Öffentliche Ladesäulen für E-Autos: Anbieter, Tarife und Co. im Vergleich

Power ohne Ende?

Ob ein Elektroauto im Alltag praktisch ist, steht und fällt mit seiner Reichweite. Mit der Nutzung öffentlicher Ladesäulen gewinnen Sie als E-Auto-Besitzer deutlich an Flexibilität, wenn Sie einmal weitere Fahrstrecken zurücklegen möchten. Jedoch verlieren viele in einem Dschungel an verschiedenen Abrechnungssystemen, Stromtarifen und Anbietern schnell den Überblick – wir schaffen Abhilfe!

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Bild: Adobe Stock / Joachim B. Albers
In Deutschland gibt es laut Bundesnetzagentur derzeit gut 15.000 Ladestationen – in der Realität sind es wohl sogar einige mehr, weil in der aktuell verfügbaren Liste bei weitem nicht alle Betreiber auftauchen. Für den Raum Augsburg zeigt die Ladesäulenkarte 134 öffentlich zugängliche Ladepunkte, in Ulm bzw. Neu-Ulm sind es 23 und im Allgäu 63. Wie viel die einzelne Kilowattstunde (kWh) dort am Ende jeweils wirklich kostet, ist oft unklar und je nach Anbieter sehr unterschiedlich.

Vielzahl an Abrechnungssystemen
Die meisten Ladesäulen funktionieren mit einer eigenen Ladekarte oder Lade-App – alleine hier in Deutschland gibt es derzeit allerdings über 300 unterschiedliche Ladekarten. Im Normalfall ist es notwendig, sich bei dem entsprechenden Betreiber der Ladesäule zu registrieren.

Die Tarife sind oftmals sehr intransparent und basieren auf unterschiedlichen Bezahlmodellen – von Grundgebühren über Prepaid-Tarifen bis hin zu einer Abrechnung nach bestimmten Preiskomponenten. Eine dieser Komponenten ist die Zeit: Hierbei verrechnen Anbieter einfach, wie lange Sie Ihr Elektroauto an der jeweiligen Ladestation angeschlossen haben. Vorsicht: Es wird hier nicht nur die Ladezeit berechnet, sondern die gesamte Zeit, die Ihr Elektroauto an der öffentlichen Ladesäule hängt! 

Zusätzlich zur geladenen Zeit kann je nach Anbieter eine weitere monatliche Grundgebühr anfallen. Diese fällt durchgehend immer an, unabhängig von der Lademenge, Zeit und der Tatsache, ob Sie überhaupt laden oder nicht. Einige Anbieter erheben zudem eine Startgebühr, also ein einmaliges Entgelt für das Starten eines Ladevorgangs. Je nach Betreiber der Ladestation können diese verschiedenen Preiskomponenten auch miteinander kombiniert werden.

Selten: Abrechnung nach kWh
Auch möglich ist eine Abrechnung nach Lademenge, also nach den kWh, die das Elektroauto lädt – dies ist jedoch eher selten der Fall. Doch woran liegt das? Für die Abrechnung nach kWh müssen in Deutschland nach der Eichrechtsverordnung (gilt seit Januar 2018) eichkonforme Zähler in die Normalladesäulen (AC) eingebaut werden. Denn während an herkömmlichen Tankstellen Benzin- und Dieselzapfstellen geeicht sind, ist das bei Strom aus Ladesäulen aktuell noch im Aufbau. 

Das Problem liegt bei der Technik: Der Einbau geeichter Zähler ist derzeit nur an sehr wenigen Ladesäulen möglich. Hinzu kommt, dass es für Schnellladesäulen (DC) noch keine eichkonformen Zähler gibt, weshalb hier aktuell noch eine Sonderregelung gilt. Aus diesem Grund rechnen viele Anbieter nach Ladezeit ab und bieten Pauschaltarife – was wiederum dazu führt, dass es schnell sehr teuer werden kann (etwa bei Abrechnung pro angefangener Stunde).

Kosten für eine Aufladung
Relativ leicht lassen sich die Kosten für eine Aufladung bei der Haushaltssteckdose ausrechnen: Bei einem Strompreis von 30,28 Cent pro Kilowattstunde (Drei-Jahresdurchschnitt) kostet die Aufladung für 100 Kilometer zu Hause etwa 4,50 Euro und dauert beispielsweise beim Nissan Leaf fünf bis sechs Stunden. 

An einigen Stromtankstellen wird jedoch pro Stunde abgerechnet – dementsprechend komplizierter gestaltet sich die Berechnung. Mit einem Typ 2-Stecker (1-phasig) dauert eine volle Aufladung beim BMW i3 etwa vier bis fünf Stunden und kostet beispielsweise mit der Charge NOW Ladekarte 4 Cent pro Minute und damit 2,40 Euro pro Stunde. Für eine volle Aufladung fallen also 12 Euro (5 mal 2,40 Euro) an – teilt man dies noch durch die Reichweite (250 Kilometer), so kommt man auf den Preis von ungefähr 4,5 Cent pro Kilometer. 

Die wichtigsten Anbieter 
Es gibt zudem verschiedene Anbieter öffentlicher Ladesäulen, von denen wir Ihnen die wichtigsten kurz vorstellen:

1) Ladekarten von Stadtwerken und Gemeinden
Der Großteil aller Ladekarten-Anbieter ist als Energieversorger tätig. Darüber hinaus versuchen mittlerweile auch einige Gemeinden, ein Ladeangebot für Elektroauto-Besitzer zu schaffen. Jedoch ist die Preispolitik bei den Anbietern stellenweise sehr unterschiedlich. Dennoch empfiehlt es sich, bei der Suche nach einer Ladekarte den ersten Blick auf die Anbieter aus der Nachbarschaft zu werfen. Dadurch werden Sie zumindest in Ihrer Region keine Probleme mit dem Laden bekommen, denn der Ausbaustatus ist vor Ort vermutlich am besten. Mit der Ladekarte von einem regionalen Energieanbieter können Sie allerdings nur bedingt durch ganz Deutschland reisen – deshalb sollten Sie diese bestenfalls mit einer zweiten Karte aus einem Ladenetzwerk ergänzen.

2) Roaming Anbieter
Einige Marktteilnehmer wollen das Laden im öffentlichen Raum nämlich einfacher gestalten, indem sie Ladekarten anbieten, die mit möglichst vielen Ladestationen kompatibel sind. Bei den Roaming-Lösungen können Fahrer von Elektroautos nicht nur die Lade-Infrastruktur des eigenen Netzwerks nutzen, sondern erhalten auch Zugang zu den Ladesäulen der Roaming-Partner. Anbieter wie Plugsurfing und NewMotion bieten das Laden an nahezu allen Ladestationen in Europa an. Sie übernehmen dabei die komplette Abrechnung – bezahlt wird dann allerdings nach dem Tarif, den der Ladesäulenbetreiber festlegt.

3) Ladekarten von Automobil-Herstellern
Nahezu alle Hersteller von Elektroautos haben auch eine eigene Ladekarte im Angebot. Vor allem die Besitzer von Tesla-Elektrofahrzeugen haben davon sehr lange profitiert, da diese ihr Auto an den sogenannten Supercharger-Ladestationen nicht nur besonders schnell, sondern auch kostenlos aufladen konnten. Inzwischen erhalten Sie mit den Ladekarten der Automobil-Anbieter zwar immer noch Zugang zu einem Großteil aller verfügbaren Ladestationen, kostenlos aufladen können Sie das Auto allerdings auch mit diesen Karten meist nicht mehr. Die Tarife sind hierbei verhältnismäßig trotzdem eher kostengünstig (durchschnittlich 29 bis 35 Cent pro kWh). Im Regelfall müssen Sie eine einmalige Aktivierungsgebühr bezahlen, monatliche Gebühren fallen nur vereinzelt an.

4) Ladestationen vor Supermärkten und Co.
Auch Supermarkt-Ketten und Baumärkte setzen verstärkt auf Elektromobilität und ermöglichen ihren Kunden während des Einkaufens das Laden von Elektroautos. Zur Freischaltung der Ladestation wird oft eine RFID-Karte benötigt, die an der Supermarkt-Kasse erhältlich ist. Auch Schnellrestaurants werden zukünftig ihr Angebot an Ladestationen ausweiten.

5) Reine App-Anbieter und bargeldloses Aufladen
Bei vielen Anbietern wird der Ladevorgang mehr und mehr über eine Smartphone-App koordiniert. Mit einer App erhalten Sie einen transparenten Überblick über die jeweiligen Kosten der Stationen und Zugang zu vielen Funktionen – auch Tankstellen-Finder und weitere technische Spielereien sind im Regelfall integriert. Die Aufladung funktioniert bei allen Anbietern gleich: Sie koppeln die App an eine gewünschte Zahlungsmethode und durch das Scannen des QR-Codes am Ladeautomaten wird Ihnen auf dem Handy direkt der Preis angezeigt und die Ladesäule für Ihr Auto freigeschaltet. Die Registrierung ist bei allen Anbietern kostenlos, bei einigen Anbietern benötigen Sie allerdings einen Authentifizierungsschlüssel.

6) Plug & Charge
Ein neuer Ansatz geht über den Standard ISO 15118: Dabei wird das Auto quasi selbst zur Geldbörse. Der Datenaustausch zwischen Fahrzeug und Ladeinfrastruktur wird hier automatisiert und abgesichert. Sobald das Ladekabel eingesteckt ist, kommuniziert das Fahrzeug verschlüsselt mit der Ladestation und der Ladevorgang startet automatisch. Das abschließende Bezahlen erfolgt dann ohne weiteres Zutun – bislang sind allerdings noch sehr wenige Modelle dafür ausgelegt.

Welche Ladekarte ist für mich geeignet?
Die Wahl der passenden Ladekarte hängt neben dem eigenen Fahrverhalten auch stark von der jeweiligen Region ab. Für Vielfahrer ist zum Beispiel eine Karte mit monatlicher Grundgebühr von Vorteil, da hier geringere bzw. gar keine Kosten für die einzelne Ladung anfallen. Auch spezielle Viellader-Tarife sind hier interessant – diese werden bereits ab einem Verbrauch von rund 50 kWh im Monat empfohlen. Für Gelegenheitsfahrer hingegen ist meist eine Prepaid-Karte am sinnvollsten.

Tipp: Mitnehmen, was geht! Wenn eine Ladekarte kostenlos verfügbar ist, dann schlagen Sie zu. Im Fall der Fälle hat man lieber eine Ladekarte zu viel als zu wenig. Außerdem ist es sinnvoll, Karten von Roaming-Anbietern zu nutzen, um die Reichweite der Ladekarte zu vergrößern. Bestenfalls gleich einen Anbieter mit Smartphone-App wählen: So erhalten Sie ganz einfach ohne Ladekarte Zugang zu der Stromtankstelle, können bequem bargeldlos bezahlen und weitere Features der App nutzen. 

Eine genaue Auflistung finden Sie in unserem e-paper: https://www.trendyone.de/magazin

| Text: Vera Mergle