Windel-Abschied: die Start-Signale

Ausgewickelt

Sobald sich das Konfetti vom zweiten Geburtstag gemächlich dem Boden nähert, fangen die Fragen an, die bei „Hau den Lukas“ stets den Gong erreichen würden: „Echt? Du wickelst immer noch?“ Atmen Sie tief durch und entspannen Sie sich bei diesem Artikel über einen großen Schritt für kleine Menschen, über Stress, den man sich eigentlich nicht machen muss und über Anzeichen, die das Ende der Windelära einläuten können.

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Bild: pololia - stock.adobe.com

Reifungsprozess verläuft unterschiedlich schnell

Ein Kind, das mit drei Jahren trocken wird, hat keinen Nachteil gegenüber einem Kind, das mit anderthalb keine Windel mehr braucht. Das Sauberwerden ist ein Reifungsprozess ohne Abnahmetermin. Die Einzigen, die Stress verbreiten, sind überwiegend die lieben Eltern. Aber wussten Sie, dass ein Kind bestimmte Entwicklungsschritte vollzogen haben muss, damit es sich überhaupt mit dem Abenteuer Sauberwerden einlassen kann? Die Nervenbahnen zwischen Blase beziehungsweise Darm und Gehirn müssen so ausgereift sein, dass das Kind eine volle Blase oder den Drang im Darm überhaupt wahrnehmen kann. Im nächsten Schritt folgt das Deuten der Körpersignale und danach das Kontrollieren der Schließmuskeln, erst tagsüber, später dann auch nachts.

Studien: Druck ist kontraproduktiv

Diese Reifungsschritte lassen sich von außen nicht beeinflussen. Das bedeutet auch: Sauberwerden ist kein Erziehungserfolg der Eltern. Lassen Sie diesen Satz ruhig etwas auf sich wirken. Studien zeigen sogar, dass zu frühes, strenges Drillen aufs Töpfchen den Prozess des Sauberwerdens verlängern kann. Denn Blase und Darm reagieren empfindlich auf Stress, jedoch ist für das große und kleine Geschäft Entspannung notwendig. „Mit der Sauberkeitsentwicklung klappt es am besten, wenn das Kind selbst es lernen will“, sagt Sigrun Eder, Psychologin und Autorin aus Salzburg. 

Auch wenn Eltern das Tempo des Sauberwerdens nicht bestimmen können, sind sie trotzdem wichtige Begleiter in dieser Phase.

Wichtigste Regeln: Reagieren und loben

Gerade in der Anfangsphase sind viele Pipi-Ankündigungen des Kindes Fehlalarm. Eltern sollten jedoch auf jede Meldung des Kindes reagieren. Tun sie das nicht, ignoriert das Kleine den Vorgang künftig. Kinder sind darauf angewiesen, dass ihre Bezugspersonen ihnen bei diesem Entwicklungsschritt helfen. Auch wenn es mal in die Hose geht, sollte ein Kind stets gelobt werden, dass es die volle Blase gespürt hat. So hat es kleine, wichtige Erfolgserlebnisse.

Kleine Unfälle akzeptieren

Der Abschied von der Windel ist nicht nur ein individueller Prozess, sondern auch einer, der sich über mehrere Jahre strecken kann, bis alles trocken bleibt. Auf keinen Fall dürfen Eltern schimpfen, wenn das Geschäft in der Hose landet.

Tipp: Nehmen Sie Ihr Kind in den Arm, trösten Sie es, und machen Sie das Ganze nicht zu sehr zum Thema. In dieser sensiblen Phase erleben Kinder jedes Missgeschick als Niederlage. 

Tipp: Wechselkleidung und eine Plastiktüte (für nasse Klamotten) sind Ihre neuen, treuen Begleiter.

Wir kuscheln weiter

Der Abschied von der Windel fällt Kindern manchmal auch schwer, weil sie die Nähe vermissen, die beim Wickeln entsteht. Mama küsst und kitzelt den Bauch, Papa plaudert mit dem Nachwuchs. Windelwechseln ist Beziehungspflege und durch das Sauberwerden fällt diese Zuwendung weg. Damit Kinder auch weiterhin die Aufmerksamkeit von Mama und Papa bekommen, sind Kuscheleinheiten eine wahre Wonne. Für alle.

Start-Signale

Ihr Kind macht diesen Schritt, wenn es bereit ist und nicht, weil Sie denken, dass es bereit sein sollte. Lassen Sie sich von niemandem drängen. Diese Anzeichen dienen also nur zur Orientierung und Einschätzung, ob Ihr Kind für diesen Schritt aufnahmebereit ist.
  1. Ihr Kind fängt an, die Toilettengewohnheiten von Ihnen zu imitieren und/oder zeigt Interesse an der Toilette. 
  2. Ihr Kind fängt an, sich für den Windelinhalt zu interessieren, woher dieser kommt und ob das bei Mama und Papa auch so aussieht. 
  3. Ihr Kind informiert Sie darüber, wenn es Pipi oder sogar ein großes Geschäft in die Windel gemacht hat.
  4. Bitte wechseln! Bei den heutigen Hightech-Windeln, die jegliche Flüssigkeit aufsaugen wie ein Schwamm, stellt sich das unangenehme Gefühl von einer vollen Windel relativ spät ein. Aber bald merken Kinder trotzdem: Pipi gemacht, nass, kalt, schwer, unschön. Und das äußern sie dann auch.
  5. Die Windel bleibt über weite Strecken des Tages oder gar über Nacht trocken. Das bedeutet: Ihr Nachwuchs ist bereits in der Lage, den Harn und den Darm soweit zu kontrollieren. Ein gutes Zeichen Richtung Töpfchen/ Toilette.

Schlusswort

Die meisten Probleme bei der Sauberkeitsentwicklung sind Scheinprobleme, die durch falsche Erwartungen und falschen Rat entstehen. Viele Eltern beginnen das Sauberkeitstraining zu früh, angespornt vom eigenen Ehrgeiz und dem Nasszellenverhalten anderer Kinder. Akzeptieren Sie, dass sich dieser Prozess Ihrem Einfluss entzieht. Die Kleinen wissen selbst, was sie brauchen und können. Und das ist wunderbar. Gönnen Sie Ihrem Kind also sein eigenes Tempo. Es ist nämlich genau das Richtige. 

Text: Stefanie Steinbach