht? Die Lieblingsjeans gibt es im Geschäft nur noch eine Nummer kleiner. Mit der Begründung „bald passe ich da schon rein“, landet das gute Stück dann prompt im Kleiderschrank, genauso schnell aber auch wieder in der Altkleidersammlung. Also: Auch hier ist Vorsicht geboten. Irgendwann hängt bestimmt ein ähnliches oder sogar ein noch schöneres Modell im Laden. Fast Fashion lockt mit Billigpreisen, doch schnell zeigt sich dies in der Qualität. Hochwertig Einkaufen, also auf langlebigere Kleidung wertzulegen ist hier die Lösung. Und jeder weiß: Weniger ist manchmal mehr und zeitlose Styles kann man  mehrere Jahre lang tragen. Massenware hat immer auch den Nachteil, dass sie einfach jeder trägt. Spätestens wenn die zehnte Person mit demselben Pulli gekleidet ist, sieht man sich doch schnell daran ab, oder? Im Second Hand Shop gleich um die Ecke oder auf Vinted und Co. lassen sich wunderschöne Einzelstücke finden. „Fairtrade Mode“, „Bio Mode“ oder „Nachhaltige Mode“ hält, was sie verspricht – beim Einkaufen also zusätzlich einfach mal drauf achten.

Fazit

Das Glücksgefühl nach dem Shoppen ist bei den meisten von uns zwar ziemlich groß – doch wie lange? Spätestens wenn die Textilien dann nach kürzester Zeit in der Altkleidersammlung landen, ist die Freude komplett verschwunden. Was bleibt, ist eine große Unzufriedenheit und das Verlangen, wieder zahlreiche Einkaufstüten vollgepackt mit Klamotten im angesagten Trend nach Hause zu tragen – ein Teufelskreis, der nicht nur unserer Umwelt schadet. Dabei ist nachhaltig zufrieden sein so einfach! Wann fängst DU damit an?| Text: Jana Dahnke