Clean Beauty – die pflanzliche Kosmetikalternative

Vom Nischentrend zum Mainstream

Der Begriff „Clean“ ist bekanntlich in, allerdings galt dies bisher vor allem für den Bereich Ernährung und manchmal auch Mode. Doch die Nachfrage nach „einfachen“, pflanzlichen und natürlichen Produkten steigt auch in der Kosmetikbranche – wir stellen Ihnen vor, was „Clean Beauty“ genau ist und worauf es zu achten gilt.

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Bild: Adobe.Stock
Generell ist „Clean Beauty“ eine Interpretationsfrage, weil Produkt-Bezeichnungen wie natürlich, sauber oder grün keiner festgeschriebenen Definition oder Standards unterliegen. Sie können daher auch irreführend sein. Früher dienten die Begriffe biologisch und natürlich zur Beschreibung von Produkten, deren Inhaltsstoffe ausschließlich aus der Natur stammen. Jedoch hatten Marketingexperten schnell erkannt, wie sehr Konsumenten die Idee von nicht-synthetischen Produkten schätzten und verwendeten sie geradezu inflationär, obwohl dies nicht immer der Wahrheit entsprach. Heutzutage gelten Produkte ohne reizende Inhaltsstoffe als neuer Standard für „Clean Beauty“.

Woher kommt die Bewegung?
Ein Bericht des Global Wellness Economy Monitor 2018 zeigt, dass der Wert der globalen Wellness-Branche von 2015 bis 2017 von 3,27 auf ganze 3,7 Billionen Euro gestiegen ist. Gleichzeitig treffen die Verbraucher mittlerweile überlegtere Entscheidungen, viele Personen weisen auch eine empfindlichere Haut auf. Gründe dafür liegen in den höheren Belastungen beispielsweise durch Stress oder Umweltverschmutzung. Eine Studie des Marktforschungsunternehmens Mintel zeigt, dass bereits jetzt 21 Prozent der US-Verbraucher auf Hautpflege-Produkte mit so wenigen Inhaltsstoffen wie möglich setzen.

Was gilt als bedenklich?
Die meisten Befürworter von „Clean Beauty“ sorgen sich vor synthetischen Chemikalien und aggressiven Inhaltsstoffen, weil diese die Haut reizen. Mineralöle wie Petrolatum, Paraffinum oder Erdöl sowie Silikone können die Poren verstopfen, Natriumlaurylsulfat (SLS) entzieht der Haut wiederum Feuchtigkeit, während Phthalate (DBP, DEHP, DEP, BPA) – Emulgatoren in synthetischen Duftstoffen, Nagellacken und Haarsprays – über die Haut aufgenommen werden und in den Körper gelangen können. Parabene (Methyl-, Ethyl-, Butyl-, Propyl-) sind umstrittene Konservierungsmittel. Zudem wird oftmals auch auf ätherische Öle, austrocknende Alkohole, Sulfate und chemische Zusätze verzichtet.

Natürlich oder biologisch? 
Naturprodukte sind lediglich minimal verarbeitet und enthalten nur natürliche und pflanzliche Inhaltsstoffe, Bioprodukte gehen noch einen Schritt weiter: Sie weisen ausschließlich gentechnikfreie Inhaltsstoffen auf, die ohne chemische Pestizide, Fungizide, Herbizide oder Antibiotika hergestellt wurden. Diese zusätzlichen Schritte erfordern jedoch auch höhere Kosten seitens der ökologischen Landwirtschaft und Verarbeitung.

So gestalten Sie Ihre Beauty-Routine vegan
Laut Mintel ist die Anzahl neuer veganer Produkte von 2013 bis 2018 um 175 Prozent gestiegen. Ein veganes Produkt enthält keine tierischen Inhaltsstoffe, wozu auch Honig, Bienenwachs, Keratin, Karmin, Eiweiß, Kollagen, Cholesterin und Gelatine zählen. Setzen Sie also auf Produkte, die ohne diese Stoffe auskommen. Die US-KosKosmetikmarke Milk Make-up oder die schwedische Haarpflegelinie Maria Nila verwenden zum Beispiel ausschließlich pflanzliche Proteine und Öle sowie Pflanzenbutter.
Zu den neuesten Innovationen bei den pflanzlichen Alternativen zählen Retinalgene für empfindliche Haut oder Bakuchiol – eine pflanzliche Retinol-Alternative, die aus den Samen des Harzklees gewonnen wird und die Elastin- und die Kollagenproduktion fördert, ohne dabei zu Pigmentierungen oder Hautreizungen zu führen.

Auswirkungen auf die Umwelt
Die Kosmetikindustrie produziert jedes Jahr etwa 120 Milliarden Verpackungen, von denen die meisten nicht recycelbar sind. Eine Schwierigkeit bei Kosmetikverpackungen ist es vor allem Optionen zu finden, die wertig aussehen UND umweltfreundlich sind. Zudem sind die Auswirkungen bestimmter Inhaltsstoffe wie Silikone auf die Umwelt ein großes Problem.

Nützliche Apps
Um Inhaltsstoffe von Kosmetikprodukten genauer untersuchen zu können, gibt es eine Reihe von Apps, mit denen Sie die jeweiligen Barcodes scannen und weitere Informationen erhalten können. Bekannte Anwendungen sind beispielsweise Skin Ninja, Skin Deep, Think Dirty oder Clean Beauty. So lassen sich schnell und einfach bedenkliche oder gar schädliche Inhaltsstoffe identifizieren. Zudem sollten Sie speziell auf folgende Zertifizierungen – die Ihnen ein gewisses Maß an Sicherheit bieten - achten: Soil Association, Cosmos, Ecocert, USDA, NaTrue, EWG und Demeter.

Auch wenn „Clean Beauty“-Produkte etwas teurer sind, so tun Sie damit nicht nur der Umwelt, sondern auch der Gesundheit Ihrer Haut etwas Gutes! |Text: Vera Mergle