Den Stars und Sternchen so nah mit Jana: Hannes Ringlstetter im Interview zum Jubiläum von „Hubert und/ohne Staller“ und seinem neuen Album „Bellavista“
...mit bayerischem Charme und jeder Menge Humor
Hannes Ringlstetter hat viele Talente – und die besondere Gabe, Menschen mit Humor, Musik und Geschichten für sich zu gewinnen. Sein trockener Witz, seine Herzlichkeit und ein wohltuend selbstironischer Blick auf das Leben lassen ihn zu einer unverwechselbaren Persönlichkeit der bayerischen Unterhaltungslandschaft werden. Mit regelmäßigen Auftritten in „Grünwald Freitagscomedy“ wurde er einem breiteren Fernsehpublikum bekannt. Als umtriebiger Yazid in „Hubert und/ohne Staller“ eroberte er die Herzen der Serienfans, als Gastgeber seiner eigenen Talkshow „Ringlstetter“ empfing er an der Seite von Caro Matzko unterschiedlichste Persönlichkeiten. Auch als Buchautor und Kabarettist geht er seinen eigenen Weg. Seine größte Leidenschaft gilt jedoch der Musik. Das Serienjubiläum, sein neues Album „Bellavista“ und die bevorstehende Tour liefern nun reichlich Gesprächsstoff. Unsere Redaktionsleitung Jana Dahnke sprach mit ihm über besondere Begegnungen, die Freude am gemeinsamen Musizieren und eine Hose mit Kultstatus…
Hannes Ringlstetter: In erster Linie ist es das Anarchische: Die Figuren haben von Anfang an etwas Holzschnittartiges. Wenn ich mir eine Folge anschaue, denke ich immer: Keiner von denen kriegt sein Leben auf die Kette. Im Grunde sind das alles gescheiterte Existenzen. Man hat sie deshalb so lieb, weil sie durchs Leben stolpern und überhaupt keine Lernkurve haben. Darin findet sich wahrscheinlich mach einer wieder. Dazu kommt, dass die Serie einfach wirklich lustig ist. Es ist immer klar: Das ist alles nicht ernst gemeint. Dadurch wirken selbst die Todesfälle nicht grauenvoll. Es gibt nichts Bedrohliches, alles bleibt irgendwie harmlos – und das meine ich ausdrücklich im positiven Sinn.
Du spielst seit dem Serienstart im Jahr 2011 den Yazid. Was magst Du nach so langer Zeit an dieser Figur am liebsten – und was verlangt Dir die Rolle ab?
Diese fehlende Weiterentwicklung ist tatsächlich die größte Herausforderung: Man spielt 15 Jahre lang denselben Menschen, während man sich selbst natürlich verändert. Dann schlüpfe ich in seine Hose, ziehe die Jacke an und habe die Aufgabe, eben wieder dieser Yazid zu sein. Gleichzeitig habe ich das große Glück, dass die Rolle ein bisschen mit dem Pumuckl vergleichbar ist: Der kann sich alles erlauben. Jeder weiß, dass er von ihm beschissen wird, und trotzdem bekommt Yazid in der nächsten Folge wieder einen Auftrag. Er kann eigentlich machen, was er will, und bleibt immer auf der Sonnenseite des Lebens. Er ist ein Halodri, der mit allem durchkommt und für seine Unverschämtheiten nie bestraft wird. Es ist total schön, ihn zu spielen!
Apropos Hose: Stimmt es, dass Du noch immer dieselbe wie in der ersten Staffel trägst?
(Lacht) Ja, das ist meine „Challenge of Life“: Zum Drehstart möchte ich immer so in Form sein, dass ich da noch hineinpasse. Das war ursprünglich meine private Hose, die mir die Produktion zu Beginn abgekauft hat. Damals dachten alle, ich würde sie vielleicht ein, zwei Staffeln tragen. Jetzt habe ich sie seit 15 Jahren an. Und sie hilft mir total: Wenn ich ans Set komme und die Hose anziehe, weiß ich sofort wieder, wie er geht, der Yazid.
Wie viel Yazid steckt privat in Dir? Könntest Du im echten Leben einen alten Fiat Panda beziehungsweise andere Dinge reparieren – oder muss da gleich ein Fachmann ran?
Ich kann diesbezüglich wirklich überhaupt nichts! Dass ich so etwas könnte, ist wahrscheinlich das größte Missverständnis in der Bevölkerung. Ich bin handwerklich und technisch eine vollkommene Null. Ich muss fast schon für das Wechseln einer Glühbirne einen Elektriker anrufen. (Lacht) Umso erstaunlicher finde ich es, mich als Yazid zu sehen: Da gehe ich Dinge an, an die ich mich im wirklichen Leben nie heranwagen würde. Das finde ich schon lustig.
Du bist Musiker, Kabarettist, Schauspieler, Buchautor und noch einiges mehr – in welchem dieser Bereiche kannst Du Dich am besten ausleben und fühlst Dich am meisten „dahoam“?
Dort, wo ich alles selbst gestalten kann. Ich schreibe Songs, spiele sie mit der Band ein und bringe sie auf die Bühne, seit ich denken kann. Das kommt aus mir heraus. Deshalb fühle ich mich in der Musik am besten aufgehoben: Da kenne ich mich aus, bin am sichersten und auch emotional am stärksten beteiligt. Bei der Schauspielerei konzentriere ich mich an den Drehtagen ganz auf meine Rolle. Das ist eine andere Art zu arbeiten. Weil ich nicht ständig vor der Kamera stehe, bewahrt sie für mich etwas Spielerisches, das mir große Freude bereitet. Meine Wurzeln liegen aber in der Musik – und da fühle ich mich am meisten zu Hause.
Mit „Bellavista“ steht Dein neues Album in den Startlöchern. Woher nimmst Du die Inspiration für Deine Songs?
Das Leben hält eigentlich alles bereit – man muss nur hinschauen. Ich gehöre nicht zu den Künstlern, die sich in ein finsteres Zimmer setzen und die Inspiration in sich selbst suchen. Ich gehe durchs Leben, mir fällt etwas auf, etwas beschäftigt mich gedanklich oder emotional – ob im Großen oder im Kleinen. Seit meiner Kindheit schreibe ich dann meine Gedanken auf oder nehme ein Instrument in die Hand und spiele dazu. Mal wird daraus eine Geschichte, mal ein Lied, mal wird’s eben nichts. Für mich ist das ein ganz normaler Vorgang und ich kenne es gar nicht anders.
Deine Musik ist „ganz ohne KI“ entstanden. Was kann künstliche Intelligenz niemals ersetzen, wenn Menschen gemeinsam musizieren?
Künstliche Intelligenz schafft Produkte. Aber beim Musizieren ist das Produkt nicht das Entscheidende. Es geht darum, dass sich Raum und Zeit auflösen können, wenn man gemeinsam spielt und ganz in diesem Moment lebt. Das ist für mich das Wichtigste am künstlerischen Arbeiten – ob beim Drehen oder in der Musik: Wenn sich alles richtig anfühlt, denkt man weder an die Vergangenheit noch an die Zukunft. Man ist einfach nur da. Diese Empfindung ist unersetzbar. Die kann einem niemand abnehmen – und schon gar kein technisches Gerät.
Mit „Bellavista“ bewegst Du Dich zwischen unterschiedlichen musikalischen Stilrichtungen. Wie wichtig ist Dir diese Vielseitigkeit?
Sehr, denn ich komme nicht aus einem bestimmten musikalischen Genre. Zu jeder Textidee oder Empfindung fällt mir eine musikalische Richtung ein. Und ich habe das Glück, eine Band zu haben, die all diese Genres spielen kann und Bock darauf hat. Ich selbst habe große Lust, mich in diesem „Gemüsegarten der Popmusik“ aufzuhalten. Immer nur denselben Stiefel zu spielen, wäre mir einfach zu langweilig.
Mit Deiner Band gehst Du 2027 auf „Bellavista“-Tour. Was kann ein gemeinsames Konzerterlebnis in uns auslösen, das beim Scrollen durch soziale Medien auf der Strecke bleibt?
Nach so vielen Jahren auf der Bühne habe ich mir angewöhnt, das Publikum vor und nach dem Konzert zu beobachten. Gerade freitagabends kommen einige direkt von der Arbeit, sind noch gestresst oder müde. Zweieinhalb Stunden später gehen sie im Idealfall glücklich und zufrieden nach Hause. Zumindest hat sie jemand aus ihrer Welt abgeholt, in eine andere mitgenommen und auf andere Gedanken gebracht. Das ist wichtig für die Gesellschaftshygiene: dass wir Orte aufsuchen, die uns inspirieren und an denen wir unseren Körper wieder spüren. Dass wir uns bewegen, tanzen oder mitsingen, statt immer weiter auf einen Bildschirm zu schauen.
Bei Deinem Duett mit Ina Müller trafen Plattdeutsch und bayerisches Lebensgefühl aufeinander. Wie hast Du diesen besonderen Moment erlebt – und das Gefühl, dass Dialekte keine Grenzen kennen?
Ich glaube, das hat viel mit dem eigenen Spirit zu tun: ob man open minded ist und keine Grenzen im Denken hat. Musik hilft dabei natürlich – sie ist ja eine Universalsprache. Ina und ich kannten uns schon, aber beim gemeinsamen Singen sind wir uns noch einmal anders begegnet. Und plötzlich merkt man: Oh, das könnte jetzt etwas Besonderes sein. Dann freut man sich, dass man Teil dieses Momentes ist, und weiß, dass er vielen Menschen Freude bereiten wird. Wenn einem das gelingt, ist das ein großes Glück im Leben.
Du hast Deine Talkshow „Ringlstetter“ auf dem Höhepunkt beendet. Welche Geschichte hinter den Kulissen ist Dir besonders in Erinnerung geblieben?
Bei 250 Folgen gibt es natürlich eine Menge, an das ich gerne zurückdenke. Im Gedächtnis geblieben ist mir zum Beispiel der erste Besuch von Helge Schneider. Damals waren wir alle wahnsinnig nervös, weil Helge gern tut, was er will. Unsere Sendung lief ganz am Anfang noch nicht so gut. Da bedeutete es uns viel, dass jemand mit seiner Bekanntheit kam. Vor der Show bin ich zu ihm gegangen und habe gesagt: „Helge, für uns ist es total wichtig, dass das eine gute Sendung wird. Wenn Du mir einen Gefallen tust und sie nicht sprengst, wäre das wirklich super.“ Er hat sich darauf eingelassen, seitdem mögen wir uns sehr und dass das funktioniert hat, fand ich unheimlich beruhigend.
Wann hast Du gemerkt, dass Du Menschen gerne zum Lachen bringen möchtest?
Das war schon als Kind so. Mir war oft langweilig, und damit wollte ich mich nicht abfinden. Also habe ich irgendwann selbst das Ruder übernommen und die anderen unterhalten.
Wie kannst Du am besten abschalten und neue Kraft schöpfen?
Vieles, was ich beruflich ausübe, ist zugleich ein Ausgleich für mich – gerade die Musik. Außerdem haben wir seit einigen Jahren eine Wohnung in Italien: Dort kennt mich niemand, ich habe meine Ruhe. Das ist für mich unglaublich wichtig. Ansonsten bin ich am liebsten zu Hause. Weil ich so oft unterwegs bin, freue ich mich über ein paar Tage am Stück daheim und einen Hauch von Alltag. Während andere sich nach Abwechslung sehnen, genieße ich es, ein Bier zu trinken, zu kochen, Freunde zu empfangen und Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Das ist für mich wunderbar.
Gibt es etwas, das Du heute mit Mitte 50 ganz anders siehst als mit 30?
Ja, alles. Vor allem verändert sich der Blick auf sich selbst. Das Wichtigste, was man sich beim Älterwerden zulegen sollte, ist Selbstironie. Ich nehme mich längst nicht mehr so wichtig wie mit 30. Mir ist bewusst, dass das alles ein vergängliches Spiel ist und das Ganze tun keinen großen Einfluss auf die Weltgeschichte hat. Umso schöner ist es, im Kleinen etwas Positives zu bewirken und anderen Menschen Freude zu bereiten. In jungen Jahren handelt man viel für sein Ego oder wegen seiner eigenen Komplexe. Wenn man diesen Beruf mit zunehmendem Alter weiterhin aus Leidenschaft ausübt, geht es immer mehr um die Sache selbst und um die anderen. Das ist schön.
Du kannst mit Tracht wenig anfangen. Heißt das folglich ohne Lederhose aufs Oktoberfest?
Ja, natürlich. Ich gehe ganz normal angezogen auf die Wiesn. Das geht – und ist, glaube ich, auch noch nicht verboten. (Lacht) Den ganzen Fasching verstehe ich einfach nicht so ganz.
„Bellavista“ steht für schöne Aussichten. Worauf blickst Du persönlich gerade mit der größten Vorfreude?
Zunächst darauf, dass wieder zwei Staffeln „Hubert ohne Staller“ hintereinander im Fernsehen laufen. Darauf haben alle lange gewartet. Ende Oktober erscheint dann mein neues Album „Bellavista“ und da ist natürlich auch Aufregung dabei: Wie kommt es bei den Menschen an? Gefällt es ihnen? Anschließend geht es auf Tour. Eigentlich bin ich ein totaler Sommermensch und überhaupt kein Winterkind. Trotzdem freue ich mich diesmal auf den Herbst und den Winter – weil so viele schöne Dinge anstehen.
Unbedingt einschalten!
Beste Aussichten für alle „Hubert ohne Staller“-Fans: Ab 14. Oktober wird in Wolfratshausen wieder ermittelt! Und es herrscht nicht nur Dienst nach Vorschrift, sondern Jubel im Revier: 15 Jahre „Hubert ohne Staller“ und die 200. Episode der Serie – wenn das kein Grund zum Feiern ist!Hubert und Girwidz bekommen es auch in den neuen Folgen der 13. und 14. Staffel mit skurrilen Mordfällen zu tun, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Ein kurzer Abstecher in Yazids Bäckerei endet für Girwidz in einem fensterlosen Raum – und er ist nicht allein. Ein neunjähriger Junge will einen spektakulären Mord gesehen haben. Girwidz ermittelt verdeckt bei „Frische Felix“. Auf einer Faschingsparty wird ein Stadtrat erschossen, ein Umweltaktivist stirbt an einem Foodtruck und ein Mafia-Kronzeuge muss im Revier vor einem Anschlag geschützt werden. Riedl meldet sich „undercover“ zu einem Flirt-Seminar an, Hubert schlüpft in die Rolle eines Tresorknackers und muss sogar in einer Clown-Schule ermitteln – obwohl er Clowns alles andere als lustig findet...
Neue Folgen der 13. Staffel ab Mittwoch, 14. Oktober 2026 um 18:50 im Ersten und in der ARD Mediathek.
Jubiläums-Ausstrahlung der 200. Folge „Tote Zeugen singen nicht“ am Mittwoch, 25. November 2026 um 18:50 Uhr im Ersten
14. Staffel ab Mittwoch, 2. Dezember 2026, immer um 18:50 Uhr im Ersten und in der ARD Mediathek.
Hannes Ringlstetter geht 2027 mit seiner Band auf große Tournee!
Unter dem Motto „Bellavista“ – schöne Aussichten – wird es nach einer kreativen Auszeit und intimen Clubkonzerten wieder laut, lebendig und musikalisch facettenreich.Das gleichnamige Album „Bellavista“ (VÖ 23.10.2026) ist natürlich mit im Tourbus – randvoll mit neuen Songs über das Leben in all seinen Höhen und Untiefen. Musikalisch bewegt sich Ringlstetter mit seiner Band gewohnt genreübergreifend: von kraftvollem Rock über entspannten Reggae bis zu poetischen Folkstücken. Alles live, alles handgemacht, ganz ohne KI – mit spürbarer Spielfreude, großer Musikalität und einer ordentlichen Portion Selbstironie.
Alle Termine unter www.ringlweb.de/erleben













