Wohnen wieder anders: Wie der „Cohousing“-Trend Einzug hält

Keine finanziellen Verpflichtungen

Eine Cohousing-Siedlung ist der Beschreibung nach „eine geplante Gemeinschaft, die aus privaten Wohnungen oder Häusern besteht, die durch umfangreiche Gemeinschaftseinrichtungen ergänzt werden“ – das sagt Wikipedia zur neuen Wohnform, die mehr und mehr Einzug hält. Doch was hat es mit dem Trend, der einst in Dänemark entstand, genau auf sich? Und wo kann man hierzulande an einem solchen Wohnprojekt teilnehmen?

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Bild: Adobe Stock / deagreez
Bereits in den 1960er Jahren startete die Co-Housing Bewegung, damals in Kopenhagen. Grundgedanke war und ist, dass jeder „Mitbewohner“ sein eigenes Heim hat, ob Wohnung oder Haus. Doch darüber hinaus gibt es gemeinschaftliche Flächen, die zusammen belebt und bewirtschaftet werden. Das können gemeinsame Außenflächen, aber auch Gemeinschaftsräume im Inneren sein, wie z.B. große Küchen oder Veranstaltungssäle. Damit unterscheidet sich diese Wohnart strikt von klassischen Wohngemeinschaften, bei welchem man sich gemeinsam unter einem Dach mit anderen Mitbewohnern zusammenfindet. Beim Co-Housing hingegen hat jeder seinen Rückzugsort, doch kann trotzdem von der Gemeinschaft profitieren. Auch bekannt sind Co-Housing-Formen hierzulande zum Beispiel als „Mehrgenerationen-Wohnen“. Diese Projekte entstehen aktuell in mehr und mehr Orten, da die gesellschaftlichen Entwicklungen dazu führen, dass Menschen aller Altersklassen immer häufiger im Alltag alleine sind und in Mehrgenerationenhäusern voneinander profitieren können. Doch anders als „kleine Mehrgenerationenhäuser“, sind typische Co-Housing-Projekte deutlich größer und vielschichtiger angelegt. Ganze Siedlungen sind so entstanden, auf Gemeinschaftsflächen finden jedoch stetig Aktivitäten für alle statt – egal wie groß das Projekt angelegt ist. 

Ein ganz besonderes Merkmal des Co-Housing: Entscheidungen trifft nur die Gemeinschaft. Zwar übernehmen einzelne Personen verantwortungsvolle Tätigkeiten und sind für Organisation und Planung zuständig, für weitreichende oder wichtige Entscheidungen wird jedoch die gesamte Gemeinschaft befragt. 

Zudem funktioniert dieses Wohnsystem für jeden Bewohner weitestgehend autark, vor allem finanziell. Zwar können gemeinschaftliche Aktivität auch durch den gemeinsamen Einsatz von Geldern umgesetzt werden, eine Pflicht zum Einzahlen regelmäßiger bestimmter Beträge besteht jedoch zumeist nicht. 

Diese Unabhängigkeit ist das, was Bewohner von Co-Housing Systemen so schätzen. Denn trotz dieses Umstands, profitieren sie alle von der Gemeinschaft, die im Falle eines Falles da ist. Ob man das Know-How seiner Nachbarn für eigene Projekte nutzen möchte, sein eigenes Können bei anderen als Hilfe anbietet oder ob man aufgrund des Alters und des familiären Bedarfs zueinander findet – die Möglichkeiten sind vielfältig. Typisch für Co-Housing: Der Familienvater geht nach seinem Bürotag zum Einkaufen und bringt seiner Nachbarin, welche sich bereits in Rente befindet, ein paar Dinge aus dem Supermarkt mit, da diese nicht mehr allzu gerne Auto fährt. Dafür steht die „Oma von nebenan“ mit Rat und Tat zur Seite, wenn es um den Nachwuchs geht und passt auch gerne mal auf diesen auf. 

Bei diesen Handlungen sieht man, worauf es beim Co-Housing geht: Zeitersparnis. Durch die Erledigung von Dingen für mehrere Bewohner gleichzeitig, wie zum Beispiel das Mitbringen von Lebensmitteln bei der Fahrt zum Supermarkt, sparen sich die „Belieferten“ die Zeit für den Einkauf. 

Doch neben diesen „harten Faktoren“, wie die Einsparung von Zeitressourcen, geht es vor allem um die gemeinsame Gestaltung der Freizeit. Denn über den klassischen Alltag hinaus, soll Co-Housing den Wohlfühlfaktor und die Lebensqualität fördern – eben indem verschiedene Menschen verschiedenen Geschlechts und Alters, mit völlig unterschiedlichen Lebensmodellen, zusammenkommen. Das erweitert den eigenen Horizont und die Zufriedenheit, bewiesenermaßen. 

Doch nicht für jeden eignet sich Co-Housing, denn ein gewisses Maß an Kommunikation – und hierfür muss immer Zeit aufgebracht werden – ist Voraussetzung für ein erfolgreiches Zusammenleben. Wer also täglich nach dem Job seine Ruhe möchte und auch keine Freude dabei empfindet, anderen Menschen unter die Arme zu greifen, ist hier falsch. 

Mehrere Organisationen deutschlandweit haben sich bereits dem Co-Housing Prinzip gewidmet und vermitteln Interessenten zu Angeboten vor Ort. Noch sind die Projekte nicht flächendeckend in ganz Deutschland vorhanden. Doch in den nächsten Jahren ist allein aufgrund der demografischen Entwicklung mit immer mehr Siedlungen dieser Art zu rechnen, vielleicht ja auch in Ihrer Nähe.