Den Stars und Sternchen so nah mit Jana: Luis Vorbach im Interview – von „Die Schule der magischen Tiere“ ins raue Berlin von „4 Blocks Zero“
Vom Allgäu ins Rampenlicht
Der deutsche Schauspieler Luis Vorbach bringt mit seinen jungen Jahren bereits das mit, was sich viele erst über eine lange Karriere erarbeiten: herausragende Hauptrollen und ein bemerkenswert breites Repertoire. Schon im Familienfilm „Auf Augenhöhe“ bewies der gebürtige Kaufbeurer sein Gespür für Figuren, die berühren, und wurde dafür international prämiert. Es folgten unter anderem „Unheimlich perfekte Freunde“ und die Erfolgsreihe „Die Schule der magischen Tiere“. Mit „4 Blocks Zero“ steht nun ein besonders spannendes Kapitel an: kompromisslose Charaktere, eine intensive Atmosphäre und eine Geschichte, die unter die Haut geht. Ein Umfeld, in dem Luis eine neue Facette seines Könnens zeigt. Über diesen nächsten Schritt und seine Leidenschaft für die Schauspielerei sprach er mit unserer Redaktionsleitung Jana Dahnke im exklusiven Interview...
Luis Vorbach: Ich war bereits vorher ein riesiger Fan von „4 Blocks" und feiere die Serie total. Deshalb habe ich mich extrem gefreut, dass ich in der Vorgeschichte den jungen Vince Kerner spielen darf. Am ersten Drehtag musste ich tatsächlich ein bisschen über meinen Schatten springen, weil wir eine Menge improvisiert haben. Vom Regisseur bekamen wir ein paar Hinweise, worauf wir achten sollten und was in der Szene wichtig war. Ansonsten konnten wir selbst einiges einbringen – auch ganze Texte. Diese Freiheit beim Dreh fand ich dann richtig cool.
War es für Dich ein Druck, in die Fußstapfen einer so legendären Figur zu treten?
Für mich war es schön, die Vorgeschichte erzählen zu dürfen, weil noch so viele Fragen offen sind – gerade bei meiner Rolle. Ich musste mich dabei nicht eng an Frederick Laus Darstellung orientieren: In „4 Blocks“ ist Vince ja Polizist und ermittelt verdeckt. Im Prequel ist er noch ein ganz anderer Typ und entwickelt sich erst zu dem Vince, den man aus dem Original kennt. Deswegen war das für mich eigentlich ziemlich locker.
Trotzdem erkennt man in Deiner Darstellung den Vince, den Frederick Lau geprägt hat – in Deinen Bewegungen, Deiner Sprechweise und kleinen Eigenheiten. Wie hast Du diese Verbindung gefunden?
Es freut mich zu hören, dass man Vince irgendwie spürt. Ich hatte mir zur Vorbereitung die Serie noch einmal angeschaut und mir ein paar Sachen überlegt, die ich übernommen habe. Dabei habe ich gehofft, dass man die Verbindung erkennt. Der Regisseur hat mir aber auch gesagt: Vince ist zu diesem Zeitpunkt noch ein anderer Typ, da hast du freie Hand.
Wie ist der Draht zwischen Dir und Frederick Lau abseits der Kamera?
Wir verstehen uns sehr gut und sind nach wie vor in Kontakt. Er hat mich absolut supportet und freut sich auf die Serie. Er hofft sogar, dass sie noch mehr einschlägt als „4 Blocks“ damals. Das fand ich unglaublich nett.
Gibt es eine Eigenschaft von Vince, die Dir privat fremd ist, die Du aber beim Dreh gefeiert hast?
Da fällt mir direkt das Rauchen ein. Privat rauche ich so gut wie gar nicht – höchstens mal eine Zigarre zu einem besonderen Anlass. Zu Vince gehört es aber irgendwie einfach dazu.
„4 Blocks Zero“ spielt in den Neunzigern, also vor Deiner Geburt. Welche Details am Set haben Dich besonders begeistert?
Bei den alten BMWs und Mercedes geht mir das Herz auf. Und in einer Szene bestelle ich mit einem alten Handy Pizza – das war interessant, weil ich solche klobigen Geräte aus meiner Kindheit gar nicht kenne. Die Outfits waren dagegen gar nicht so ungewohnt, manches davon trägt man heute wieder. Grundsätzlich bin ich mit älteren Sachen aber ganz gut vertraut und mag sie.
Welche Szene hat Dich besonders gefordert?
Eine der Clubszenen war extrem fordernd – da möchte ich jetzt aber nicht spoilern. Trotzdem sind es gerade solche Acts, die ich gerne spiele. Das klingt vielleicht ein bisschen komisch, aber wenn es anstrengend wird, hat es für mich einen besonderen Reiz – weil es sich so authentisch anfühlt.
Beim Dreh folgt Ihr ja nicht der Reihenfolge der Geschichte. Wie durcheinander geht es zu?
Das ist im Endeffekt ziemlich wirr. Heute dreht man die Beerdigung und am nächsten Tag die Szene, in der man sich überhaupt erst kennenlernt. (Lacht)
Wie war es, die fertige Serie zu sehen – was hat Dich besonders gepackt?
Ich finde „4 Blocks Zero“ extrem gut. Dieses ganze Setting in den Neunzigern taugt mir total. Alles ist genauso wie im Original. Nichts wird schöngeredet, es wirkt so echt, als wäre man selbst dabei. Und es ist spannend, die Figuren heranwachsen zu sehen. Ich freue mich wirklich sehr auf die Serie!
Du wohnst im Allgäu, für die Dreharbeiten ging es nach Berlin. Welchen Eindruck hat die Stadt bei Dir hinterlassen?
Berlin ist eine coole Stadt, in der man viel erleben kann. Es gibt tolle Restaurants und Cafés und man ist mittendrin in der Filmbranche. Dass ständig etwas los ist, hat natürlich seine Vorteile. Ich bin gerne zum Arbeiten dort, aber dauerhaft wäre mir das zu anstrengend. Wenn ich nicht drehe, genieße ich die Ruhe zu Hause im Allgäu. Hier bin ich aufgewachsen, hier habe ich meine Familie und meine Hunde. Ich habe meistens sowieso volles Programm und bin dann froh, wenn ich mit den Hunden Gassi gehen kann, statt in überfüllte S-Bahnen zu steigen. (Lacht)
Du hast viele Jahre leistungsorientiert trainiert – hilft Dir der Schwimmsport heute noch nach intensiven Drehtagen abzuschalten oder wo findest Du zu Dir selbst?
Mittlerweile komme ich leider weniger zum Schwimmen. Ein Ausgleich ist mir aber nach wie vor wichtig und wenn ich zuhause bin, gehe ich auch viel mit meinen Hunden spazieren, um den Kopf freizubekommen. Vom Schwimmsport profitiere ich allerdings bis heute. Schon als Kind hat mich das Training sehr gefordert, und ich musste viel Disziplin mitbringen. Das hilft mir beim Drehen extrem, genauso wie die Ausdauer. Wir sitzen ja nicht immer nur irgendwo und reden. Es gibt auch einige körperlich anstrengende Szenen, in denen wir zum Beispiel rennen müssen. Da ist es natürlich ein Vorteil, wenn man fit ist – und das Rauchen lieber bleiben lässt. (Lacht)
Wie bist Du eigentlich zur Schauspielerei gekommen?
Das hat sich eher zufällig ergeben – und zwar in der Firma meiner Mutter. Als mein Bruder und ich uns im Hof eine Wasserschlacht lieferten, waren Kunden zu Besuch, die Schmuck für einen Film kauften. Sie wurden auf uns aufmerksam und fragten, ob wir Lust auf ein Casting hätten. Mein Bruder war sofort begeistert, und ich dachte: Dann komme ich halt mit. Er konnte den Text perfekt, ich wusste nur grob, worum es ging, und habe improvisiert. Am Ende habe ich eine kleine Rolle bekommen – das war 2013. Ein Jahr später folgte meine erste größere Rolle im ARD-Zweiteiler „Die Himmelsleiter“, danach mein erster Kinofilm „Auf Augenhöhe“. Das lief parallel zur Schule. Deswegen musste ich auch immer gute Noten haben, um für die Drehs freizubekommen. Ansonsten hat mich Schule ehrlich gesagt nicht besonders interessiert.
Du hast als Kind angefangen und stehst jetzt als junger Erwachsener vor der Kamera. Wie hat sich Dein Blick auf diesen Beruf in den letzten Jahren verändert?
In der Branche tut sich ständig etwas, und ich freue mich auf das, was noch kommt. Für mich hat sich über die Jahre herauskristallisiert, dass ich das beruflich machen möchte. Nach meinem Realschulabschluss habe ich dann entschieden, mich ganz auf die Schauspielerei zu konzentrieren. Mir ist vor allem wichtig, unterschiedliche Charaktere zu verkörpern und mich weiterzuentwickeln.
Welche Rolle würde Dich besonders reizen – und mit wem würdest Du einmal zusammenarbeiten wollen?
Figuren wie Dexter oder der Joker faszinieren mich. Ich hätte Lust, mal solche Rollen zu spielen. Entscheidend ist für mich, dass mich eine Rolle fordert und ich etwas zeigen kann, das ich bisher noch nicht gespielt habe. Mit Mel Gibson, Jason Statham, Christian Bale oder Ryan Gosling würde ich gerne vor der Kamera stehen. Und mit Regisseuren wie Martin Scorsese, Christopher Nolan, Quentin Tarantino, Roland Emmerich oder Marco Kreuzpaintner arbeiten. Das sind natürlich große Namen, viele davon international. Und es gibt bestimmt noch einige, die mir momentan nicht einfallen.
Bei „Die Schule der magischen Tiere“ entsteht Dein tierischer Spielpartner erst digital. Wie ist das bei den Dreharbeiten, eine Beziehung zu einem Tier glaubwürdig zu spielen, das noch gar nicht da ist?
Wir hatten einen festen Punkt, auf den wir unseren Blick richten mussten – bei meinem Krokodil war dieser am Boden. Das ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Ähnliches kannte ich schon von einer Doppelrolle, in der ich mein eigenes Spiegelbild verkörpert habe. Bei manchen Einstellungen stand mir ein Double gegenüber, das nur von hinten zu sehen war. Bei anderen musste ich mir mein Gegenüber vorstellen.
Für „Die Schule der magischen Tiere“ hast Du Choreografien einstudiert. Wäre „Let’s Dance“ eine Herausforderung für Dich?
Ich bin eigentlich kein Tänzer, aber gerade deshalb würde es mich reizen. Generell bin ich offen für Neues und lerne gerne dazu. Solche Fähigkeiten können nämlich später für eine Rolle hilfreich sein. Deshalb habe ich zum Beispiel angefangen zu reiten, um ein paar Grundlagen mitzubringen, wenn es bei einem Dreh gefragt ist.
Ein lustiger Fakt über Dich, den Deine Fans nicht wissen…
Ich habe einen absoluten Ordnungszwang. Bei mir muss immer alles sauber und aufgeräumt sein. Schon wenn drei, vier Sachen im Zimmer herumliegen, stört mich das beim Arbeiten – Unordnung geht für mich gar nicht.
Kannst Du bei einem Film einfach abschalten, oder schaut der Schauspieler immer mit?
Mir fallen vor allem Filmfehler auf. Ich analysiere aber nicht permanent. Ich kann schon auch abschalten. Bei Filmen wie „Taxi Driver“, „The Wolf of Wall Street“ oder „Joker“ schaue ich aber genau hin, weil ich aus solchen Meisterwerken viel für meine eigene Arbeit mitnehmen kann.
Warum sollte man sich „4 Blocks Zero“ auf keinen Fall entgehen lassen?
Ich denke, für 4 Blocks Fans ist Zero ein „Muss“, um die Vorgeschichte und die Entwicklung der einzelnen Figuren besser verstehen zu können. Außerdem ist sie extrem spannend gemacht. Meiner Meinung nach hat man so etwas in Deutschland bisher noch nicht gesehen. Deshalb freue ich mich, wie gesagt, total darauf, wenn „4 Blocks Zero“ am 25.09. auf HBO Max startet!
4 BLOCKS ZERO ist ab 25. September auf HBO Max verfügbar, jeden Freitag erscheint eine neue Folge.
Jetzt wird Vorgeschichte geschrieben!
Das Prequel zum preisgekrönten Gangster-Drama „4 Blocks“ erzählt die Geschichte der Hamadys im Berlin der 1990er: Aus dem Libanon geflüchtet, in Deutschland nur geduldet, kämpfen sie darum hier Fuß zu fassen. Wer sind sie, wie wurde die Familie zum einflussreichsten Clan der Stadt und aus Ali schließlich Toni?- Mit: Luis Vorbach, Tariq Al-Saies, Rami Fadel Khalaf, Tareq Nassery, Soufiane El Mesaudi, Mohammad Eliraqui und weiteren
- Von den Machern von „4 Blocks“: Produziert von W&B Television, inszeniert von Özgür Yıldırım und Hüseyin Tabak

















