Sind Treuetest-Agenturen seriös?

Lockvögel im Test

Sie lächelt. Er lächelt zurück. Sie schauen sich länger als vier Sekunden in die Augen: Es wird geflirtet. Sie ist genau sein Typ. Er unterhält sich mit ihr, berührt sie wie zufällig.

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Der Großteil der Auftraggeber sind Frauen
Bild: stock.adobe.com
Fragt nach ihrer Nummer. Bekommt sie. Und jetzt? Was, wenn Sie der Part sind, der zu Hause wartet und es irgendwie langsam komisch findet, wie lange ihr Partner an diesem „neuen Projekt“ arbeiten muss. Und warum achtet er jetzt so penibel auf sein Äußeres? Nicht, dass es Sie stören würde… aber trotzdem: da ist dieses ungute Gefühl, dass Sie von Ihrem Tanz auf den rosa Wolken fallen lässt und nagende Ungewissheit zurücklässt. Wenn Sie ihn doch nur einmal testen könnten. Dafür stehen Ihnen sogenannte Treue-Agenturen zur Verfügung.

So arbeiten die Agenturen

Es kommt darauf an, mit welchem Hintergrund sie entstanden sind. Jede Agentur arbeitet anders. Manche bieten Treuetests aus einem Spektrum einer kompletten Detektei an (z. B. können Wirtschaftsdetektive auch ihre Dienste zum Thema Ehebruch anbieten). Andere Agenturen sind aus der Erfahrung am eigenen Leib entstanden. Doch gewisse Vorgehensweisen gleichen sich fast immer.

Nehmen wir „Die Treuetester“. Therese Kersten wurde betrogen. Jetzt ist sie Inhaberin dieser bekannten Plattform, welche die größte Treuetest-Agentur im deutschsprachigem Raum sein soll. Über 350 Lockvögel arbeiten für die Frau, die noch immer an die Liebe glaubt. Nimmt eine Person Kontakt zu Frau Kersten auf, so gibt es verschiedene Wege, den vermeintlich untreuen Partner zu überführen.

Wie das abläuft? 

1. Kostenlose Erstberatung 

2. Auswahl der Testvariante

Hier gibt es ein ganzes Potpourri an Möglichkeiten:

SMS/WhatsApp (34 Euro)

Telefon-Test (109 Euro)

SMS-Telefon (119 Euro)

Mail-Test (139 Euro)

Chat-Test (199 Euro)

Treffen (89 Euro/ Stunde)

Sperma-Test (239 Euro)

Vaterschafts-Test (ab 250 Euro)*

*Anmerkung:
Preisangaben von „Die Treuetester“

3. Durchführung

Viele Agenturen testen über einen längeren Zeitraum, denn nicht immer springt der vermeintliche Fremdgänger auf den Lockvogel an.

4. Testergebnis & Besprechung

Sie erhalten ein schriftliches Protokoll über den durchgeführten Test. Z. B. bei einem SMS-Test die Abschriften bzw. Screenshots der Nachrichten.

Bei fast allen Agenturen geben Sie gewisse Details über Ihren Partner Preis, die letzten Endes einen geeigneten Lockvogel auswählen lassen. Dabei kommt es weniger auf das Aussehen an sich an, als auf eine offene Art und gewisse Hintergrundinformationen. Was mag der Partner? Hat er ein Hobby? Wofür interessiert er sich? 

Seriöse Ergebnisse?


Schwarze Schafe gibt es überall – auch unter den Treutest-Agenturen. Ob die Ergebnisse seriös sind, hängt von der Aufrichtigkeit und Diskretion der Unternehmen ab. Lesen Sie sich aufmerksam das Agenturprofil durch und sammeln Sie Erfahrungsberichte. Seriöse Anbieter haben nichts mit sexuellen Diensten bzw. Testvarianten zu tun. Bei Therese Kersten ist beim Kuss Schluss – und nur mit dem Einverständnis des Lockvogels. Durch die Protokolle, die in Frau Kerstens Agentur erstellt werden, sind die Beweislagen meist eindeutig. Tief durchatmen für Romantiker: Es kommt leider selten vor, dass sich ein Verdacht nicht bestätigt. 

Risiken

Ein kleines, aber mögliches Risiko: Stellen Sie sich vor, für Sie hat die Treue einen hohen Stellenwert im Leben und Sie erfahren plötzlich, dass Ihr Partner Ihnen eine Treueagentur „auf den Hals gehetzt hat“. Wie würden Sie sich fühlen? Gedemütigt? Betrogen? Richtig. In diesem Falle ist Ihr Partner zwar nicht fremdgegangen, aber er hatte Sie der Untreue unter Verdacht. Wie stellen Sie sich das weitere Zusammenleben vor mit dem Wissen, wie Ihr Partner von Ihnen zu denken scheint? 

Auch denkbar und wahrscheinlicher: Der vermeintliche Fremdgänger springt nicht auf den Lockvogel an, ist aber trotzdem kein Unschuldslamm. 

Treue-Statistik

Stark sein: Viele ernüchternde Klischees stimmen. Doch es gibt trotzdem Hoffnung für alle rosa Wolken-Tänzer. Zunächst die harten Zahlen: Laut einer neue Umfrage1 gehen Männer häufiger fremd als Frauen. 25 Prozent der in einer Beziehung lebenden Männer gaben an, schon mindestens einmal fremdgegangen zu sein. Von den vergebenen Frauen sagten hingegen nur 13 Prozent, dass sie schon einmal untreu waren. Jeder dritte Befragte (30 Prozent) würde nicht vollkommen ausschließen in der Zukunft einmal schwach zu werden. Auch hier haben die Männer die Nase vorn: 38 Prozent gaben zu, wahrscheinlich nicht widerstehen zu können, wenn sich eine sehr verlockende Gelegenheit böte. Bei den Frauen sagten dies nur 22 Prozent. Insgesamt 19 Prozent – also rund jeder fünfte in einer Partnerschaft lebende Deutsche  – hat sich bereits auf mindestens einen Seitensprung eingelassen.

Andersherum betrachtet bescheinigt diese Umfrage 81 Prozent der liierten Deutschen, treu zu sein. 40 Prozent der Deutschen können für sich demnach sogar vollkommen ausschließen, ihren Partner jemals zu betrügen. In dem Sinne – Spiel, Satz und Sieg für die Liebe. | Text: Stefanie Steinbach

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