Künstliche Intelligenz – Fluch oder Segen?

Spannende Diskussionen bei den Augsburger Mediengesprächen 2019

Nach der Auffassung von Google-Chef Sundar Pichai ist „die Informationsverarbeitung auf Basis von Künstlicher Intelligenz (KI) für die Menschheit umwälzender als die Erfindung des Feuers“ – ob das stimmt und welche Chancen beziehungsweise Risiken die Entwicklung in diesem Feld haben, war Thema der diesjährigen Augsburger Mediengespräche, die am 11.11. stattfanden.

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Von links nach rechts: Moderator Thomas Ramge, Kai Arne Gondlach, Richard Gutjahr, Prof. Dr. Petra Grimm, Dr. Hans Michael StreppBild: Vera Mergle
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Das leibliche Wohl kam nach den intensiven Diskussionen ebenfalls nicht zu kurz.Bild: Vera Mergle
Es war bereits die 17. Veranstaltung dieser Reihe, wie in den beiden Vorjahren konnte das Steigenberger Hotel Drei Mohren als Gastgeber gewonnen werden.

„Augsburg ist eine große Medienstadt“

Nach einem kurzen Video, in dem befragte Augsburger ihre Meinung zu Künstlicher Intelligenz darlegten, begrüßte Moderator Thomas Ramge die Gäste in der voll besetzten Teehalle. Es folgte ein Grußwort von Siegfried Schneider, dem Präsidenten der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) und damit einem der Veranstalter. Außerdem hob Hermann Köhler, Berufsmäßiger Stadtrat und Bildungsreferent der Stadt Augsburg, die Bedeutung Augsburgs als Medienstadt und deren Digitalisierungsstrategie hervor.

Zukunftsforscher Kai Arne Gondlach zeigte dann in einer kurzen, aber wirklich spannenden Keynote die bisherige Entwicklung der Digitalisierung auf und nannte neben dem Problem, dass Europa hierbei viel zu wenig investiert, auch interessante Zukunftsszenarien aus dem Jahr 2030: Bots erledigen alles für uns, autonome „Autos“ dienen als Büro oder Hotel und die Gesundheitsbranche verändert sich rapide – Menschen könnten sogar unsterblich werden, indem sie (wie Forscherin Elizabeth Blackburn) das Altern verlangsamen oder sogar umkehren!

Den Anschluss nicht verlieren

Ob dies wünschenswert sei, war sogleich Thema der darauffolgenden Podiumsdiskussion, zu der illustre Gäste eingeladen waren. Prof. Dr. Petra Grimm (Professorin für Medienforschung/ Kommunikationswissenschaft an der HDM Stuttgart) betonte zu Anfang, wie wichtig eine Wertebasierung bei dieser Thematik sei und nannte Chancen von KI vor allem hinsichtlich große Datenmengen, bei komplizierten Mobilitätsfragen und beim Klimawandel.

Dr. Hans Michael Strepp, Ministerialdirektor, Amtschef Bayerisches Staatsministerium für Digitales, begründete die 2-Milliarden-Investition in Bayern damit, dass bisherige Chancen verpasst wurden und China oder USA sonst die Macht vollkommen übernehmen würden. Einen weiteren Aspekt von KI mit Auswirkungen auf die Medien nannte Richard Gutjahr (Journalist, Blogger und Moderator), wonach bereits viele Artikel von Maschinen geschrieben werden. Ob diese markiert werden sollen, war bereits eine der vielen aufgeworfenen ethischen Frage – zu diesen äußerte sich vor allem Prof. Dr. Stefan Bauberger, Professor für Naturphilosophie, Grenzfragen der Naturwissenschaft und Wissenschaftstheorie.

Kurzweilige 90 Minuten

Manipulation von Wahlen, Überwachung von Personen oder ein Einsatz in der Militärtechnik – viele weitere Sachen wurden im Verlauf angesprochen, über die noch länger hätte diskutiert werden können. Doch die 90 Minuten waren auch dank zweier Zuschauerfragen sehr schnell vorüber, die Gäste forderten in ihren Schlussappellen unter anderem einen Masterplan, einen „digitalen Ruck“ und eine Veränderung im Bildungssystem.

Im Anschluss an die Gespräche gab es einen Empfang, bei dem vor allem das leibliche Wohl nicht zu kurz kam: Die Gäste ließen sich gefüllte Perlhuhnbrust, Kürbiscreme und Kürbisrisotto mit glasierten Zuckerschoten sowie Desserts im Glas und Kaiserschmarrn mit Zwetschgenkompott und Sahne schmecken. Dabei wurde weiter intensiv über Künstliche Intelligenz diskutiert – ein Thema, das uns sicherlich noch des Öfteren begegnen wird.