Die Tricks der Reiseplattformen - Wie man sich vor unüberlegten Buchungen schützt

Zweifelhafte Methoden im Internet

Ob Schuhe kaufen oder Bankgeschäfte tätigen: Nahezu alles ist mittlerweile bequem von zuhause aus mit Laptop oder Smartphone möglich. Auch Reisen und Hotels werden immer häufiger im Internet miteinander verglichen und gebucht – etwa auf Plattformen wie Booking.com, HRS oder Expedia. Doch die Seiten arbeiten teilweise mit Tricks, um den Reisesuchenden in die „Buchungsfalle“ zu locken. Wir zeigen Ihnen, wie Sie sich schützen können.

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Bild: Adobe Stock
Sicher haben auch Sie diese Sätze schon mal gelesen: „Sieben weitere Personen sehen sich gerade ebenfalls diese Unterkunft an“ oder „Schnell sein lohnt sich! Nur noch drei Zimmer übrig!“ Wer online sein Hotel buchen möchte, wird oftmals schnell unter Druck gesetzt. Sofort entstehen Stress und vor allem Angst – Angst davor, dass eine dieser Personen einem das Schnäppchen vor der Nase wegschnappt und man selbst ein schlechteres Hotel nehmen oder mehr Geld ausgeben muss. 

„Dunkle Muster“

Natürlich sind diese Meldungen kein Zufall. Vielmehr werden Nutzer systematisch dazu gebracht, ohne ausreichend Bedenkzeit etwas zu tun, was sie eigentlich gar nicht wollten. Derartige Methoden nennen sich „Dark Patterns“ und sind auch in der Softwarebranche durchaus verbreitet.

Vielleicht ist Ihnen das auch schon einmal passiert: Sie suchen am Anfang der Recherche zunächst nach einer passenden Unterkunft. Während Sie durch die Ergebnisliste scrollen, fällt auf, dass hier auch Hotels angezeigt werden, die an den zuvor gewählten Terminen bereits ausverkauft sind. Aber das macht doch eigentlich keinen Sinn? Schließlich haben Sie bewusst einen bestimmten Zeitraum ausgewählt. Hier wird also bereits ein erstes Gefühl der Dringlichkeit hervorgerufen: Sie haben etwas verpasst! Deshalb sollten Sie sich demnach beeilen, damit das nicht noch einmal passiert – dies ist sozusagen die indirekte Botschaft dahinter. Wer da noch nicht in die Falle gegangen ist, wird oftmals noch einmal explizit darauf hingewiesen, indem gezeigt wird, wie beliebt der ausgewählte Zeitraum ist.

Signalfarbe Rot

Haben Sie sich dann einmal für eine Unterkunft entschieden, geht es gleich weiter. Sie klicken auf das gewünschte Hotel und werden sogleich mit einer Flut an „Warnungen“ konfrontiert – natürlich in Rot gehalten. Es sind nur noch zwei Zimmer verfügbar, gleichzeitig sehen sich zehn weitere Personen das Hotel an UND eine davon hat nun auch schon gebucht. Es wird also eine Art Wettlauf um die verbliebenen Zimmer suggeriert. 

So findet oftmals eine Einblendung derartiger Meldungen in Form einer Benachrichtigung statt. Es fühlt sich dadurch so an, als würde hier etwas in Echtzeit passieren. Tatsächlich sind die vermeintlich eben erst getätigten Buchungen oftmals bereits mehrere Stunden alt. 

Suggerieren von Schnäppchen

Die rote Farbe zieht sich (quasi wie ein roter Faden) weiter durch die perfide Vorgehensweise der Reiseseiten: So gibt es nun einen farbigen Hinweis darauf, dass ein Angebot das billigste ist, das man bisher auf der Seite gesehen hat. Dieser nennt sich „Hauptgewinn“ und verspricht dem Nutzer, dass er jetzt das perfekte Schnäppchen entdeckt hat. Doch die Aussage hat so ihre Tücken: Falls Sie zuvor auf teurere Angebote geklickt haben, stimmt der Satz natürlich immer – es bedeutet jedoch keineswegs, dass der entsprechende Preis nun besonders günstig wäre. 

Regelungen? Fehlanzeige!

Gegen all diese Spielchen soll nun rechtlich vorgegangen werden. In Großbritannien gibt es seit September neue Vorschriften, die zumindest einen Teil der fragewürdigen Tricks ausdrücklich verbieten. Das Anzeigen ohnehin ausgebuchter Unterkünfte bei den Ergebnissen ist damit untersagt, zudem sind Hinweise à la „Neun Personen sehen sich genau jetzt ebenfalls dieses Hotel an“ nur erlaubt, wenn es sich auch wirklich um dieselben Reisedaten handelt.

In Deutschland gibt es noch keine entsprechenden Regelungen, allerdings arbeiten die EU-Verbraucherschutzbehörden derzeit gemeinsam mit der EU-Kommission an einer Art „Checkliste“ für Onlineplattformen aus. Dadurch soll sichergestellt werden, dass die dargebotenen Informationen transparent, klar und verständlich dargestellt werden.

Keinesfalls stressen lassen

Bis dies allerdings umgesetzt wird, kann es durchaus noch etwas dauern. Daher sollten Sie sich den Tricks bewusst sein, sich nicht stressen lassen, keine überhasteten Entscheidungen treffen und bestenfalls mehrere Portale und Bewertungen durchforsten. Wir wünschen einen schönen Urlaub! |Text: Vera Mergle