Tagesmütter, Leihomas und Kita: Das Betreuungs- Einmal eins

Die Kita Qualität steigt

Fast jeder von uns kennt den Duft von Kartoffelpuffer, die im Fett ihren Freischwimmer machen und von Butterbrotstullen, bei denen die Butter doppelt so dick ist wie das Brot. Bei Oma und Opa ist es eben am Schönsten. Die „geliehene Oma“ ist in unseren Breitengraden noch nicht sehr verbreitet. Worin sich die ältere Dame von der Tagesmutter unterscheidet und welche Vorteile die Kita bringen kann, erfahren Sie hier.

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Bild: adobe.stock.com
Anmerkung: Um es einfacher zu halten, werden wir im Folgenden von Omas und Mamas sprechen, da der Großteil auf diesem Gebiet von weiblicher Natur ist. Opas und Papas dürfen sich natürlich trotzdem jederzeit angesprochen fühlen. 

Der Unterschied macht‘s -Die Tagesmutter

Den Begriff „Tagesmutter“ kennen wir. Wir stellen uns eine Mami vor, die ein bis drei Kinder über den Tag in ihren eigenen vier Wänden betreut. Diese liebevolle Aufgabe ist ihr Beruf und sie wird für ihre Dienste bezahlt. In der Fachsprache wird eine Tagesmutter „Kindertagespflegeperson“ genannt und muss seit 2006 eine pädagogische Qualifizierung und einen Erste-Hilfe-Kurs am Kind nachweisen. Üblich sind 300 Stunden Qualifizierungsunterricht, 80 Stunden Praktikum und eine mündliche Abschlussprüfung. Eine Tagesmutter ist also eine qualifizierte und geprüfte Pflegeperson, die nur mit einer pädagogischen Eignung und Ausbildung ihren Beruf ausüben darf. Das Jugendamt verfügt über eine Liste von Tagesmüttern aus der jeweiligen Region, die ständig erweitert und aktualisiert wird. Nur qualifizierte Tagesmütter, die an Fortbildungen teilnehmen und in regelmäßigem Kontakt zum Jugendamt stehen, werden dort vermittelt.

Die Leihoma

Während Leihomas in Amerika und in England bereits auf eine Tradition von etwa 100 Jahren zurückblicken können, kennen wir sie in Deutschland erst seit ungefähr 20 Jahren. Der größte Unterschied zu einer Tagesmutter liegt darin, dass die Omas nicht des Geldes wegen kommen, sondern wegen der Kinder. Anders als ein Babysitter erscheint eine Leihoma auch nicht ausschließlich auf Abruf, sondern besucht die Familie lieber in regelmäßigen Zeitabständen. Besonders ältere Menschen, deren Familie und Enkel weit entfernt wohnen oder solche, die gar keine Enkel haben, freuen sich über diese Möglichkeit und erfahren wieder das schöne Gefühl gebraucht zu werden. Die Großmütter werden oftmals wie eine richtige Oma ins Familienleben integriert und beaufsichtigen die Kinder, als wären es die eigenen Enkel.  Vermittelt werden die Leihomas über Mütterzentren, Wohlfahrtsorganisationen wie die Arbeiterwohlfahrt oder die Caritas und auch über das jeweilige zuständige Jugendamt, wobei es ganz unterschiedliche Regelungen gibt. Oft üben die Leihomas ihre Aufgabe ehrenamtlich aus. Manchmal können aber auch geringfügige Gebühren entstehen. Wichtig ist, die Leihomas nicht als Haushaltshilfe, Putzfrau oder eben Babysitter zu missbrauchen. Und: Eine Leihoma ist keine pädagogisch geprüfte und ausgebildete Betreuungsperson. Es sollte mit der Leihoma abgesprochen werden, was genau zu ihren Aufgaben gehört, beispielweise Hilfe bei den Hausaufgaben, Herumtollen oder Vorlesen. Daher füllen beide Seiten vor der Vermittlung auch einen Fragebogen aus. 
Achtung: Alles steht und fällt mit der Sympathie. Kommen Eltern nicht mit den Ansichten der Tagesmutter oder Leihoma zurecht, dann liegt es nahe, dass sie ihr Kind auch nicht von jemanden betreuen lassen, der andere Werte und Normen verkörpert, als sie. 

Punktuelle Erziehung

Tagesmütter und Leihomas sind für die Betreuung von wenigen Kindern zuständig. Die Augen und Ohren konzentrieren sich nur auf wenige kleine Geister und können ihnen somit mehr Sicherheit, Aufmerksamkeit und Zuwendung geben. Nicht selten wird eine innige Beziehung zu und von den Kindern aufgebaut.

Die Kita’s – Kindertagesstätten

Großflächiger wird es in den Kindertagesstätten. Unweigerlich denken viele an überfüllte Räume voller Kinder und Spielzeug und irgendwo im Gewusel huschen ein bis zwei Betreuer durchs Bild. Wir dürfen dieses Bild etwas übermalen, denn die Qualität der Kitas in Deutschland steigt. Dies zeigt sich vor allem an der positiven Entwicklung des Personalschlüssels. Kamen zum 1. März 2012 noch 4,8 ganztags betreute Kinder auf eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft in Krippengruppen, waren es im März 2016 rein rechnerisch 4,3 Kinder. In Bayern liegt das landesweite Mittel bei 3,7 Kindern pro Fachkraft, zwischen den Kreisen gibt es jedoch große Spannweiten.

Kita: Die Vorteile

Die Mitarbeiter einer Kinderkrippe sind besonders geschult im Umgang mit kleineren Kindern und beschäftigen in erster Linie professionelles Personal. Sie und Ihr Kind haben es also hauptsächlich mit ausgebildeten Erziehern und Erzieherinnen zu tun.  In der Krippen-Gruppe bekommt Ihr Kleines Kontakt zu mehreren Kindern ähnlichen Alters. Dieser Kontakt mit Spielkameraden fördert das soziale Lernen und gibt Ihrem Kind neue Anregungen. Es lernt, sich in eine Gruppe einzufügen: Der Tagesablauf in einer Krippe ist im Allgemeinen gut strukturiert und es herrschen klare Regeln, die das Miteinander ordnen. Eine Kinderkrippe kann Ihrem Kind ein größeres Angebot an Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten geben. Die Kinder haben die Möglichkeit zu basteln, zu singen oder vielleicht auch sportlich aktiv zu sein. Die meisten Einrichtungen verfügen über einen eigenen Außen-Spielplatz. Vielleicht kann Ihr Kind sogar an gemeinschaftlichen Ausflügen teilnehmen. Ein weiteres Argument für die Krippe: Die Betreuung funktioniert zuverlässig und unabhängig davon, ob ein einzelner Betreuer ausfällt oder erkrankt. 

Nice to know:
In Deutschland besuchen so viele Kinder eine Kita wie noch nie: Im März 2016 sind rund 721.000 Jungen und Mädchen unter drei Jahren in einer Einrichtung (614.000) oder von einer Tagesmutter (107.000) betreut worden.

Tipps für Infos
Gesetzlich geregelt ist, dass wir bei Erwerbstätigkeit Anspruch auf einen Betreuungsplatz unserer Kinder haben. Das schließt auch die Tagesmütter mit ein. Infos können beim zuständigen Jugendamt eingeholt werden. 
Auf www.tagesmutter.com gibt es außerdem einen Ratgeber, der wichtige Fragen klärt. Für Eltern, die ihr Kind in eine Krippe, Kita oder Kindertagespflegestelle geben wollen, hat die Deutsche Liga für das Kind die Broschüre „Die beste Betreuung für mein Kind. Worauf Sie achten sollten, wenn Sie Ihr Kind in eine Krippe, Kita oder Kindertagespflegestelle geben“  herausgegeben. Die Broschüre können Sie sich auf der Internetseite www.fruehe-tagesbetreuung.de herunterladen.

Ratgeber für Eltern

Nachdem sich Eltern beim Jugendamt, im Freundeskreis oder Internet einen Überblick über das Angebot der Kinderbetreuung vor Ort verschafft haben, sollten sie die Alternativen kritisch prüfen. Sehen Sie sich in Ruhe um, denn räumliche Voraussetzungen sind sehr wichtig. Seien Sie sensibel für das Atmosphärische: Denken Sie daran, wie feinfühlig Kinder für Stimmungen, das Klima und zwischenmenschliche Umgangsformen sind. 
Sprechen Sie auch ausführlich mit dem Fachpersonal und der Einrichtungsleitung. Sie müssen ernst genommen und auf Ihre Belange muss eingegangen werden. Erkundigen Sie sich, wer sich um Ihr Kind im Alltag kümmert und welche Erzieherin eine enge persönliche Bindung eingehen wird. Diese Voraussetzungen müssen stimmen.