Wie Co-Parenting funktionieren kann

Kind ja – Couple nein

Das erste Date, der erste Kuss, das Gefühl von Schmetterlingen im Bauch, Zusammenziehen, sich ewige Liebe versprechen. Das klingt nach den perfekten Voraussetzungen für eine gemeinsame Zukunft inklusive Familienplanung. Oder nicht? Nein, sagen Fans von Co-Parenting. Denn hier steht zwar das Kind im Fokus, aber eben nicht die Liebesbeziehung. Die gibt es nicht. Wie das funktionieren kann?

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Bild: stock.adobe.com
Ziemlich gut, sagen Soziologen. Aber nur, wenn alle Beteiligten wissen, worauf sie sich einlassen und keine falschen Erwartungen geweckt werden. Generell ist Co-Parenting ein Zusammenschluss von Menschen, die eine Familie gründen wollen. Das können zwei aber auch  mehr Personen sein – ganz nach persönlichem Geschmack. Wie im Wort bereits versteckt, geht es darum, gemeinsam etwas zu wuppen, in diese Falle also das Elternsein. Aber eben ohne, dass Liebe die Basis für die Familiengründung ist. Zumindest nicht im klassischen Sinne. Ein gewisses Maß an Wertschätzung und Zuneigung ist jedoch trotzdem elementar, aber ohne die tiefen Gefühle und Schmetterlinge, die ein „konventionelles“ Paar meist füreinander empfindet.

Auch wenn „Co-Parenting“ im ersten Moment funktional und zweckmäßig klingt, ist es dies aber eben oft nicht. Denn Menschen entscheiden sich ganz bewusst für dieses Lebensmodell und haben häufig die einzelnen Pros und Contras deutlich intensiver durchdacht, als es bei der „spontanen“ Familienplanung der Fall ist. Co-Parenting gibt keinen festen Rahmen für das gemeinsame Vorhaben vor. Nicht einmal, ob man zusammen unter einem Dach lebt, ist klar. Jeder hat die maximale Flexibilität für sich und sein Leben. Der gemeinsame Nenner ist jedoch das Kind, das in allen beteiligten Leben einen der höchsten Stellenwerte genießt. 

Wer ist „geeignet“ und wo liegen die Vorteile?

Co-Parenting eignet sich generell für jeden, egal welchen Alters und welchen Geschlechts. Es werden so ganz neue Horizonte eröffnet für Menschen, die bisher nicht in die gesellschaftlichen Klischees der Familienplanung passten. Und hierzu zählen längst nicht mehr nur homosexuelle Paare. Sondern eben auch all jene, die sich mit einem wichtigen Menschen in ihrem Leben eine große gemeinsame Aufgabe namens Kind zutrauen, aber ohne sich tiefgründig, leidenschaftlich zu lieben. 

Soziologin Christine Wimbauer sieht zudem ein höheres Maß an Entspannung als Vorteil.  „Wenn keine romantische Liebe zwischen den Eltern lodert, kann auch keine romantische Liebe erkalten und sie kann auch nicht verletzt werden“, schreibt die Expertin. Und das klingt logisch, denn neben einem Kind kann auch die Beziehung zueinander in einer Partnerschaft zur echten Zerreißprobe werden. Viele Liebespaare haben das Gefühl, durch ein Kind bleibt ihre Zweisamkeit auf der Strecke. Diese gibt es aber im Co-Parenting so von vornherein nicht. Damit also ein Problem weniger. Auch Streitigkeiten bleiben darum häufiger aus, zum Beispiel zu den Themen familiäre Zuverlässigkeit, Existenzsicherung usw. Die Rahmenbedingungen wurden im Vorfeld bereits genauesten abgesteckt und sind damit für alle Beteiligten transparent und klar. Keine falschen Erwartungen, keine großen Enttäuschungen.

Ein weiterer, vielleicht der größte, Vorteil: Das Kind steht absolut im Fokus. Und das ist nicht im Sinne von 1000%tiger Aufmerksamkeit mit der Erfüllung aller Wünsche gemeint, sondern im Sinne von Ausrichtung des Lebens nach dem Kind. Denn die Entscheidung wurde bewusst ohne weitere äußere Faktoren getroffen, ohne gesellschaftlichen Druck durch eine jahrelange Beziehung, bei der man den nächsten Schritt gehen müsse. Ohne das Gefühl, dass ein Kind zu einer Beziehung eben dazu gehört. Und dieses Wissen macht den Umgang mit dem Nachwuchs deutlich einfacher und lässt viel Raum für den Fokus Kind zu. 

Welche Risiken eröffnet Co-Parenting?

Natürlich birgt dieses Lebensmodell jedoch auch Gefahren. Denn auch wenn unsere Gesellschaft deutlich offener und toleranter ist, als noch vor einigen Jahren, sind Rollenbilder nach wie vor verankert. Diese sind natürlich nicht mehr so starr ausgeprägt wie früher, doch können einem Kind auch Halt und ein gutes Werteverständnis vermitteln. Denn eine Rolle bringt für ein Kind auch Routine mit sich. Darum sollten die Rollen im Vorfeld unter den Beteiligten genau diskutiert und besprochen werden, damit spätere Verwirrungen für den Nachwuchs ausbleiben.

Neben dieser „internen“ Probleme, können aber vor allem äußere Faktoren für Unklarheiten sorgen. Denn hierzulande sind nur zwei Menschen als Elternteile möglich, zumindest schwarz auf weiß auf dem Papier. Welche Rollen emotional eingenommen werden, wird rechtlich natürlich nicht bewertete. Im Falle eines Falles liegt die Entscheidungsbefugnis und das Sorgerecht für das Kind jedoch eben bei maximal zwei Personen, das kann zu einem Gefühl von ungerechter Aufteilung oder zu wenig Mitspracherecht führen. Selbst das Abholen des Kindes von der Kita oder die Auskunft des Kinderarztes zu Behandlungen kann da zum Problem werden. Auch hier gilt daher, vorher alle Erwartungen und Aufgaben klar definieren und festhalten.