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Vom Spielbrett zum Tablet: Kinder in der Medienwelt

Im Alltag nutzen Kinder zu 96 % das Fernsehen mindestens einmal die Woche

Was haben Sie damals gemacht, als Sie an der Bushaltestelle standen und auf Ihren Schulbus gewartet haben? Hausaufgaben abgeschrieben? Die Pflastersteine gezählt? Oder Panini-Bildchen getauscht? Die heutige Generation wartet mit gesenktem Kopf und einer beachtlichen Daumenmuskulatur. Das digitale Zeitalter bietet uns faszinierende Möglichkeiten, die beängstigende Schattenseiten mit sich bringen. Wir wollen unsere Kinder wieder von oben bis unten voller Matsch sehen anstatt fein säuberlich vor den Bildschirmen.

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Bild: stock.adobe.com
Fluch und Segen
Sie liegen auf dem Esstisch, in der Schultasche oder sogar auf dem Nachtschrank und werden immer wieder mit flüchtigen Blicken bedacht: Smartphones, Tablets und Co. gehören mittlerweile zu den Konstanten, mit denen Kinder der heutigen Generation aufwachsen. Es herrscht ein Überangebot auf allen Kanälen: 

Mutter und Tochter schauen Gilmore Girls bei Netflix, Papa versucht sein Glück mit Traden auf dem Notebook und der jüngste Sohn spielt Angry Birds auf dem Tablet. Bildschirme, wohin das Auge reicht. Laut der Kinder- und Medienstudie 2016 (KIM Studie) ist das Fernsehen im Grundschulalter das nach wie vor wichtigste Medium für die Kleinen. An einem durchschnittlichen Tag sehen die 6- bis 13-Jährigen 88 Minuten fern. 

Wir sind noch auf Zehenspitzen nach unten ins Wohnzimmer geschlichen, um Arielle, die kleine Meerjungfrau oder Power Rangers auf dem Röhrenfernseher anzusehen. Heute kann ein Kind darüber nur müde lächeln. Es kann wählen, ob es auf dem Smartphone, dem Tablet oder dem Notebook schauen möchte, auf dem Sofa oder in der Küche. Sendezeiten und Programmvorgaben gibt es nicht mehr, sondern alles ist zu jedem erdenklichen Zeitpunkt verfügbar.

WhatsApp und Facebook
Insbesondere bei den älteren Kindern spielt die Kommunikation über soziale Netzwerke eine wichtige Rolle in ihrem Alltag. 29 Prozent der Kinder schicken ihren Freunden fast täglich eine Nachricht über WhatsApp. Ab etwa 10 Jahren wird auch über Facebook vom aktuellen Brotbelag bis hin zum Outfit des neuen YouTube-Stars gepostet und kommentiert, was das Zeug hält. 

Smartphones und Tablets
Kinder werden damit groß, dass sie Mama und Papa vor dem Smartphone sehen. Für sie wird das zu einem völlig normalen Zustand werden, wenn Eltern keine Medienkompetenz zeigen. Das Tablet liegt immer griffbereit auf dem Sofa, das Smartphone auf dem Esstisch in Sichtweite. Kinder sehen Menschen im Alltag, die mit gesenkten Köpfen durch die Straßen laufen und telefonieren, als würden sie ein Knäckebrot vor sich halten. Etwa jedes dritte Kind ist selbst stolzer Besitzer eines Smartphones, mit dem es am Tag durchschnittlich rund 19 Minuten lang spielt. Umso wichtiger ist es, dass WIR unseren Kindern zeigen, wie verantwortungsvoller Medienkonsum aussieht.

Zeigen Sie Ihre (Medien)Kompetenz
„Medienkompetenz“ bedeutet mehr als zu wissen, welche Knöpfe wir drücken müssen.
Einen sinnvollen Umgang mit Medien zu lernen, ist ein Prozess, der in kleinen Schritten erfolgen sollte, damit das Kind nicht überfordert wird. Denn alles, was aus den Medien auf kleine Kinder einströmt, kommt zunächst „ungefiltert“ bei ihnen an. Sie müssen erst noch lernen, wie sie das Gesehene einordnen und wie sie damit umgehen können. Kinder sollen sich trotz aller medialer Anziehungskraft wieder davon lösen und anderen Dingen ihre Aufmerksamkeit widmen können. Wie Kinder Medien nutzen, wahrnehmen und interpretieren, hängt von ihrem Entwicklungsstand ab, deshalb gibt es kein in Stein gemeißeltes Einstiegsalter, sondern nur sinnvolle Richtwerte. 

Sie finden diese Angaben übertrieben? Ja, es ist ein hehres Ziel, vor allem, da es mittlerweile überall Fernseher und Bildschirme gibt. Sogar in Restaurants, in denen wir normalerweise in Ruhe das Essen genießen wollen, ohne nebenbei zu erfahren, ob der Dax wieder gestiegen ist. Wir sollten das Bewusstsein haben, dass es mächtig schiefgehen kann, wenn wir unsere Kinder nicht verantwortungsvoll durch die Medien begleiten. Es ist unsere Aufgabe, dass wir unseren Kleinen beibringen, für sich selbst Sinnvolles und Interessantes aus dem großen Medienangebot auszuwählen, statt wahllos zu konsumieren. Wir können ihnen helfen, die Inhalte einzuordnen und zu verarbeiten und die Medienangebote und Werbung kritisch zu beurteilen. Wir sollten Medienbotschaften hinterfragen und unseren Sprösslingen beibringen, sich nicht von der Anziehungskraft von Medienklischees einfangen zu lassen. Wir können unseren Kindern zeigen, Medien dazu zu nutzen, kreativ zu sein und sich mit anderen auszutauschen.

Chancen der Mediennutzung durch Kinder
Das Internet als unendliches Informations- und Möglichkeitenuniversum kommt der natürlichen Entdeckerlust von Kindern entgegen: Spiele, Malprogramme, Bastelanleitungen, Geschichten – die Auswahl ist grenzenlos und per Mausklick sofort abrufbar. 

Tatsächlich eignen sich Medien dazu, kindliche Denk- und Lernprozesse anzuregen. So können kindgerechte Sendungen im Fernsehen Wissen vermitteln, die Funktionsweise von Dingen erklären oder andere Länder und Kulturen nahebringen. Durch Tablets, Computer oder auch Spielekonsolen - vor allem, wenn sie von Eltern und Kindern gemeinsam genutzt werden – kann das strategische Denken trainiert, die Auge-Hand-Koordination und die Kommunikationsfähigkeit verbessert werden. 

Fernsehen oder Computerspiele sind nicht von vornherein „pädagogisch bedenklich“ oder „schlechter“ als Bücherlesen, Malen oder Basteln. Die richtige Mischung aus Freizeitaktivitäten des Kindes und eine sinnvolle Auswahl an kindgerecht gemachten Filmen, Kindersendungen, Computerspielen und Internetseiten ist der Schlüssel für eine ausgewogene Medienerziehung. 

Mögliche Risiken für die Entwicklung durch Medien

Krankhafte Folgeschäden
Es ist erwiesen, dass Bewegtbilder Einfluss auf die Konzentrationsfähigkeit von Erwachsenen haben. Eine Studie des Gesundheitsministeriums belegt, dass übertriebener Medienkonsum Kleinkinder nachhaltig schädigen kann. Ungünstig hierbei ist, dass bereits 75% der Zwei- bis Vierjährigen täglich ein Smartphone nutzen. Und das mit Folgen: Die Kleinsten entwickeln Störungen wie Lese-, Rechtschreib- und Aufmerksamkeitsschwächen. Schlafstörungen und Aggressivität reihen sich mit ein. Besonders auffällig sind diese Reaktionen bei Kindern im Alter von 8 bis 14 Jahren.

Kurzsichtigkeit – Eine neue Volkskrankheit
Kurzsichtigkeit kann durch ständige Display-Nutzung ausgelöst werden. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Anzahl der kurzsichtigen Abiturienten und Hochschulabsolventen – weiter zunehmen wird. Aktuell sind über 50% der unter 25-Jährigen von der Sehschwäche betroffen.

Umgang mit Medien im Familienalltag
Die Medienausstattung in Familien ist explodiert: In fast allen Haushalten mit Kindern und Jugendlichen gehören ein Fernsehgerät, ein Handy oder Smartphone, aber auch Computer oder Laptop zur Grundausstattung. Aber vor allem der starke Anstieg der Internetzugänge in Haushalten mit Kindern (innerhalb von zehn Jahren von knapp 50 auf über 95 Prozent) sowie von mobilen Geräten wie Smartphones (von 60 auf knapp 98 Prozent) und Tablets machen deutlich, wie sich der Zugang, die Verfügbarkeit und der Gebrauch von Medien verändert haben. Laut der KIM Studie 2016 führt diese Technisierung in aufmerksamen Familien dazu, in bestimmten Situationen das Smartphone beiseitezulegen. Die Studie zeigt aber auch, dass immer mehr jüngere Kinder das Internet nutzen. Gleichzeitig setzt die Mehrheit der Eltern bisher keine technischen Jugendschutzlösungen in den Haushalten ein. 

Vorsicht bei YouTube
Knapp 17 Prozent der Kinder, die das Internet nutzen, sehen (fast) täglich Videos auf YouTube und das ohne zufriedenstellenden Jugendschutz. Wissen Sie, was ein „Pre-Roll“ ist? Das sind kurze Werbefilme, die auch auf YouTube vor dem ausgewählten Angebot laufen. Sie starten ungefragt und können inhaltlich nicht für Kinder geeignet sein. Es können von Nutzern Kommentare auf dieser Seite abgegeben werden, die unbequem für die Erziehung unserer Kinder sind. Auch Video- und Pop-Up-Werbung sind nicht kindgerecht. Zudem werden am Seitenrand stets ähnliche Inhalte angeboten, die Mädchen und Jungen dazu verleitet, immer weiter zu schauen und ganze Nachmittage mit bunten Videos verplempern.

In Familien wird der Medienumgang unterschiedlich gehandhabt. Drei Viertel der Eltern treffen Absprachen zur Nutzungsdauer von Internet, Fernsehen und Co. Auch auf inhaltlicher Ebene bestehen in drei von vier Familien Absprachen, was den digitalen Spielplatz angeht.

Wenn wir diese Dinge verinnerlichen, dann werden wir vielleicht wieder Kinder an den Bushaltestellen sehen, die sich verträumt die Wolken ansehen anstatt ihre Handybildschirme.
| Text: Stefanie Steinbach